Denkzettel – Frithjof Kraemer

Vorab sei an dieser Stelle erwähnt, dass der erste “Denkzettel” eine Art Pilot darstellt. In Zukunft wird diese Rubrik herhalten müssen, wenn sich erwähnenswerte Ereignisse rund um die Alemannia oder den Fußball im Generellen abspielen. Passend zur aktuellen Situation der Alemannia, mal abgesehen von der sportlichen Talfahrt, haben wir uns hierfür eine ganz besondere Person ausgesucht, und zwar Frithjof Kraemer.

Ein jeder Tag, der vergeht und Meldungen produziert, wie gestern in der Aachener Zeitung „Langsam geht’s ans Eingemachte, nur noch neun Spiele bleiben, um Drittliga-Fußball im mittlerweile solide finanzierten Stadion zu verhindern“, bereitet dem wissenden Fan der Alemannia Kopfschmerzen. Scheinbar wird nun auch von öffentlicher Seite wieder intensiviert daran gearbeitet, die eigentlichen Fakten zu verschleiern. Das ist, zumindest für die Sportfreunde Kaiserstadt, ein Zustand, der so nicht zu ertragen ist. Insbesondere, weil demnächst eine Jahreshauptversammlung, Wahlen und entsprechend wichtige Personalentscheidungen anstehen. Diesbezüglich richtet sich das Augenmerk ganz besonders auf eine entscheidende Person, deren Effektivität zuletzt verpuffte. Eine Person, die in ganz erheblichem Maße mit dafür verantwortlich ist, dass die Alemannia dem fiskalen Tod so nahe stand. Eine Person, die weder intern noch in der öffentlichen Wahrnehmung gefestigt zu sein scheint. Eine Person, die bei gesundem Menschenverstand längst die Flucht nach vorne oder nach hinten hätte antreten sollen – Frithjof Kraemer. Stattdessen lässt er sich mehr denn je von Dr. Meino Heyen, dem wohl zukünftigen Präsidenten, protegieren. Wir Sportfreunde heißen diese Entwicklung nicht gut und möchten auf gewisse Missstände hinweisen.

Unser vorrangiges Ziel ist es nicht, konkret die Demission von Herrn Kraemer zu fordern. Genausowenig wollen wir Dr. Heyen nötigen, einen Umdenkprozess in Gang zu setzen. Das liegt uns fern. Vielmehr wollen wir dem Fan, der nicht so kritisch mit den aktuellen Geschehnissen umgeht, vor Augen führen, dass hier etwas vor seinen Augen passiert, das er womöglich gar nicht wahrnimmt.

Nun weiß ein jeder, dass die Alemannia nicht erst seit gestern am Stock geht. Die Finanzlast ist erdrückend – auch, wenn der Rat der Stadt Aachen in der letzten Woche für dieses hochgepriesene Rettungspaket gestimmt hat. Wundert es in diesem Kontext denn nicht, dass hier mit einem Schlag Zahlen so in die Öffentlichkeit getragen werden, wie sie vorher gar nicht existierten? Nun müssen wir gar nicht erst groß in die Tiefe gehen. Im Raum standen, sagen wir mal, rund 7.000.000€ an Verbindlichkeiten bzw. jährlichen Belastungen. Jetzt liest man auf der Alemannia-Homepage „Damit sinkt die jährliche Finanzlast für die Alemannia von rund 4,3 auf 2 Millionen Euro. Dazu kommen Betriebskosten und die Miete für das Parkhaus“. Die entscheidende Information verbirgt sich hier nicht im Detail, sondern im Nebensatz. Alleine diese erschreckenden Fakten lassen erahnen, dass der Verein in einem Jahr wieder genau dort steht, wo er vor dem Rettungspaket stand – bettelnd vor den Türen der Stadt.

