RWO – ein guter Gast

Lange musste ich nicht nach einer Inspiration suchen. Dafür gab es zuletzt genügend Anlässe. In erster Linie waren diese sogar äußerst positiv, nachdem die Alemannia zuvor noch gegen harmlose Erzgebirgler mit 1-5 baden ging. Nehmen wir die beiden Heimspiele zusammen, so zeigen sich auf wunderbare Weise die zwei Gesichter des diesjährigen Teams. Aue (1-5) – Oberhausen (4-0) – 3 Punkte, 5-5 Tore = Mittelmaß.

Dass die Alemannia dieses Jahr im absoluten Mittelmaß versinken wird, damit hatten wir uns allesamt bereits abgefunden. Positive Erlebnisse wurden oft von negativen Erlebnissen abgelöst, die Konstanz stimmte über weite Teile der Saison nicht. Am letzten Freitag präsentierte die Alemannia allerdings eines ihrer absolut schönsten Gesichter seit geraumer Zeit. Das lag allerdings auch daran, dass mit Oberhausen ein angenehmer Gast vorstellig wurde, der im aktuellen Abstiegskampf gänzlich zu erlahmen droht.

Die Geschichte des Spiels ist eigentlich schnell erzählt. Während das Team von Peter Hyballa von Beginn an das Geschehen dominierte, lieferten sich die Oberhausener viele leichte Fehler und wurden dafür gleich viermal durch die Alemannia bestraft. Den Beginn machte „Lightning“ Auer, wie wir Sportfreunde ihn an diesem Abend getauft hatten. Nach tollem Pass von Marco Höger (wechselt sehr wahrscheinlich nach Schalke) gewann Benjamin Auer doch tatsächlich ein Laufduell und zog vom rechten Sechzehnereck trocken in Richtung lange Ecke ab. Pirson war geschlagen, der Bann früh gebrochen und es stand bereits nach vierzehn gespielten Minuten 1-0. Bis zur Halbzeit blieb es aufgrund inkonsequent zu Ende gespielter Angriffe bei diesem Zwischenstand. Allerdings hatten wir ein einziges Mal zittern müssen. In der 23. Minute hatte RWO den Ball im Kasten der Alemannia untergebracht. Dem war allerdings eine Behinderung von David Hohs vorausgegangen. Schnell konnte wieder aufgeatmet werden.

Gerade aus der Kabine gekommen, sollte es nun Schlag auf Schlag gehen. Erst war es Zoltán Stieber, der auf Zuspiel von Alper Uludag zum großen Schwung ausholte. Per feinem Lupfer ließ er dem herausgeeilten Pirson in der 51. Minute keine Abwehrchance und formvollendete zum 2-0. Eine Viertelstunde später spielte sich fast die gleiche Szene ab: Wieder Uludag auf Stieber, der dieses Mal jedoch den flachen Ball ins lange Eck wählte, um schließlich das 3-0 zu markieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt zerfiel RWO in seine Einzelteile und leistete kaum noch Widerstand. Bestes Beispiel dafür: In der 70. Minute brachte Klinger vollkommen unnötig Stieber zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwertete Benni Auer umgehend und netzte zum 19. Saisontreffer ein. Ein rundum gelungenes Spiel, dessen Ergebnis durchaus hätte höher ausfallen können. Am Ende blieb es jedoch beim 4-0.

Drei Ereignisse trübten den Tag dann allerdings wieder. Zum einen war in dieser Woche bekannt geworden, dass Marco Höger den Verein spätestens zum nächsten Sommer verlassen wird. Aktuell heißt es jedoch, er könne für rund fünf Millionen Euro zur nächsten Saison wechseln. Schalke gilt als größter Interessent, weshalb ein schneller Wechsel zu guten Konditionen in nicht allzu weiter Ferne liegen sollte.

Im Spiel hatte sich das zweite Ärgernis ereignet. Kurz vor der Pause war Tobias Feisthammel äußerst unglücklich umgeknickt. Wie sich mittlerweile rausstellte, hat er sich jedoch nicht den befürchteten Bänderriss im Knöchel zugezogen. Er trug „lediglich“ eine schwere Bänderdehnung davon.

