Zwei Siege und ein fader Beigeschmack

Es war ein ereignisreicher Samstag, der heute „leider“ schon wieder hinter uns liegt. Immerhin haben es die Sportfreunde Kaiserstadt gestern geschafft, mit gleich fünf Mitgliedern zum Zweitligaspiel in Paderborn vor Ort zu sein. Außerdem war über den Tag auch der Entschluss gereift, nach Möglichkeit noch die Ladies in Black, das Frauenvolleyball-Team der Alemannia, zu unterstützen. Und da letztlich beide Teams glatte Siege einfahren konnten, hätte die Stimmung eigentlich nicht besser sein können. Wenn da nicht dieser Polizeieinsatz in Paderborn gewesen wäre …

Schon auf der letzten Mitgliederversammlung war der Entschluss gereift, am 19.2. gemeinsam nach Paderborn zu reisen. Am Ende waren es zwar lediglich Thomas H., Fritz, Sisi, Moritz und ich, die den Weg nach Paderborn antraten, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Um 8.30Uhr hatten wir uns also vor dem Tivoli getroffen. Thomas hatte seinen Wagen zur Verfügung gestellt, damit Fritz uns sicher nach Paderborn und zurück kutschieren konnte. Vom Start weg war die Stimmung prächtig. Sisi genehmigte sich flott noch einen Spezial-Kakao aus seiner Thermoskanne und wir machten es uns bequem. Geschätzte 20 Liter Kaltgetränke hatten irgendwie auch ihren Weg an Bord gefunden, der Großteil davon hatte zumindest einen gewissen Alkoholanteil. Dank „Unnützes Wissen I“, „Unnützes Wissen II“ und „Du hast mich auf dem Balkon vergessen“, dem Buch von SMSvonGesternNacht.de, war die Hinfahrt sehr kurzweilig. Hatten wir also um 8.55Uhr unsere Reise begonnen, waren wir bereits um 12.10Uhr auf dem Parkplatz der Energieteam Arena in Paderborn. Kurze Zeit später waren wir dann endlich auch im Besitz unserer Tickets.

Tor – Gegentor – Tor

Im Stadion angekommen folgte die fast schon erwartete Ernüchterung. Alkoholfreies Bier, Polizei in rauen Mengen und ein Stadion, das diesen Namen eher beiläufig erhalten zu haben scheint. Selten so eine erbärmliche Arena in Miniatur gesehen. Unsere gute Stimmung ließen wir uns allerdings auch dadurch nicht nehmen. Um 13Uhr war es dann so weit, die Partie wurde angepfiffen. Und ziemlich schnell wurde klar, wer an diesem Tag das Spiel in die Hand nimmt. Die Alemannia spielte vom Start weg konzentriert wie engagiert nach vorne und erarbeitete sich gleich mehrere gute Chancen. So war es auch nicht überraschend, dass es in der 7. Minute bereist klingelte. Nach einer langen Ecke von Kevin Kratz kam der Ball zu Tolgay Arslan, der den Ball unmittelbar auf Zoltán Stieber weiterleitete. Dieser fackelte auch nicht lange und drosch den Ball per Volleyabnahme an Masuch vorbei ins linke obere Toreck. So dieser Spielzug einstudiert war, ziehe ich meinen Hut. In jedem Fall ein sehr, sehr ansehnliches Tor.

Diese frühe Führung sollte allerdings nicht lange Bestand haben. Der Paderborner Jansen wurde auf der linken Seite steil geschickt, wo Mirko Casper ihm eigentlich schon den Ball abgenommen hatte. Casper vertendelte den Ball jedoch umgehend, weshalb Jansen unbedrängt in den Strafraum ziehen und den Ball ins lange Eck drücken konnte. David Hohs blieb hier leider nur die Zuschauerrolle, er hatte keine Abwehrchance. Nach 10 Minuten war die frühe Führung also schon wieder egalisiert. Es deutete sich mal wieder an, was in den letzten Wochen zum Tagesprogramm der Alemannia gehörte: „vorne hui – hinten pfui“.

Die Alemannia steckte den schnellen Ausgleich jedoch gut weg, umgehend wurde wieder nach vorne gespielt. In der 17. Minute hatte Shervin Radjabali-Fardi dann Pech, als seine Flanke gegen die Latte prallte. Auch Stieber und Auer hatten in der Folge wenig Glück bei ihren Abschlüssen. Das sollte sich nach einer halben Stunde aber entscheidend ändern. Nachdem wiederum Kevin Kratz eine Standardsituation scharfgemacht hatte, stand Benni Auer am langen Pfosten goldrichtig und drückte den maßgeschneiderten Freistoß über die Linie. Mit seinem 15. Saisontor übernahm Auer auch gleichzeitig die Führung in der Torschützenliste. Als hätte die Alemannia nichts aus dem umgehenden Ausgleich zum 1-1 gelernt, schliefen sie kurz nach der Führung erneut. Urplötzlich stand Sören Gonther vollkommen blank vor David Hohs. Alleine dem Unvermögen Gonthers war es zu verdanken, dass die Führung weiterhin Bestand haben sollte. Wenngleich David Hohs den Winkel auch gut zu verkürzen wusste.

