Was will man davon halten?

Kalt ist es geworden. Das hat nicht nur damit zu tun, dass es vor Tagesfrist den ersten Schneefall gab. Auch in der Tabelle wird es langsam kälter. Und was passiert nunmal, wenn zu allem Überfluss ein eiskaltes Team an den Tivoli kommt? Richtig, es wird nicht wärmer. An dieser Stelle muss allerdings gewarnt werden: In den folgenden Zeilen könnte es das ein oder andere Mal persönlich werden. Und: Ich hatte dieses maue Gefühl.Augsburg hatte sich angemeldet. Und dass Augsburg ausgerechnet heute kein guter Gast sein wollte (zuletzt 4 Spiele in Aachen: 0 Punkte bei 1-13 Toren), offenbarte sich nicht zuletzt darin, dass sie bereits um 13Uhr auf der Matte standen.

Das galt zu Beginn jedoch auch für die Elf von Peter Hyballa, der heute Sorgenkind Babacar Gueye für den verletzten Alper Uludag ins Rennen schickte. Kurz nach Anpfiff hatte Benny Auer die Chance zur Führung, köpfte jedoch knapp über das Tor von Simon Jentzsch. In der Folge entwickelte sich dann ein Spiel, das man in der Art nur selten gesehen hat. Wer meinte, unter Seeberger und Krüger schon alles miterlebt zu haben, der wurde heute teilweise eines Besseren belehrt. Das Spiel verflachte und schlief förmlich ein. Während wir auf den Rängen versuchten, nicht an Ort und Stelle einzufrieren, stürmte mit einem Mal der wieselflinke Thurk auf das Aachener Tor zu. Kurze Zeit später, Thurk hatte den Ball irgendwie an Hohs vorbeigebracht, vollendete Tobias Werner zum überraschenden 0-1. Einziger Lichtblick: Der ach so tolle Michael Thurk schien sich die Schulter verletzt zu haben, was erstmal nicht weiter auffallen sollte.

Das Spiel plätscherte weiter vor sich hin. Mittlerweile waren wir bei Kicktipp und einem Austausch unserer Tipps angekommen. Und ich schmiss abermals in die Runde, dass ich doch dieses maue Gefühl gehabt hätte. Wir waren in der Halbzeit angekommen und Augsburg lag tatsächlich vorne. Und es war kalt.

Die zweite Halbzeit sollte jedoch dafür sorgen, dass wir wieder recht schnell auf Betriebstemperatur kamen. Das galt kurz nach Wiederanpfiff jedoch nicht für Nico Herzig. Der ließ sich nämlich schulbuchmäßig von Nando Rafael austanzen, der per Hackentrick vorbeizog und eiskalt ins lange Eck vollendete. Wieso denn heute? Null Tore in den letzten beiden Gastspielen bei acht Gegentreffern und heute schießt Augsburg binnen 50 Minuten gleich zwei Tore, unglaublich.

Aber jetzt nahm die Alemmania wieder Faht auf. Unmittelbar nach dem 0-2 schlenzte Stieber einen Freistoß gefühlvoll über die Mauer … leider aber auch nicht ins Tor, sondern an den Pfosten. Simon Jentzsch schien dies zu gefallen, guckte er doch begeistert und paralysiert zu. Einfach Pech. Umso erstaunlicher, dass es kurz darauf der chronisch glücklose Gueye war, der tatsächlich einen schönen Angriff einleiten sollte. Ihm gelang auf der rechten Außenbahn ein schöner Pass in den Strafraum, von wo aus Höger klug nach innen passte. Natürlich wartete dort bereits Benny Auer, der den Ball nur noch über die Linie schieben musste.  Das Spiel war wieder eng.

Und das bekam Publikumsliebling Thurk dann auf der anderen Seite zu spüren. Er narrte die komplette Abwehr, zog alleine auf David Hohs zu und überlegte innerlich schon, wie er seinen Treffer nun feiern soll, als ihm Tobias Feisthammel im wahrsten Sinne in die Parade fuhr. Glücklicher Weise sah er lediglich den gelben Karton. Gefühlt hätten hier auch 3 Spiele Sperre vom Platz gehen können. Das tat dann allerdings der Mann mit der künstlichen Kauleiste. Kurzer Rückblick: 1-0, Thurk hat Schulterschmerzen. Auf dem Weg zum 3-1, Thurk hat die Schulter kaputt. Thurk hatte nun fertig. Die Sportfreunde Kaiserstadt wünschen ihm an dieser Stelle angenehme Weihnachtsferien. Schade auch, dass der anschließende Freistoß nichts einbrachte.

In der Folge kämpfte die Alemannia weiter, suchte ihre Möglichkeiten, fand aber selten den Weg durch eine vielbeinige Augsburger Hintermannschaft. So kam es schließlich in der 86. Minute, wie es meist so kommt, wenn man den Ausgleich erzwingen will: Man bekommt das 3-1, bezeichnender Weise ein Sonntagsschuss von Sören Bertram. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich dieses maue Gefühl hatte?

Um 14.50Uhr herrschte dann Gewissheit. Demnächst sollte ich keine maues Gefühl mehr haben. Die Alemannia hatte zwar gekämpft, ließ aber die Konsequenz im Spiel nach vorne vermissen. Und hinten offenbarte sich erneut, was sich in Aue angekündigt hatte: Mit Herzig an der Seite von Feisthammel ist die Anfälligkeit größer geworden. Und wenn man dann zwar heiß ist, auf eine eiskalte Mannschaft trifft und ich ein maues Gefühl habe … dann verliert man dieses Spiel eben mit 1-3.

Ach ja: Immerhin war ich so frech, mir die Enttäuschung nach dem Spiel dadurch zu versüßen, dass ich vor dem Spiel auf Augsburg gewettet hatte. Das maue Gefühl hatte sich also irgendwie auch ausgezahlt. In Zukunft verzichte ich jedoch liebend gerne zu Gunsten der Alemannia.

Auf drei Punkte in zwei Wochen. Dann zu Gast: Fortuna Düsseldorf.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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