Warum ist der Verein überhaupt in eine solch missliche Lage geraten? Natürlich – durch den Stadionbau. Der war damals scheinbar groß in Mode und deshalb beschlossen die Vereinsoberen just in der mit Abstand besten Bilanzsaison (Erstliga-Saison), ein überdimensioniertes Stadion zu errichten. Ohne städtische Hilfe, allerdings auf ihrem Land. Von Harald Baal, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der CDU, erfuhr man unlängst in der Aachener Zeitung: „Baal hat im letzten Jahr tiefere Einblicke in das Vertragswesen erhalten, als Alemannia schon einmal wegen einer Bürgschaft heftig und letztlich erfolgreich an die Rathauspforte klopfte. Sein Urteil ist eine schallende Ohrfeige für die an der Planung Beteiligten. «Vorsichtig ausgedrückt, ist die Finanzierung damals nicht von Finanzkundigen erstellt worden», sagt Baal“. Das natürlich konnte ein gewisser Frithjof Kraemer nicht auf sich sitzen lassen und holte zum Gegenschlag aus, ebenfalls in der Aachener Zeitung: „Es ist damals seriös gerechnet worden, schließlich sind Banken und Land davon überzeugt worden. Nur haben sich einige der Parameter nicht so entwickelt“. Allerdings existieren auch andere Aussagen Kraemers (im Bundesliga Sonderheft von 11Freunde, August 2010), die so nicht akzeptabel sind und allgemeinhin als naiv und blauäugig bewertet werden müssen: „Wir haben in diesem Projekt nicht jede Frage im Vorfeld beantworten können. […] Die Kritik ist berechtigt, dass wir vielleicht zu naiv gewesen sind. […] Wenn wir gesagt hätten, wir regeln das jetzt erst mal alles, würden wir nicht in diesem Stadion sitzen“. Umso erstaunlicher mutete es später an, als man bezüglich Kraemer dann folgendes in der Aachener Zeitung vernahm: Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer fühlt sich nicht angesprochen, er wurde erst eingestellt, als die Finanzierung schon stand“.

Zu diesem Zeitpunkt brodelte es natürlich im Hintergrund, da die Lizenzauflagen für die aktuelle Saison lediglich aufgrund der DFB-Pokal-Einnahmen weitestgehend abgedeckt werden konnten. Als im letzten Jahr dann auch noch Sportfreund Fritz mit dem ehemaligen Geschäftsführer Bernd Maas ein Interview führte, konnten weitere Puzzle-Teile zusammengesetzt werden. Auf den Umstand angesprochen, dass Frithjof Kramer stets behaupte, er sei erst ins Amt gekommen, als der Stadionbau samt Finanzierung bereits in trockenen Tüchern war, entgegnete Maas: Lieber Friedrich, Du weißt, dass ich mich grundsätzlich immer bei Alemannia zurück gehalten und nie etwas gesagt habe – vor allem, weil mir der Verein am Herzen liegt. Dieses Interview ist eine absolute Ausnahme und das gibt es auch nur wegen des Umstandes, nachdem nun behauptet wird, dass die Vorgänger wieder mal die Schuld tragen. Da wär ich dann ja wohl dabei. Das kann ich aber nicht auf mir sitzen lassen, da es nicht stimmt. Das ist eine Lüge und ich würde das nicht so deutlich sagen, wenn ich es nicht beweisen könnte. Es ist unerträglich, dass solche Behauptungen im Raum stehen und dort auch stehen bleiben, ohne dass diese nur ein einziges Mal journalistisch hinterfragt werden. Auf www.alemannia-brett.de diskutieren sich die Leute die Köpfe darüber heiß und wundern sich, aber in den einschlägigen Redaktionen der Kaiserstadt, beispielsweise beim Medienpartner werden solche Aussagen nicht hinterfragt. Jeder, der sich nur mal kurz bemüht, auf www.alemannia-aachen.de in der Newssuche Stichworte wie „Finanzierung“ einzutippen, überführt solche Aussagen augenblicklich als Unwahrheiten. Da muss man gar kein Interner sein“.

