Die Rosinen sind gepickt

Wovon darf man ausgehen, wenn es Karten für ein Spiel der Alemannia auf dem Tivoli gegen den ruhmreichen FC Bayern München zu gewinnen gibt? Gewinnen bedeutet an dieser Stelle, dass es nicht mehr bedurfte als ein wenig Initiative und, so ernüchternd es klingt, Anwesenheit. Die Gewinner der heutigen Ausschreibung zweier Kombitickets stehen in jedem Fall fest.

Es ist genau eine Woche her, dass Fritz mich anrief und fragte, ob ich nicht Interesse hätte, mich einer womöglich hochkarätig besetzten Jury anzuschließen. Natürlich bejahte ich dies, nicht zuletzt, weil die Namen gar mehr als klanghaft waren. Worum sollte es überhaupt gehen? Fritz hatte beschlossen, zwei seiner Kombitickets zu verlosen. Und zwar an diejenigen, die sich eine nette Geschichte würden einfallen lassen.

Gleichzeitig vereinbarten wir, gehörig die Werbetrommel zu rühren, damit der heutige Abend einer der Sorte „Wahnsinn“ werden könnte, an dem es einiges zu erleben gibt. Alles wurde versucht: Die Alemannia wurde mehrfach kontaktiert, weitere Funktionäre und Angestellte. Außerdem war der Klömpchensklub als Anlaufpunkt Nr. 1 angedacht. Weitere namhafte Leute waren ebenfalls in einer potenziellen Anwesenheitsliste zu finden. Es folgten tagtäglich neue Anzeigen, kleine Teilerfolge. Auf Facebook wurde das Event schließlich ab dem 16. Januar angepriesen, auf Fritz‘ Homepage gleichermaßen. Am 17. Januar folgte dann die Veröffentlichung auf unserer Homepage. Endgültigen Anlass zur Hoffnung auf einen tollen Abend gab schließlich ein Eintrag auf der offiziellen Homepage der Alemannia selber, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Während sich also im Vordergrund alles sehr positiv entwickelte, schlichen sich im Hintergund die ersten Misserfolge ein. Früh war klar, dass der Klömpchensklub nicht in der Lage war, sich kurzfristig mit einem solchen Event auseinanderzusetzen. Außerdem schied Tag für Tag ein prominenter Name aus der potenziellen Jury aus. Trotzdem war ebenso früh klar, dass es am heutigen Abend in das Fanhaus der IG gehen wird. Der Beginn war für 19 Uhr geplant.

Da trotz des „Umzuges“ in das Fanhaus sowie des Fehlens gewisser hochkarätiger Jurymitglieder davon auszugehen war, dass sich eine gewisse Anzahl Interessierter im Fanhaus einfinden sollte, hatte Fritz bereits für 18.30 Uhr alle Vorbereitungen getroffen. Was sich dann allerdings bis 19.30 Uhr abspielen sollte, ist mir schleierhaft. Zu diesem Zeitpunkt traf ich nämlich im Fanhaus ein. Und was musste ich sehen? Es waren genau elf Leute vor Ort, die allesamt bereits mit Karten für das Bayernspiel ausgestattet sind. Nach einer gewissen Wartezeit verließen wir allesamt dann gegen 20.30 Uhr das Fanhaus und traten konsterniert den Heimweg an.

Nun will ich diese tolle Idee von Fritz nicht zum Politikum verkommen lassen, möchte aber trotzdem hinterfragen, was zu diesem enttäuschenden Ergebnis geführt hat. An erster Stelle sei hier direkt mal die Alemannia genannt. Kann es denn so schwer sein, auch nur einmal einen Blick in seinen Terminkalender zu werfen? Während bis zu einem gewissen Zeitpunkt noch diverse Versprechungen gemacht wurden, war die Unterstützung zum Ende hin doch recht marginal. Es mag gut sein, dass hierbei die Kurzzeitigkeit eine gewisse Rolle gespielt hat. An zweiter Stelle sei dann auch schon der Klömpchensklub erwähnt und auch hier muss ich nicht erwähnen, dass meine Zielvorgabe nicht die ist, neue Freunde zu gewinnen. Diese ohnehin schon nicht sehr erfolgreiche Lokalität erfreut sich, weithin bekannt, nicht gerade großer Popularität. Leider konnte auch dieses Mal nicht dazu beigetragen werden, diesen Umstand entscheidend zu verbessern. Sehr schade, hätte dieses Event doch wunderbar dorthin gepasst. Aber kommen wir schließlich zur dritten beteiligten Partei, den Interessenten.