Polizei mit Pfefferspray im Block – aber warum ?

Auf dem Platz sollte bis zur Halbzeit indes nicht mehr viel passieren. Das galt jedoch nicht für den Gästebereich der Alemannia-Fans, in dem wir uns befanden. Bereits nach der frühen Führung durch Stieber hatten wir beobachten können, dass sich unterhalb der Gegentribüne ein massives Polizeiaufgebot formiert hatte. Demonstrativ wie provokativ hatten sie sich bewusst in Sichtweite der Alemannia-Fans aufgebaut und somit für Aufsehen gesorgt. Was sich in der halben Stunde nach dem 1-0 angekündigt hatte, wurde dann schließlich kurz vor der Halbzeit Gewissheit. Die Polizei stürmte in voller Montur den Block. Rücksichtslos wurden die Blöcke der Alemannia-Fans geentert, während im Kernbereich des Einsatzes sogar Schlagstöcke und Pfefferspray zum Einsatz kamen. Die Folge dessen: 13 Verletzte, 4 davon sogar derart schwer, dass sie umgehend ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Auch wir konnten uns in Gesprächen während der Halbzeit ein Bild dessen machen, was sich da gerade abgespielt hatte. UNGLAUBLICH!!! Hochrote Köpfe, eingeschränktes Sehvermögen, gereizte Augen wie Atemwege, Jucken und Kratzen … die Sanitäter waren überall im Einsatz. Der Grund für den Einsatz soll übrigens folgender gewesen sein: Zwei Zaunfahnen sollen die Videoüberwachung der Polizei erschwert haben. Ein ausführlicher Bericht zu den Geschehnissen wird noch folgen. Die Sportfreunde Kaiserstadt können sich aber keinesfalls mit dem durch Einsatzleiter Jürgen Siebel veranlassten Einsatz im Gästebereich abfinden und erheben schwere Vorwürfe. Wir gehen sogar so weit und sagen, dass diese Aktion reine Polizeiwillkür war – total überzogen, unverhältnismäßig und unangebracht. Aber wie gesagt: Eine ausführliche Stellungnahme wird noch folgen.

Nun aber zurück zum Spiel, auf dem Rasen wurde nämlich ein starkes Spiel geboten. Das lag in besonderem Maße an der Alemannia, die hellwach aus der Kabine kam und sofort wieder Akzente setzte. Während mittlerweile Manuel Junglas für den angeschlagenen Marco Höger auf dem Platz stand, kontrollierte die Alemannia das Spiel. Ecke um Ecke sowie Freistoß um Freistoß konnte sich das Team von Peter Hyballa nun erarbeiten. In der 57. Minute hatten wir dann auch den Torschrei auf den Lippen, als ein von Kevin Kratz getretener Freistoß um Haaresbreite am Tor vorbeirauschte. Nur vier Minuten später konnten wir uns dann allerdings wieder freuen. Ein an und für sich eher harmloser Weitschuss fand tatsächlich den Weg ins Paderborner Tor. Shervin Radjabali-Fardi hatte abgezogen, der Ball zog knapp überhalb der Grasnarbe Richtung Tor, wo ihm Keeper Daniel Masuch lediglich Geleitschutz bot. Da war es, das erlösende 3-1.

In der Folgezeit nahm die Alemannia dann etwas Tempo aus dem Spiel, jedoch ohne wirklich das Zepter aus der Hand zu geben. Dazu kam es erst in den letzten zehn Minuten, als sich Paderborn ein letztes Mal aufrappelte. Während der Heimmannschaft allerdings bis auf einen gefährlichen Eckball keine nennenswerte Chance mehr gelang, ließ die Alemannia gute Konterchancen ungenutzt. So war es dann auch nach 92 gespielten Minuten vorbei, die Alemannia konnte den wichtigen Auswärtsdreier einfahren und damit in der Auswärtstabelle auf Platz 5 klettern. Auf ebendiesem Platz würde man sich außerdem auch in der Rückrundentabelle befinden, wenn man da nicht dieses Nachholspiel von Erzgebirge Aue gegen FSV Frankfurt in die Wertung einfließen ließe.

