Ein Unentschieden voller Emotionen

Als Zuschauer auf den Rängen war es schier unglaublich, was sich am gestrigen Sonntag auf dem Tivoli abspielte. Der MSV Duisburg war zu Gast, was ohnehin schon für genügend Stimmung im Stadion sorgte. Was sich allerdings während des Spiels abspielen sollte, damit hatte wohl niemand gerechnet.

Nachdem die Alemannia zuletzt in München bei den Löwen erstmals seit geraumer Zeit wieder verloren hatte, war die Ausgangssituation eine ähnliche. Auch bei 1860 war die Alemannia nicht als Favorit in die Partie gegangen. Gegen den wiedererstarkten MSV, der vor der Partie den dritten Platz belegte und bei einem Sieg gar die Tabellenführung hätte übernehmen können, ging man trotz des Heimvorteils als Außenseiter ins Rennen.

Das man sich in dieser Rolle sichtlich wohl fühlt, bewies das Team nicht zuletzt schon beim FSV Frankfurt, bei Hertha BSC Berlin oder zuletzt gegen Mainz 05 im Pokal. Das Team war von Beginn an hellwach und versuchte, den MSV unter Druck zu setzen. Und das gelang zeitweise sehr gut. Alleine der mangelnden Chancenverwertung war es zu verdanken, dass in der ersten Hälfte kein Treffer fallen sollte. Andererseits durfte sich die Alemannia auch bei David Hohs bedanken, der seinen Kasten gewohnt sicher verteidigte und zudem noch eine Großchance von Baljak souverän zu vereiteln wusste.

Was allerdings schon zu diesem Zeitpunkt störte, war die Leistung von Schiedsrichter Brych. Er war besonders durch wenig nachvollziehbare Entscheidungen sowie unverhältnismäßiges Kartenverteilen aufgefallen. So sahen in der ersten Halbzeit bereits Timo Achenbach und Alper Uludag gelbe Karten für harmlose Vergehen. Ähnlich harmlos auch die Grätsche vom Duisburger Trojan, die Brych dann ebenfalls mit dem Halbzeitpfiff mit der Farbe Gelb belohnte. Schon hier roch es nach Konzession.

Nun gut, die Halbzeit war rum und die Mannschaft von Peter Hyballa angefixt. Anders kann man den Beginn der zweiten Hälfte nicht beschreiben. Die Mannschaft wollte, die Truppe kämpfte und das Spiel verlagerte sich jetzt zu großen Teilen in die Duisburger Hälfte. Das Team machte früh Druck, schaltete schnell um und spielte jetzt cleverer in die Spitze. Nachdem sich dann Feisthammel und Kratz zwei berechtigte gelbe Karten abgeholt hatten, war es schließlich Marco Höger, der eine präzise Flanke von Achenbach wunderschön mit dem Kopf vollendete. Gegen die Laufrichtung von Yelldell ließ er diesem keine Abwehrchance.

Trotz verdienter Führung rückte aber nicht erst jetzt immer mehr Schiedsrichter Brych in den Vordergrund. Seltsame Abseitsentscheidungen, unnötige Freistoßentscheidungen und eine insgesamt merkwürdige Gangart sorgten immer mehr für Unverständnis.

So überraschte es nicht, als er dann schließlich in der 68. Minute auf Elfmeter für den MSV entschied. Für eine Grätsche von Stehle, die bestenfalls als parallele Begleitungerscheinung zu Sahans Laufweg auffällig wurde. Und da dies folglich eine rote Karte mit sich bringt, wenn der „letzte Mann“ eine klare Torchance vereitelt, sollte dann zu allem Überfluss auch noch Markus Daun vom Platz gestellt werden. Gut nur, dass dieser seit etlichen Monaten kein Spiel mehr bestritten hat und nicht mal annähernd etwas mit dieser Szene zu tun hatte, die niemals mit dem 1-1 durch den Ex-Alemannen Sukalo hätte enden dürfen. Immerhin flog hier niemand vom Platz. Dies sollte dann eine Minute später auf der anderen Seite der Fall sein, als sich Soares im Zweikampf mit Marco Höger dumm anstellte. Bei Brych schien sich bereits ein schlechtes Gewissen breitgemacht zu haben, als er den tollpatschigen Soares wegen eines „Schlages ins Gesicht“ von Höger des Feldes verwies. Nur gut, dass Höger ein paar Sekunden später wieder auf den Beinen stand und Soares am heutigen Tag lediglich die Mindeststrafe von einem Spiel Sperre kassierte. Und wenn wir schon beim Thema „kassieren“ sind: Drei Minuten nach dem Ausgleich gelang dem MSV der Führungstreffer durch Baljak, der den nicht ganz schuldlosen Hohs aus 20 Metern Entfernung überlupfte und somit das 1-2 markieren konnte. Dass dem unmittelbaren Rettungsversuch vorher ein klares Handspiel von Sahan vorausging, scheint allerdings niemandem aufgefallen zu sein. Zugegeben: Auch mir zeigte sich das Handspiel erst nach intensivem Studium der Fernsehbilder. Ärgerlich, was sich hier abspielte. Sollte der Brych hier tatsächlich seinen Tippschein ins Trockene bringen? NEIN!

Die Alemannia war angestachelt, Angriff um Angriff wurde jetzt gefahren. War die Alemannia dem Tor nah, so lag im Ermessen des Schiedsrichtergespanns grundsätzlich eine Abseitsstellung vor. Ging es zum Luftduell, dann verhielt sich ein Alemanne grundsätzlich unfair. Egal, was die junge Truppe versuchte, sie spielte trotz des Platzverweises weiterhin gegen 11 Mann, wenn nicht sogar gegen deren 13.

So war es schließlich dem unbändigen Willen zu verdanken, dass doch noch das ersehnte 2-2 fiel. Angepeitscht von einem hochemotionalisierten Publikum war es Benjamin Auer, der kurz vor Toreschluss noch in ebenjenes von Yelldell traf. Schade nur, dass dies der letzte Treffer des Tages bleiben sollte.

Fazit: Ein toll erkämpfter Punkt gegen einen spielstarken MSV, der zu keinem Zeitpunkt ungefährlich war. Allerdings hätte genauso gut ein Dreier am Ende rauskommen können. So verließen wahrscheinlich viele Zuschauer auf beiden Seiten das Stadion mit einem guten Gefühl. Es bleibt nur zur erahnen, dass dies bei Schiedsrichter Brych nicht der Fall war. Immerhin hatte es geregnet, leider auch Farben, und am Ende war doch tatsächlich sein Tippschein kaputt. Was man nicht alles für sein Geld tun muss …

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Wieder mal ein treffender und lesenswerter Bericht! Danke Steffen!

    Auch wenn es ein Unentschieden war, so hat sich der Besuch des Tivolis mal wieder gelohnt. Diese Mannschaft macht Spaß und sie zeigt Tugenden, die man vor mehreren Jahren zuletzt noch auf dem alten Tivoli bestaunen durfte.

  • Sisi

    Schöner Bericht, wobei Achenbach leichtes vergehen… naja… naja 😛

  • Steffen

    Die Objektivität liegt halt immer im Ermessen des Betrachters! 😀