Ein hartes Alemannia-Wochenende

Tja, wo und wie beginnt man nach solch einem Alemannia-Wochenende einen Bericht? Mit dem letzten Pflichtspiel auf dem alten Tivoli? Mit dem letzten Auswärtsspiel der Saison in der gestern heißesten Stadt Europas? Mit zwei Elfmetern und einer roten Karte für unseren Keeper David Hohs? Ich fange lieber mal am Ende an …

Vier Sportfreunde (Thomas nebst Frau Tatjana, Moritz und ich) hatten sich per Sonderzug auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht. Aufgrund diverser Großveranstaltungen wie Messe, Marathon und nicht zuletzt des in einer Woche stattfindenden Eurovision Song Contests, waren nicht nur Autobahnen teils gesperrt. Die Verkehrswege waren unklar und Parkmöglichkeiten ungewiss. Diesmal wählten wir seit langer Zeit wieder den Sonderzug. Zur „airberlin world“, dem 3-Spiele-Einwegstadion, braucht man nicht viel sagen. Stahltribünen um einen Trainingsplatz der Fortuna, dazu jede Menge Mulch, der bei der gestrigen Hitze herrlich roch … Auch nur eine Mini-Würstchenbude sorgte für freudige Stimmung bei den gut 2.100 mitgereisten Alemannen. Lange Schlangen und nach Spielende keine Ware mehr.

Auch zum Spiel kann ich nicht viele Worte verlieren. Plötzlich pennte unsere Abwehr wieder, Hohs kam zu spät gegen einen schlagartig vor ihm auftauchenden Sascha Rösler, der clever fiel und Sportfreunde-Superfreund Peter Sippel zeigte nicht nur auf den Punkt, er gab Hohs auch die rote Karte. Hier hätte er „Fingerspitzengefühl“ zeigen können. Elfmeter und Gelb hätten gereicht. Bei einer Spielzeit von noch 80 Minuten sicherlich ok. Aber dennoch war die rote Karte berechtigt. Da gibt es nichts dran zu rütteln.

Tim Krumpen kam nun für den erstmals in der Startelf spielenden Radu und musste in seinem ersten Profieinsatz gleich hinter sich greifen. Jens Langeneke verwandelte sicher zum 1-0 und auch sieben Minuten später musste Krumpen nach einem berechtigten Elfmeter, den er selber verursachte und dafür gelb sah, hinter sich greifen. Rösler traf zum 2-0 und Krumpen durfte sich, wie die gesamte Öcher Anhängerschaft, noch glücklich schätzen, dass Sippel den zweiten Torwart nicht auch vom Platz stellte. Ganz ungerecht wäre es nicht gewesen …

So war das Spiel nach knapp 20 Minuten entschieden. Die Alemannia kam, wie eigentlich auch die Fortuna, nicht wirklich ins Spiel. Kaum Torchancen auf beiden Seiten. Als so ziemlich alle schon gedanklich in der Pause waren, gab es nach einer Ecke von Kratz doch noch Grund zum Jubeln: Stehle machte seinen Fehler (er ließ Rösler vor dem 1-0 enteilen) wieder gut und wuchtete die Pille zum 2-1 Anschlusstreffer in die Maschen. Ein tolles Tor!

Leider sollte es aber nicht gelingen – trotz kämpfender Alemannen auf dem Rasen und auf den Rängen – noch den Ausgleichstreffer zu erzielen. In Minute 70 fasste sich Düsseldorfs Maximilian Beister ein Herz und zog aus der Distanz ab. Das Spielgerät landete unhaltbar im Winkel – 3-1.  So lautete auch das Ergebnis beim Abpfiff, der zugleich auch der letzte in der „Improvisationsarena“ sein sollte.

Ich glaube aber, dass niemand diesem „Stadion“ so anhänglich und verbunden sein  wird, wie die Alemannen ihrem Tivoli. Dieser hatte einen Tag vorher sein letzte Schlacht geschlagen. Dabei war der Sieg der U23 gegen den ETB Schwarz-Weiß Essen verdient und die Fans sahen neben einem Elfmeter auch einen sehenswerten Freistoßtreffer. Bei Spieltagsatmosphäre und unzähligen Rauchbomben sowie bengalischen Feuern kam bei den anwesenden Sportfreunden (Moritz, Frank und mir) mehrfach Gänsehautstimmung auf. Schon vor dem Spiel schwelgte man in Erinnerungen und Sportdirektor Erik Meijer, der sich bei Bier und Wurst am Bierwagen bereitwillig den Fragen der Fans stellte, (Moritz: „Nun sag mal Erik, was ist jetzt mit van Bommel?“ – gesungene Antwort: „Hast Du etwas Geld für mich, habe ich einen Hollääändeer für dich …“) wünschte sich ein wenig dieser alten Stimmung an den neuen Tivoli. „So wie in England wäre geil! Für jeden Spieler ein passendes kleines Liedchen …“. Allerdings gab auch er unserem „Einwand“ recht, dass die Verweildauer des ein oder anderen Kickers so kurz sei, dass man manchmal, wenn denn ein Liedchen „erfunden“ sei, diesen gar nicht mehr im Kader wisse.

