2,1 – Mainz ?

Endlich. Dieses einfache Wort trifft wohl am besten, was die Anhänger der Schwarz-Gelben seit diesem 27. Oktober 2010 denken können: Endlich. Endlich ist wieder Glanz nach Aachen zurückgekehrt!

Was haben wir Alemannen mit unserem neuen Stadion gehadert. Schön ist es ja, irgendwie. Und stolz ist man auch, irgendwie. Fertig ist es, naja, irgendwie. Und Höhepunkte? Nicht wirklich. Der Auftakt – ein grausiges 0:5. Und die darauffolgende Saison passte absolut zur Gesamtlage – viele Baustellen, wenig Fortkommen, kaum Chance zur Identifikation. Und jetzt das!  Aber der Reihe nach…

Patrick ist Journalist in Hannover und arbeitet dort im Auftrag des Fernsehsenders RTL. Als Öcher Jung und Fan der Alemannia besucht er mit uns, sofern er mal im Lande ist, die Spiele der Alemannia und lässt dafür auch mal ein hochkarätiges Interview sausen. Wir freuen uns immer über seine Beiträge und Berichte – hier ist sein Report von Mainz.

Zweieinhalb Jahre waren verstrichen, seit die Alemannia zuletzt ein Pokalspiel zu Hause austragen durfte. Nun also die Heimpremiere am neuen Tivoli. Und das neue Schmuckkästchen war trotz der nicht ganz idealen Anstoßzeit um 19.00 gut gefüllt. Über 25.000 wollten das Match des Abends sehen. Zum Zeitpunkt der Auslosung klang der FSV Mainz 05 nicht gerade nach einem Kracherlos – aber nach der bekannten Siegesserie der „Bruchweg Boys“ gastierte niemand anderes als der Bundesligaspitzenreiter in der Soers.

Aachens Coach Peter Hyballa hatte seiner Truppe aber im Training klar gemacht, dass auch die 05er nur mit Wasser kochen. Mit Einsatz könnte Alemannia jeden Gegner schlagen. Die Einstellung zeigte sich dann auch gleich von Beginn an. Im Schnellkochtopf Tivoli brachte Aachen die Mainzer gehörig ins Schwitzen. Aggressives Pressing verhinderte, dass die Gäste ihr Spiel entfalten konnten.

Der für den verletzten Florian Müller ins Team gerückte Mirko Casper kaufte Shootingstar Andre Schürrle erfolgreich den Schneid ab. Auf der rechten Mainzer Seite sollte Ex-Aachener Lewis Holtby für Wirbel sorgen, doch dank des glänzend aufgelegter Timo Achenbach kam kaum mehr als ein laues Lüftchen über die Außenbahn. Ganz anders Aachen  – das Mittelfeld mit Tolgay Arslan, Zoltan Stieber und Alper Uludag brachte einen Tempokonter nach dem anderen zustande.

Da trauten einige Zuschauer ihren Augen nicht – vielleicht aber auch wegen der grellen, neongelben Trikots der Gastgeber. Keine schlechte Idee – falls die STAWAG wegen der letzten, nicht bezahlten Stromrechnung den Saft abgestellt hätte, die Aachener hätten auch im Dunkeln noch Anspielstationen gefunden. Dementsprechend gut gelang das Passspiel. Die erste Großchance hatten dann aber die überforderten und bis dahin unauffälligen Mainzer. Holtby zeigte nach zwanzig Minuten doch wenigstens einmal, was in ihm steckt und bediente Ivanschitz am linken Eck des Sechzehners. Der Österreicher bugsierte den Ball dann auch gleich sehenswert mit dem Außenrist in Richtung Aachener Tor, verfehlte es aber zum Glück um Haaresbreite.

Alemannias Antwort folgte sogleich. Stieber war auf der linken Seite seinem Gegenüber enteilt und versuchte Keeper Wetklo mit einem Heber zu überwinden. Der Aachener „Publikumsliebling“ im Kasten der Gäste bekam so gerade noch die Finger an die Kugel. Sechzig Sekunden später, die Anzeigetafel zeigt Minute 26, hat Wetklo weniger Glück. Lewis Holtby verhedderte sich gegen Uludag, der steckte auf Arslan durch. Der Türke zischte ab in Richtung Mainzer Tor, nahm Stieber mit und der Ungar passte mustergültig auf den mitgelaufenen Auer – 1:0! Tollhaus Tivoli!

Die Party auf den Rängen bekam einige Minuten später kurz einen Dämpfer, als die mitgereisten Mainzer den vermeintlichen Ausgleich durch Sami Allagui bejubelten (30.Minute). Allerdings wurde der Linienrichter wohl von der Aachener Trikotfarbe derart geblendet, dass er einfach mal auf Abseits entschied. Glück gehört manchmal eben auch dazu. Das fehlte kurz vor der Pause Benny Auer – aus spitzem Winkel versuchte er, den Ball vom Fünfereck über Wetklo hinwegzuheben, aber das Leder landete knapp hinter der Latte auf dem Außenetz.