Nun aber zum dritten und wohl kuriosesten „Stimmungskiller“. Nach dem Spiel sollte es dem an diesem Tag überragenden Zoltán Stieber vorbehalten sein, endlich noch mal eine Humba anzustimmen. Nach längerer Wartezeit endlich auf dem Zaun angekommen, spielten sich nun allerdings seltsame Szenen ab. Erst passierte rein gar nichts. Dann skandierte der Großteil der Fans „Hinsetzen, Hinsetzen“. Der Humba sollte also nichts mehr im Wege stehen. Pustekuchen. Kurze Zeit später, ohne auch nur irgendetwas skandiert zu haben, entfernte sich Stieber wieder vom Zaun und hüpfte wild im Strafraum herum, während der Rest der Mannschaft auf dem Rasen saß und hingebungsvoll wartete. Das hätte der Großteil der Fans besser auch so tun sollen. Aber nein, auf einmal gab es tatsächlich ein gellendes Pfeifkonzert. Das muss man erstmal verstehen …

Abgerundet wurde der erfolgreiche Abend dann aber wieder mit einer positiven Nachricht. Während große Teile der aktuellen Mannschaft momentan bröckeln und ins Schaufenster gestellt werden, wird intern weiter an einem schlagkräftigen Team für die nächste Saison gebastelt. In diesem Rahmen wurde am vergangenen Freitag bekannt, dass Bas Sibum von NEC Nijmegen nach Aachen wechselt. Wir Sportfreunde freuen uns sehr über diesen Transfer, gilt er gemeinhin doch als Spieler, der auch mal „dreckig“ zu Werke gehen kann. Außerdem ist er mit 28 Jahren eher zur erfahrenen Gilde zu zählen, was angesichts des nach wie vor jungen Teams sicherlich nicht schaden kann.

Am kommenden Sonntag steht nun das letzte „Auswärtsspiel“ in Düsseldorf auf dem Plan. Sollte dieses gewonnen werden können, zieht die Alemannia am Kontrahenten vorbei. Und dabei geht es nicht nur um das Prestige. Vielmehr stehen hier enorme Fernsehgelder auf dem Spiel. Im Klartext: Sollte Aachen vor dem direkten Gegner (tabellarisch in Liga und TV-Ranking) aus Düsseldorf landen, würde dies 250.000€ für die notorisch klammen Schwarz-Gelben bedeuten. Da auch 1860 München sowohl ligaintern als auch im TV-Ranking direkter Gegner ist, würde auch hier ein Vorbeiziehen schlappe 250.000€ für die Aachener Geldbörse bedeuten. Ergo: Ärmel hochkrempeln, Arschbacken zusammenkneifen und 6 Punkte holen. Alles weitere wird sich dann ergeben …

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Schöner und treffender Bericht Steffen! Zwei Siege zum Abschluss, gerade im Hinblick auf die TV-Gelder wären sehr sehr fein! Was die Saison als solche angeht ist die Platzierung absolut ok – im Hinblick auf die Ausgangsposition aber soagr recht gut.

    Neuer Trainer, junge Kerle und viel „Drumherum“ – da steigen andere Vereine ab…

  • Steffen

    Es war auch gar nicht so negativ gemeint, wie es vielleicht rüberkommt. 😉

    Was nun allerdings die Partie am Sonntag in Düsseldorf angeht, bin ich absolut auf alles gefasst! Vom mageren 0-0 über den 3-1 Auswärtsieg bis hin zum 5-0 für Düsseldorf ist da irgendwie alles möglich …
    Hoffentlich wird es der Auswärtssieg! 🙂

  • Schöner Bericht :o)

    Du verschweigst den Patzer von Hohs, aber da war der Ball auch vorher im Aus. Insofern…

    Bei Sibum bin ich noch sehr mit Fragezeichen versehen. Erinnert mich ganz arg an Heidrich und was dann daraus wurde, dürfte noch jeder hier wissen. Aber wenigstens kein weiteres Futter für meine „Ösi-„Allergie ;o)

    btw. in DUS gibt´s nix. Letzter Treffer durch Delze?!! Letzter Sieg zu einer Zeit da war selbst ich noch nicht mal auf der Welt. Wäre zwar zu schön, wenn unser Verein mal eine richtig guten Saisonabschluss hinbekäme, aber mir schwant bereits nix Gutes für die letzten beiden Spiele. Remember 1:1 damals gg. Ahlen…

  • „Ssiebömm“ wird schon 😉 Meijer war doch heute ganz guter Dinge. Schön auch seine gesungene Antwort auf Moritz Frage, ob denn van Bommel kämme: „Hast Du etwas Geld für mich, habe ich ’nen Holländer für dich…“

    Tja, das letzte Pflichtspiel ist Geschichte. Ein Stück Aachen und noch mehr Alemannia sind wir bald los…

  • Nix: Siiibüüümm! Und das sollte hier klappen 😉

    ö kenn ich im niederländischen eigentlich nicht. Erinner Dich an den Vergleich von Meijer: Boels = Buuls

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