Seit sage und schreibe acht Tagen steht bereits fest, dass keine Karten im freien Verkauf zu erwerben sind. Und nicht erst seit diesem Tag habe ich zig Anfragen bekommen, ob es nicht doch noch möglich sei, auch nur irgendwie an Karten zu kommen. Nun bin ich kein Typ, der sich 3.000.000 Freunde bei Facebook anlegt, aber wenn einen schon Freunde fragen, ob „da etwas machbar wäre“ und ich dieses Event permanent bei besagter sozialer Plattform poste, dann rechne ich doch eins und eins zusammen, fasse mir ein Herz und schwinge mich ins Fanhaus. Das Problem nun war allerdings, dass sich nicht nur meine Freunde gegen ein Erscheinen entschieden hatten, sondern auch jegliche andere Interessenten. Alle heute Anwesenden hatten also einen kurzen Abend und das lässt leider tief blicken. Es soll mir in den nächsten Tagen niemand mit den Worten kommen, wie schade es sei, für das Spiel keine Karten bekommen zu haben. Ich verstehe es einfach nicht, wie man eine solche Chance ungenutzt lassen kann, während man sich an anderer Stelle öffentlich beschwert, weil das Wort „Rosinenpicker“ in den Mund genommen wurde und es keinen freien Verkauf mehr gab. Wer nicht mal mehr die Initiative ergreift, in das Fanhaus zu kommen, der hat es auch nicht verdient, eine Karte für das Bayernspiel zu bekommen.

Besagte zwei Kombitickets haben indes ohnehin Abnehmer gefunden. Enge Bekannte und Freunde durften sich unverhofft über ihr Glück freuen. Für die beiden freut es uns natürlich umso mehr. Aber für diejeingen, die ihre Chance verpasst haben, haben wir nur eines übrig: Unverständnis.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Helmut

    Vielleicht lag es einfach daran, dass sich keiner zum Affen machen wollte. Die Idee war einfach zu infantil und man sollte nun nicht die Schuld bei anderen suchen.

    • Lieber Helmut,

      ich zitiere mal aus meinem Aufruf:

      Ihr müsst euch etwas wirklich imposantes, witziges, kreatives, lustiges, einmaliges und/oder beklopptes einfallen lassen! Je mehr es mit der Alemannia zu tun hat um so größer sind die Chancen!

      Meine Frage an Dich: Wo steht da etwas von „zum Affen machen“? Sicherlich sollten Witz und Charme eine tragende Rolle spielen, aber ein Öcher Leddchere ze sänge oder etwas witziges (beispielsweise eine kleine Büttenrede) aufzuführen hätte zu 100% Applaus und Wertschätzung erfahren. Ich nehme das ganze sportlich und finde mich damit ab, dass wohl die ganzen Motzköppe, Unglücklichen sowie Leerausgegangenen doch noch irgendwie ihr Kärtchen ergattern konten. Sei es drum. Et is wie et is aber die ganze Idee als infantil hinzustellen kann und werde ich nicht gelten lassen. Dies bedeutet nicht, dass ich mir nicht auch an die eigene Nase packe, keine Sorge!

      Beste schwarz-gelbe Grüße
      Firdrich

  • Max Baur

    @Helmut:

    Dafür gab es aber doch ganz schön viele Meckerer, denen der Weg zur Karte zu schwer war.

  • svenc

    @Helmut:
    Ich würde es mal so sagen, wenn ich noch ein Ticket gebraucht hätte, wäre ich zumindest hingefahren und hätte mir angeschaut, was da „abgeht“. Dann hätte ich immer noch kurzfristig entscheiden können, ob ich mitmache oder nicht.
    Ggfls. hätte sich das ganze zu einer sehr sehr kurzweiligen Veranstaltung entwickelt, da die mir bekannten Personen in der Jury nicht wirklich „beissen“.

  • g-water

    Wirklich schade, dass so eine, wirklich gut gemeinte Aktion, komplett untergeht !

  • Helmut

    An alle

    Sorry, ich wollte keinen beleidigen sondern nur anmerken, dass wohl wenige Lust hatten, einen Auftritt für andere zu bringen und sich unter Umständen damit zu blamieren. Die Idee an sich, zwei Karten zur Verfügung zu stellen finde ich gut. Allerdings hätte man vielleicht eine Quizshow oder eine Lotterie draus machen sollen.

    Wenn ich noch eine Karte gebraucht hätte, wäre ich gekommen, wenn ich ohne mich vor anderen darzustellen eine Chance auf eine Karte gehabt hätte. Ich hätte aber darauf verzichtet, mich vor wildfremden Leuten zu blamieren oder eben „zum Affen“ zu machen. Ich mag halt auch keine Castingshows, Dschungelcamps oder Big Brother Container. Dort blamieren sich geistig arme Menschen in der Hoffnung auf Ruhm oder Geld. All das nur, damit ein paar geistig noch ärmere Dumpfbacken das Gefühl haben, etwas Besseres zu sein.

    Nochmal: ich finde den Grundgedanken gut, mag aber die Idee der Ausführung nicht. Vielleicht hatten einfach zu viele die gleichen Bedenken wie ich.