Kann passieren, sollte es aber nicht!

TSV Hertha BSC 26.02.2011Am gestrigen Samstag gastierte der Tabellenführer aus Berlin am Tivoli. Die Hertha, die in der Rückrunde sämtliche Auswärtspartien deutlich für sich hatte entscheiden können, schwächelte zuletzt lediglich im heimischen Olympiastadion. Dementsprechend selbstbewusst zeigten sich die Hauptstadtkicker dann auch auf dem Tivoli.

Bereits kurz nach Anpfiff war klar, dass die Hertha an diesem Tag äußerst konzentriert zu Werke gehen würde. Ein spielerisches Übergewicht hatten sich die Gäste schnell erarbeitet, was nicht zuletzt an der Passivität der Alemannia lag. Der Ertrag sollte leider auch nicht lange auf sich warten lassen. Schon in der 10. Minute war es Fabian Lustenberger, der den Ball nach maßgeschneiderter Flanke von Adrian Ramos per Direktabnahme unhaltbar ins Netz hämmerte. Ein durchaus sehenswerter Treffer, der so aber nicht hätte passieren dürfen. Lustenberger war im Zentrum des Strafraums vollkommen ungedeckt und konnte nach Lust und Laune vollenden.

Spätestens bis zur 23. Minute hatte sich dann ein weiteres Manko aufgezeigt. Während die Defensive leider gewohnt unsicher agierte, hatte auch die Offensive an diesem Tag einen schweren Stand gegen die starke Berliner Hintermannschaft. So sich dann doch Chancen ergaben, wurden sie im letzten Moment geklärt oder vom gestern sehr schwach pfeifenden Schiedsrichter Sippel zunichte gemacht. In der 23. Minute hatte er bei einem vermeintlichen Foulspiel von Kobiaschwili an Auer eine Schwalbe des Aachener Stürmers erkannt. Statt einem Elfmeter ahndete er die Aktion mit einer gelben Karte für Auer. Während hier von den Rängen aus nicht genau zu erkennen war, was sich abgespielt hatte, war dies zehn Minuten später komplett anders. Zuerst entschied Sippel vollkommen unverständlich auf Einwurf für Hertha. Im direkten Anschluss an diese Situation gelangten die Berliner an die Torauslinie der Alemannia. Auch hier war es ein Berliner, der zuletzt den Ball berührte. Dies schien Schiedsrichter Sippel allerdings nicht großartig zu interessieren, weshalb er auf Ecke für Berlin entschied. Toll, dass gerade aus dieser Ecke das 2-0 für die Hertha resultierte. Ramos musste die Vorarbeit von Sippel und Rukavytsya nur noch per Kopf über die Linie drücken. Leider darf aber auch nicht vergessen werden, dass gleich fünf Alemannia-Akteure den Hertha-Stürmer bei seinem Kopfball lediglich bewunderten. Stören wäre hier wahrscheinlich wesentlich angebrachter gewesen. Nur drei Minuten später schien die Partie dann endgültig entschieden zu sein. Nach toller Zusammenarbeit und einem simplen Doppelpass mit Niemeyer tauchte plötzlich Pierre-Michael Lasogga, der vor der Saison noch als heißer Kandidat für einen Job bei der Alemannia gehandelt worden war, frei vor David Hohs auf. Sekunden später stand es 0-3.  Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Halbzeit.

Die Geschichte des zweiten Durchgangs ist dann leider auch schnell erzählt. Coach Hyballa hatte zwar gleich dreimal gewechselt (Radu für Kratz, Demai für Casper und Höger für Arslan), doch auch diese Wechsel sollten schließlich nicht die gewünschte Wende herbeiführen können. Zwar dominierte die Alemannia nun ziemlich klar die Partie, konnte sich dabei aber keine zwingenden Torchancen erarbeiten. Ganz im Gegenteil zur Hertha, die an diesem Tag unglaublich effektiv agierte. Nahezu jeder zweite Torabschluss führte hier zu einem Treffer, oftmals leider begünstigt durch das schlechte Abwehrverhalten der Alemannia-Defensivabteilung. Mitten in die Drangphase machten die Berliner dann endgültig den Sack zu. Erst schloss Rukavytsya einen Konter souverän zum 0-4 ab, ehe Adrian Ramos nur drei Minuten später (59. Minute) nach einer Flanke lediglich noch seinen Fuß hinhalten musste. Damit war die Messe dann endgültig gelesen.

Allerdings gab es noch zwei Szenen, die an dieser Stelle mal erwähnt seien. Als erstes ist hier die Rede von einem Bodycheck von Adrian Ramos. Völlig unnötig checkte dieser nämlich Marco Höger, der sich in vollem Lauf befand, über die Außenlinie in die Bande. Von den Rängen sah das nach versuchter Körperverletzung aus. Peter Sippel ließ sich nach langem Hin und Her immerhin doch noch dazu breitschlagen, ihm dafür die gelbe Karte zu zeigen. Das erstaunte umso mehr, als dass er in der ersten Halbzeit noch jedem Aachener für einen Hauch von Foul eine gelbe Karte unter die Nase gehalten hatte. Patrick Ebert beispielsweise brauchte geschätzte sieben Fouls, um letztlich verwarnt zu werden. Die Verhältnismäßigkeit stimmte einfach zu keinem Zeitpunkt. Das wird besonders deutlich, wenn man sich die zweite auserchorene Szene vor Augen führt. Levan Kobiaschwili spielte auf Höhe der Eckfahne einen Ball nach vorne, während Manuel Junglas per Grätsche einen Meter vor ihm vorbeirauschte. Was Junglas womöglich als Zeichen für den Rest des Teams angesehen hatte, war Schiedsrichter Sippel allerdings einen Pfiff wert. Dass er dafür keine gelbe Karte sah, war auch noch das Positivste an dieser Aktion. Aber warum pfeift man so etwas denn ab, wenn man die Aktion von Ramos am liebsten ungeahndet lassen will?

Nun gut, wollen wir uns zum Schluss mal nicht zu sehr auf den Schiedsrichter und seine durchaus seltsame Art einschießen. Alles in allem muss man einfach anerkennen, dass die Berliner vollkommen zu Recht auf dem Tivoli triumphiert haben. Während auf Hertha-Seite besonders die Effektivität herausstach, vermisste man auf Aachener Seite die offensive Durchschlagskraft sowie die defensive Ordnung. Letztlich fiel der Sieg sicherlich das ein oder andere Törchen zu hoch aus, war aber absolut nachvollziehbar. Ich lehne mich vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster, wenn ich vorgebe, dass so etwas mal passieren darf, will jedoch im gleichen Atemzug festhalten, dass es nach Möglichkeit nicht noch einmal passieren sollte. Das Team ist nach wie vor ein sehr junges und hat in letzter Zeit teilweise toll aufspielen können. Da sollte man der Truppe auch derartige Klatschen nachsehen können. Und dass es noch schlimmer geht, hat sich just heute in der Serie A gezeigt.

Wir Sportfreunde freuen uns indes, dass sowohl mit Kevin Kratz als auch mit Timo Achenbach die Verträge verlängert werden konnten. Außerdem können wir uns schon jetzt auf einen neuen Rechtsverteidiger freuen, da Jonas Strifler von Dynamo Dresden für die kommende Saison unter Vertrag genommen werden konnte.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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