Das wär’s gewesen! Kurz danach schickte Schiri Gagelmann die Teams zur Pause in die Kabinen. Als die Mannschaften nach 15 Minuten wieder zum Vorschein kamen, fehlte ein bekanntes Gesicht bei den Mainzern – Lewis Holtby blieb draußen, für ihn kam Marcel Risse in die Partie. Kein guter Abend für Holtby, der sich so sehr auf den Abend bei seiner „alten Liebe“ gefreut und so viel vorgenommen hatte. Immerhin kam er so nicht in die Verlegenheit, Benny Auer nachzueifern und seinem alten Verein einen einzuschenken.

Das versuchten dafür sofort nach dem Wechsel Holtbys Mannschaftskameraden. Der Leader der Bundesliga ließ kurz sein Potential aufblitzen. Erst tauchte Allagui vor Hohs auf, dann scheiterte Ivanschitz an unserem Schlussmann. Gerade, als sich alles auf einen Dauersturmlauf der 05er einstellte, fing sich Aachen und zeigte die richtige Antwort – Angriff ist die beste Verteidigung! Stieber hieß der Mann der nächsten zehn Minuten. Zunächst bot er Wetklo eine prima Möglichkeit, sich auszuzeichnen – Alemannias Nummer 7 brachte einen Volleyschuss aufs Mainzer Tor, der sich immer mehr nach außen drehte und lang und länger wurde. Mainz‘ Torwart lenkte das Leder allerdings hauchdünn noch vor der Linie um den linken Pfosten (50. Minute). Wenig später stand Stieber frei vor Wetklo, entschloss sich allerdings zum komplizierten Heber, der auf der Latte landete – uhhh!

Was Stieber nicht vergönnt war, schaffte nach 60. Minuten ein anderer Youngster – Höger, schneller, weiter! Eine Aachener Ecke fand zunächst keinen Abnehmer, Karhan „klärte“ per Kopf in die Mitte. Diese richtig gute Idee wusste Marco Höger auszunutzen. Aus so ca. 22 Metern (so genau war das aus S5 nicht zu sehen) drosch der Mittelfeldmann das Leder einfach mal mit Schmackes aufs Tor. Wetklo streckte sich vergebens; besser so für ihn, denn das Geschoss hätte ihm sonst auf dem Weg ins linke Toreck die Hand rasiert. Konsequenz: Aachen? 2! Mainz? 0!! Danke, danke!

Aachen jubiliert, Mainz irritiert, Tuchel konstaniert, Hyballa elektrisiert – das fast die folgenden Minuten gut zusammen. Die Alemannia glaubte allmählich an die Sensation und hatte wenig zu befürchten. Allerdings: Keine zehn Minuten gelang dem FSV der Anschlusstreffer aus dem Nichts – Risse schlug eine Flanke, präzise wie eine Cruise-Missile, auf den Kopf des ebenfalls eingewechselten Szalai. Aachens Abwehr träumte schon von Berlin, Hohs ohne wirkliche Abwehrmöglichkeit – nur noch 2:1.

War es das jetzt mit der Aachener Herrlichkeit? Danach sah es erst aus, denn die Alemannen wurden zusehends müder und das Tor nahm ihnen einiges an Sicherheit. Mainz nutzte das zu diesmal erfolgreicherem Pressing; deutlich mehr Zweikämpfe als zuvor gingen an die Rot-Weißen. Hyballa reagierte und setzte auf Offensive, statt auf Defensive – richtig so! Gueye kam für Auer, Junglas ersetzte Arslan; von Mauern konnte also nicht die Rede sein.

Ganz im Gegenteil – Babacar Gueye, der zuletzt wenig zustande brachte, wollte seine Chance nutzen und tat das, was er am besten kann: Flitzen! Einen eigentlich zu langen Ball in Richtung rechter Eckfahne erreichte der Senegalese noch vor dem verdutzten Wetklo, der weit abseits seines Tores die Kugel klären wollte. Beim Blitzsprint hatte Gueye nur leider wohl sein Hirn irgendwo zwischen Mittellinie und Sechzehner verloren. Statt zum bestens postierten Junglas zurückzulegen und alles klar zu machen, versuchte er einen Kunstschuss, der daneben ging.

Für diese leichtsinnig vergebene Chance schien sich Junglas dann einige Minuten vor Schluss rächen zu wollen. Nach einem weiteren erfolglosen Mainzer Angriff konterte Aachen; Junglas lief auf Wetklo zu, passte aber nicht zum Kollegen Gueye, sondern versuchte es selbst – falsche Entscheidung! Der Keeper konnte parieren.

Ob die Szene Mainz Trainer Tuchel in Rage versetzte oder was auch immer, war aus der Kurve nicht zu sehen. Wohl aber sein Gang auf die Tribüne, die der nicht wirklich souverän agierende Schiri Gagelmann anordnete.

Dort musste sich der Übungsleiter aber nicht lange aufhalten – bald darauf war Schluss! Unfassbar, aber Aachen war wieder um eine Pokalsensation reicher. Die Mainzer verschwanden schnell geknickt den nun endlich richtig eingeweihten Rasen; anders die Alemannen, die gleich in die Fankurve stürmten. Dort wurde dann die einst aus Mainz importierte „Humba“ zelebriert. Was für eine Wohltat! Nur der Vater des Erfolgs ließ lange auf sich warten – dutzende Interviewwünsche fesselten Alemannias Trainer lange in der Nähe der Bank. Dann aber ließ er sich in der Kurve blicken und dürfte spätestens jetzt beim Publikum angekommen zu sein. Aachen Hyballa, balla!

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
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