Mit der sportlichen Leistung durfte man gestern in jedem Fall überaus zufrieden sein. Die ein oder andere Unsicherheit war letztlich schon noch in der Defensive zu erkennen, aber dafür hat die Offensive gestern umso mehr überzeugt. Besonders Tolgay Arslan und Shervin Radjabali-Fardi, der gestern endlich wieder im Mittelfeld ran durfte, sind aus meiner Sicht hervorzuheben. Arslan zeigte eine umsichtige Partie, verteilte die Bälle gut und leitete viele gute Offensivaktionen ein. Radjabali-Fardi indes konnte wiedermal sein gesamtes Zweikampfverhalten unter Beweis stellen und sich im Mittelfeld austoben. Dass dabei sogar sein erster Treffer für die Alemannia raussprang, war ein netter Effekt dieser Umstellung. Wäre also nicht diese sinnfreie Polizeiaktion vor der Halbzeitpause gewesen, das Spiel in Paderborn wäre ein Erfolg auf ganzer Linie gewesen.

So machten sich die Sportfreunde Kaiserstadt mit gemischten Gefühlen wieder auf den Heimweg nach Aachen. Allerdings wurde die Stimmung umgehend wieder getrübt. Dank einer blöden Mittelfinger-Aktion hatte die Polizei anscheinend einen Shuttle-Bus zum Bahnhof aufgehalten. Kurze Zeit später wurden wir dann leider auch Zeugen eines schweren Unfalls auf der Autobahn. Es hatte einen Autoanhänger komplett zerlegt, der einen Opel Corsa komplett erwischt zu haben schien. Keine schönen Szenen, die sich da abspielten. Um wieder auf andere Gedanken zu kommen, widmeten wir uns wieder unserer Lektüre und verfolgten gespannt die Bundesliga-Konferenz. Das ein oder andere Gerstensäftchen leistete indes Abhilfe. Nachdem wir uns dann bei einer amerikanischen Burger-Kette eine Pause genehmigt hatten, musste das Tempo nun ein wenig angehoben werden. Schließlich wollten wir noch die Ladies in Black, das Frauenvolleyball-Team der Alemannia, beim Heimspiel gegen das Zürich Team VCO Berlin unterstützen.

Auf zu den „Ladies in Black“

Nachdem sich Sisi und Thomas in Kohlscheid von uns getrennt hatten, war es Thomas‘ Frau Tatjana, ebenfalls Mitglied der Sportfreunde Kaiserstadt, die uns netterweise noch zur Sporthalle Neuköllner Straße fuhr. Zwar legte sie ein gutes Tempo an den Tag, konnte aber leider nicht verhindern, dass wir erst zur Mitte des ersten Satzes vor Ort waren. Jedoch einmal in der Halle angekommen, packte es Fritz, Moritz und mich. Die Stimmung war einfach grandios. Die Ladies in Black führten schnell mit 14-8, mussten jedoch in der Folge noch den Ausgleich hinnehmen. Nicht zuletzt Rita Liliom war es aber in der Folge des ersten Satzes zu verdanken, dass dieser schließlich mit 25-22 gewonnen werden konnte. Die Halle bebte.

Der zweite Satz ließ nicht lange auf sich warten und gestaltete sich vom Start weg relativ einseitig. Die Berlinerinnen scheiterten zu oft an den Blocks der Ladies in Black. Zudem war es wiederum Rita Liliom, die besonders in den Vordergrund trat. Sie allerdings zu sehr hervorzuheben wäre nicht fair gegenüber dem restlichen Team. Während des gesamten zweiten Satzes zeigten sich die Ladies in Black sehr konzentriert und gewannen ihn schließlich souverän mit 25-16.

Nach der Pause stand dann der dritte Satz auf dem Programm. Allerdings hatten die Berlinerinnen scheinbar ein Mittel gefunden, die Ladies in Black nun vermehrt unter Druck zu setzen. Schnell lag das Auswärtsteam mit 9-5 bzw. 11-9 in Führung. Dann schlug aber die Zeit der Kira Walkenhorst. Soweit ich mich erinnere, konnte bei fünf ihrer Angaben gepunktet werden – in Folge versteht sich. So war aus dem 9-11 Rückstand schnell wieder eine Aachener Führung geworden, 16-12. Die Berlinerinnen steckten zwar weiterhin nicht auf, konnten schließlich aber nicht mehr verhindern, dass die Ladies in Black den Satz und das Match mit 25-20 für sich entschieden.

Alles in allem ein recht schnelles, wenn auch intensives Match. Die Stimmung war wirklich toll, das Publikum erhob sich ein ums andere Mal von seinen Sitzen und feuerte das Team der Alemannia ein ums andere Mal energisch an. Jedem, der bisher noch nicht in den Genuss eines solchen Spiels der Aachener Volleyball-Damen gekommen ist, ist ein Besuch wärmstens ans Herz zu legen.

So ließen Fritz, Moritz und ich den Tag anschließend noch bei einem Bierchen locker ausklingen. Ein wirklich ereignisreicher Tag, der allerhand zu bieten hatte – positiv wie negativ. Und es bahnt sich bereits der nächste an, wenn am kommenden Samstag sowohl die Alemannia als auch Roda Kerkrade ihre Heimspiele gegen Hertha und De Graafschap austragen.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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