Es war auf jeden Fall ein emotionaler und alemanniatypischer Abschied: Nur eine Kasse war offen, die Getränkeversorgung chaotisch sowie mit viel Geduld verbunden und nach dem Spiel wurde der Rasen gestürmt. Letzter Punkt fällt vor allem deswegen unschön auf, weil „Fans“ und Souvenirjäger die Sitzschalen, Schilder und Eckfahnen mitgehen ließen. Der gute alte Tivoli wurde nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und ich war ein wenig fassungslos ob der Dreistigkeit so mancher „Alemannen“. Diese posierten mit dem Diebesgut auf dem Rasen für die Presse und hatten keinerlei Scham- und Unrechtsgefühl. Danke an diese „Fans“. Die Saison- und Tivoli-Abschiedsparty wurde heute von der Alemmannia aus diesem Grund abgesagt.

Es überwog aber die Trauer und die Erkenntnis, nun wirklich das letzte Spiel in diesem Stadion erlebt zu haben. Vorbei. Aus. Ende. Finito. Das war es. Die Stadt verliert ein Stück Geschichte und die Alemannia ihr Herz. Für viele Menschen war der Tivoli eine, wenn nicht sogar DIE Konstante im Leben. Auch wir Sportfreunde werden ihn vermissen und uns an unsere tolle Zeit im S- sowie N-Block zurückerinnern. Die Bilder vom Sonntag gibts in der Bildergalerie»

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
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  • Steffen

    Ist zwar insgesamt wieder scheiße gewesen, was sich da am Samstag abgespielt hat, aber als alter Pyro-Romantiker muss ich sagen, dass dieses Bild schon sehr geil aussieht: http://www.az-web.de/bilder/1672905#/fm/5012/ANS-alemII-swessen-010.jpg

  • Tja, aber es kostet den klammen Verein viel Geld… Mitlerweile dürfte die Karlsbande gute 10.000 € diese Saison an Strafen erzündelt haben. Ist die Frage ob es diese 1-2 Bilder wert ist.

  • Moritz

    Die Pyro war ja echt nicht das was mich so wirklich erschüttert hat! Ich meine, da treten Leute auf und bezeichnen sich als Fans der Alemannia. Und dann schänden die den Tivoli -und damit der Seele von unserem Verein, sehr gute Wortwahl Fritz- in einer Weise die mir unverständlich ist! Da sind Straftaten verübt worden und das nicht zu knapp! Und das für ein Stück sehr zweifelhaften Ruhms. Ich werde NIE wieder (nicht das ich das im Überfluss in der Vergangenheit getan hätte) auch nur die kleinste Aktion der karlsbande unterstützen! Für mich sind das definitiv die Auslöser der Geschichte! Und in Zukunft werdet ihr alle von mir um Stadion „gegen alle Ultras-Idioten“ hören. Stadionverbote haben die in meinen Augen mehr als verdient!
    KBU raus!!
    ACU raus!!

  • Axel

    Was sich da im Stadion am Samstag beim NRW-Ligaspiel abgespielt hat, war ja wirklich die Krönung. Nicht nur ,,unsere Karlsbande“ sondern auch Familien mit Kindern treten Sitze aus ihrer Verankerung und präsentieren ihr Diebesgut sogar noch vor den TV-Kameras.
    Jetzt ist der Verein gefragt – Bilder scheinen ja genug gemacht worden zu sein – ,,Fans“ identifizieren und anzeigen. So mancher wird dann auch noch Ärger mit seinem Arbeitgeber bekommen (Ich sage nur: ,,Angestellt im Öffentlichen Dienst“).
    Oweia – und das für eine Sitzschale. Hätten besser alle auf die Versteigerung gewartet. Wäre billiger geworden.
    Zum Glück waren wir (und viele andere auch) am Freitagabend auf der stimmungsvollen 30-Jahr-Fete von Alemannias ältestem Fan-Club ,,Schwarz-Gelb ’81“. Da konnte dann jeder – der wollte – in aller Ruhe Abschied vom alten Tivoli-Stadion nehmen.
    Normalerweise wollten wir dieses nämlich auch – wie so viele – beim Samstagsspiel machen.
    Das jetzt die Abschiedsparty abgesagt worden ist, trifft natürlich wieder nur die richtigen Fans. Schade, dass man mittlerweile auch schon bei uns immer mehr zwischen guten und armseeligen Fans unterscheiden muss.