Zweites Heimspiel, zweite Niederlage, wohin geht der Weg…?

Alemannia Aachen gegen Energie CottbusLeidenschaftlich, bissig, zweikampfstark, immer kämpfen, niemals aufgeben! Mit diesen Tugenden rühmte sich die Alemannia jahrelang, nun scheinen sie irgendwie verloren gegangen sein. Wer gegen Cottbus auf den großen Wendepunkt gehofft hatte, der wurde bitter enttäuscht. Auch das zweite Heimspiel der Saison ging nach der Niederlage gegen Braunschweig mit 0-2 verloren. Nimmt man die zwei Auswärtspleiten und das frühe Pokalaus hinzu, kommt eine Negativserie von 5 Niederlagen in 5 Pflichtspielen heraus. Von den üppig ausgefallenen Testspielniederlagen einmal abgesehen. So etwas darf man dann wohl Krise nennen und in einer solchen befindet sich die Alemannia. Doch was kann da helfen?

Sicher nicht die einzige Parallele, die man bis jetzt zur letzten Saison aufzuweisen hat: das immerwährende Wiederholen irgendwelcher Floskeln. Letzte Saison hieß es noch, wir haben eine junge Mannschaft, die darf auch mal Fehler machen. Diese Saison kann man sich dafür immer wieder den Satz anhören, „wir spielen guten Fußball, treffen aber das Tor einfach nicht“. Nur zu dumm, dass das „Toreschießen“ ein wichtiger Faktor ist, wenn man ein Spiel gewinnen will. Aber wenigstens kann man auch auf diese Floskel nach dem letzten Heimspiel verzichten. Denn guten Fußball hat man gegen Cottbus nun wahrlich nicht geboten.

Aber der Reihe nach: Nach der 1:3-Pleite in St. Pauli, stellte Peter Hyballa die Mannschaft um. Mit Auer und Achenbach durften zwei Erfahrene zurück in die Startformation. Achenbach sollte in der Viererkette endlich für die nötige Stabilität sorgen und Auer sollte dieses Problem mit dem „Toreschießen“ lösen.

Pünktlich um 13 Uhr pfiff Schiedsrichter Tobias Christ (auf den kommen wir später noch einmal zurück) die Partie an. Wer jetzt einen tollen Offensiv-Fußball der Alemannia erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Ein reines Ballgeschiebe im Mittelfeld durften die Zuschauer im ersten Durchgang bewundern. Cottbus, das mit der Hypothek einer 0:5- Heimpleite nach Aachen reiste, zog sich in die eigene Hälfte zurück und operierte mit langen Bällen, während die Alemannia spielerisch kein Mittel gegen den Gegner fand.

Dem Spiel der Alemannia fehlte es deutlich an Geschwindigkeit und Genauigkeit. Die Alemannia zeigte vor allem, wie man es nicht macht: Fehlpässe zu Hauf, ein Mittelfeld das ziemlich Ideenlos wirkte und die Außenbahnen waren gar nicht erst vorhanden. Man muss schon den Trainer fragen, was man taktisch mit der Truppe in der Sommerpause gemacht hat, denn das von Trainer Hyballa angesetzte 4-3-3 System war nicht erkennbar! Die beiden Außenstürmer hielten die Linie nicht und waren immer wieder in der Mitte anzufinden, sodass auf den Flügeln schlichtweg die Anspielstationen fehlten.

Das zentrale Mittelfeld hingegen zeigte eine unterirdische Leistung. Vor allem Alper Uludag leistete sich Ballverlust nach Ballverlust und beschwerte sich obendrein noch bei seinen Mitspielern. Auch die Defensive war erneut schwach. Die Angreifer des FC Energie hatten viel zu viele Freiheiten und wurden meist erst zu spät angegriffen. Hinzu kam noch das die oben angesprochenen Tugenden gänzlich fehlten.

Cottbus war bissiger im Zweikampf und die Alemannia wirkte nicht nur ideen- sondern auch leidenschaftslos. Auch der angeblich so gute Teamgeist, scheint sich auf dem Feld irgendwie verflüchtigt zu haben. Gegenseitiges Anbrüllen ist bei vielen Spielern der beliebteste Kommunikationsweg. Bezeichnend ist auch, dass Torhüter Boy Watermann den fußballerisch besten Eindruck machte. Seine Pässe kamen überwiegend an und auch das Stoppen des Balles klappte bei ihm problemlos.

Insgesamt war die erste Hälfte also alles andere als schön anzusehen und mehr als einen halben Torschuss des schwachen Uludags, konnte die Alemannia auch nicht verbuchen. Die größte Chance hatte Cottbus in der 15. Minute, als Rangelov nach einer Hereingabe am Aachener Gehäuse nur knapp vorbei köpfte.

Besserung sollte es in der zweiten Hälfte allerdings auch nicht geben. Absolut unverständlich ist auch, warum Alper Uludag weiterhin auf dem Platz stand, auch hier darf die Frage an das Trainergespann erlaubt sein, warum ein Spieler, der eine solch schlechte Leistung abliefert, nicht ausgewechselt wird. Nun ja, es kam wie es kommen musste. Nach einer Ecke der Lausitzer war es zunächst Hünemeier, der zum Kopfball kam. Diesen konnte Watermann noch zur nächsten Ecke abwehren. Doch aus dieser Ecke resultierte schließlich das 0-1. Banovic wurde am kurzen Pfosten sträflich frei gelassen, was dieser mit einem platzierten Kopfball bestrafte. Watermann war diesmal machtlos, allerdings stimmte – mal wieder – die Zuordnung im eigenen 16-Meter-Raum nicht.