Zuletzt haben sich einige Sportfreunde gar auf neues Terrain gewagt und sind bei diversen Politikern vorstellig geworden. In diesen Gesprächen ging es in erster Linie nicht mal mehr um eventuelle Bauchschmerzen, die ein jeder Ratsherr haben könne, wenn er an einen Rettungsplan denkt. Unser Anliegen war lediglich, in Erfahrung zu bringen, wie sich die Alemannia im Zuge der Zusammenarbeit mit der Stadt präsentiert hat – und der Grundtenor war folgender: Dr. Meino Heyen – gut / Frithjof Kraemer – nicht gut. Selbst in der Aachener Zeitung war zu lesen: „Fast ein halbes Jahr lang haben alle Beteiligten an der Lösung gearbeitet. Das Vertrauen in die Transparenz des Klubs habe in den letzten Jahren deutlich gelitten, betonte Philipp. Nun hätten insbesondere Meino Heyen und Präsident Alfred Nachtsheim größere Verdienste, dass die Gespräche zu einem guten Ende geführt hätten. Der Name von Geschäftsführer Frithjof Kraemer fiel nicht in diesem Zusammenhang. «Wir haben fast nur mit Meino Heyen verhandelt und haben uns dabei sehr wohl gefühlt», sagt das Stadtoberhaupt. Heyen wiederum bedankte sich bei Philipp und dessen Kämmerin Annekathrin Grehling für die intensive Arbeit der letzten Monate“. Es gab lediglich eine winzig kleine positive Rückmeldung bezüglich Kraemers Teilhabe und die kam bezeichnender Weise von Dr. Meino Heyen, der auf der Homepage der Alemannia folgendes zu Protokoll gab: Herr Kraemer hat die Alemannia souverän durch die schwierigen Gespräche geführt und stets eine Lösung parat gehabt. Das war richtig gute Arbeit. Gleiches gilt für Wirtschaftsprüfer Frank Wettstein, der den Umfinanzierungs-prozess gutachterlich begleitet hat“.

Aber kommen wir kurz auf die Politik zurück – innerhalb des Rates der Stadt Aachen scheint sich der Unmut über Herrn Kraemer zu mehren. Oder sagen wir es so – die Angst um die Zukunft der Alemannia.

Deshalb stellen wir abschließend die Frage, wieso man einen solchen Mann weiterhin protegieren muss. Wieso schützt man eine Person, die nachweislich mit dem Wohl des Vereins balanciert? Warum möchte man sogar mit dieser Person verlängern, die in der Gunst der wichtigen Herren auf dem Tiefpunkt angekommen zu sein scheint? Warum versucht man, nach außen glaubhaft zu machen, dass der Mann intern funktioniere?

Wir Sportfreunde glauben nicht an Frithjof Kraemer und wünschen uns, dass sein Gebaren in Zukunft weiterhin kritisch beäugt wird. Wir wünschen uns, dass Fans und der Alemannia zugeneigte Personen einen kritischeren Umgang pflegen, als das bisher der Fall war. Wir wünschen uns, dass seine Zukunft auf Basis dessen entschieden wird, was er in der Vergangenheit für den Verein geleistet hat und was er in der Zukunft noch für den Verein leisten kann. Wir wünschen uns vieles, aber vor allem eine durch und durch demokratische Entscheidung auf der anstehenden Jahreshauptversammlung. Beschäftigt euch mit dem Thema, nehmt euch am 29. März 2012 nichts vor und kommt zur Jahreshauptversammlung der Alemannia. Wir müssen von den demokratischen Mitteln, die uns durch die neue Satzung gereicht worden sind, Gebrauch machen.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • FrankBrzoska

    So einen Mann der alle belügen tut den solte man zum Teufel jagen aber solche Leute werden noch gehalten und gute rausgemobt das ist so und werd auch immer so bleiben