Doch es sollte noch bitterer kommen, denn neben der schwachen Leistung der Alemannia, hatte auch das Schiedsrichtergespann einen schwarzen Tag erwischt. Schon in der ersten Hälfte waren manche Entscheidungen unverständlich und ärgerlich, doch nun griff Schiri Christ entscheidend in das Spielgeschehen ein. Den kurz zuvor eingewechselten Sergiu Radu verwarnte er zunächst nach einem Foul an Adlung mit gelb, um ihm dann nur sechs Minuten später die Ampelkarte zu zeigen.

Was war passiert? Zunächst einmal war die gelbe Karte wegen des Fouls an Adlung durchaus noch berechtigt, doch die gelb-rote Karte war einfach nur eine Unverschämtheit, die seinesgleichen sucht. In einem Kopfballduell mit Ziebig traf Radu diesen unglücklich. Schiedsrichter Christ hätte wohlmöglich gar keine zweite Karte gezeigt, wenn der Cottbuser durch die Berührung nicht eine Wunde davon getragen hätte. Radu stand allerdings mit dem Rücken zu seinem Gegenspieler, sodass er diesen gar nicht sehen konnte. Ihm Absicht zu unterstellen ist also ein Unding. Eine Karte zu geben, weil sich der Gegenspieler hier unglücklich verletzt hat, ist hingegen eine riesen Sauerei. Und weil das alles noch nicht genug war, verpasste es Christ dann wenig später auch noch auf den Punkt zu zeigen, als ein Aachener Angreifer rüde gestoppt wurde. Nimmt man den unberechtigten Elfmeter aus dem Pauli Spiel noch hinzu, sind das in der Summe drei krasse Fehlentscheidungen gegen die Alemannia. Doch wahrscheinlich wird der DFB noch die Unverschämtheit finden Radu zu sperren und Christ darf wahrscheinlich auch nächste Woche wieder ein Spiel (ver)pfeifen.

Allerdings konnte die miserable Schiedsrichterleistung auch über die zweite schwache Hälfte der Alemannia nicht hinwegtäuschen. Besserung nach dem ersten Durchgang war nicht in Sicht und die stärkste Phase der Alemannia, waren ausgerechnet die drei Minuten nach dem Platzverweis. Auch hier muss die Frage erlaubt sein, warum man kämpft und drückt, wenn der Gegner bereits führt und man selbst einer weniger ist.

Die kurze Drangphase brachte allerdings ohnehin nicht ein und was in diesem Spiel noch fehlte, war ein grober Schnitzer der Alemannia. Der kam wie gerufen nach einem Freistoß von Hadouir. Bitter, denn der neue Mann bei der Alemannia wusste nach seiner Einwechslung durchaus zu überzeugen und belebte das Offensivspiel. Was er sich aber bei diesem Freistoß gedacht hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Anstatt die gute Position für eine Flanke zu nutzen, passte Hadouir den Ball Quer. Leider stand da nur ein Cottbusser, der sofort den Konter einleitete, den Rangelov mit dem entscheidenden 0:2 vollendete.

Nach dieser 74. Minute passierte nicht mehr viel, da die Alemannia sich jetzt mehr oder weniger aufgab. Nur ein weiterer Fehlgriff des Schiedsrichters bleibt erwähnenswert, als dieser Hadouir verwarnte, weil dieser angeblich den Keeper des FC Energie attackiert hatte.

So kam der Schlusspfiff fast wie eine Erlösung. Bleibt nur die Frage, wo es mit der Alemannia hingeht. Die Aufgaben werden nicht einfacher und so langsam müssen Punkte her, da bringt auch alles Schönreden nichts. Die beiden schlechtesten Leistungen brachte man zudem am heimischen Tivoli, was sich auch an den Zuschauerzahlen sehen lässt. Gerade einmal knapp 14.000 Zuschauer waren gegen Cottbus dabei.

Erwähnt werden muss zum Schluss noch Sportfreunde-Besuch „Kalli“, der sich mit neuem Bäcker-Trikot zu uns gesellte. Die besondere Leistung dabei: Kalli ist um 9:00 Uhr morgens losgefahren, um etwa drei Stunden später den Aachener Tivoli zu erreichen und  pünktlich den Anpfiff des Spiels zu erleben. Leider hatten die Aachener Kicker nicht einmal 50 % der Einsatzbereitschaft eines „Kalli“ gezeigt, welcher jedoch trotz des antäuschenden Spiels versprach, in der Hoffnung wieder zu kommen  dann ein Erfolgserlebnis auf seine 3 Stunden dauernde Heimfahrt mitzunehmen.

In diesem Sinne Respekt an den gern gesehenen Besucher Kalli, den wir hoffentlich demnächst wieder in unserer Runde auf dem Tivoli begrüßen dürfen.

Über Sisi

Christopher alias "Sisi" ist seit der Gründung im Dezember 2009 Fanclub-Präsident.
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  • Steffen

    War das wieder der Kalli, den wir schon beim Derby Cup kennenlernen durften? Feine Sache in jedem Fall! 😉

    Ansonsten zwei Punkte: Das System soll eigentlich ein 4-1-4-1 sein und kein 4-3-3! Außerdem ist unsere holländische Neuerwerbung zwischen den Pfosten zwar ein Mann, schreibt sich aber nur mit einem „n“! *grins*

    Wirklich schade, solch ernüchternde Worte lesen zu müssen, aber bei diesem Spiel schien es wohl leider angebracht, so zu berichten … *schluchz*

  • Steffen

    Andere Frage: Stimmt es, dass ihr die Fahne dieses Mal kein einziges Mal geschwenkt habt? Oder haben meine „Quellen“ einfach nicht genau hingeschaut?