Wenn uns die Alemannia nicht so am Herzen läge …

Es ist schon erstaunlich, wie negativ die letzten Monate in Erinnerung bleiben werden. Was war da nicht alles? Eine ewig lange Durststrecke beim Toreschießen, insgesamt nur zwei Siege in 19 Spielen, ein vom Hof gejagter Trainer, ein abrupt gestoppter Jugendwahn, eine Finanzmisere besonderen Ausmaßes und viele Beteiligte, die einfach nicht in der Lage waren, den Verein auf Vordermann zu bringen, sportlich wie finanziell. Dass sich zuletzt sogar die eigenen Fans prügelnd im Block gegenüberstanden, setzte dieser Hinrunde dann schließlich die Krone auf.

Doch kommen wir zur eigentlichen Intention dieses Berichts – einem Meinungsbild. Im Oktober letzten Jahres hatten wir Sportfreunde uns erstmals mit einer Art Meinungsbild versucht und sehr viel positives Feedback erhalten. Daraus resultierte nun der Entschluss, in aller Regelmäßigkeit eine Art Meinungsbild des Fanclubs festzuhalten – und natürlich eignete sich die Winterpause optimal, um gleichermaßen zu resümieren und vorauszublicken.

René

„Wenn mir die Alemannia nicht so am Herzen läge, würde ich ihr wohl die Insolvenz wünschen!“. Zu diesem Schluss musste Sportfreund René kommen, nachdem er sich intensiv mit den Gebaren der Alemannia, den Angestellten und allen weiterhin Beteiligten auseinandergesetzt hatte. Besonders die Finanzen liegen ihm diesbezüglich schwer auf dem Magen.

Die Hinrunde:

Aber der Reihe nach. Gehen wir erstmal die sportliche Hinrunde an – ein Thema, über das Sportfreund Jan am liebsten „den Mantel des Schweigens legen würde“. Während Sportfreund Sisi „wenig Positives findet“, macht die Hinserie Sportfreundin Vera „regelrecht Angst“. Sportfreund Fritz „leidet fast schon unter Depressionen“, während Sportfreund Markus der Mannschaft „kaum zweitligataugliche Leistungen“ attestiert. Beachtlich hingegen findet Sportfreund Moritz, dass „es die Alemannia geschafft hat, mit dieser Leistung (15 Punkte aus 19 Spielen) immer noch vier Mannschaften hinter sich zu lassen“.

Als objektiver Betrachter muss man sich wirklich fragen, wie es eine Mannschaft schaffen kann, mit 15 Punkten nach 19 Spielen den 14. Tabellenplatz zu belegen. Allerdings reicht dafür ein simpler Blick auf die Tabelle: So, wie sich unten fünf Vereine abgesetzt haben, ist dies oben ebenfalls fünf Vereinen gelungen.

Sportfreund Paul bringt indes die Hinrunde auf den Punkt: „Schlecht gestartet – für mich dann ein überraschender Trainerwechsel – spielerisch wurde es dann immer besser, aber leider wurden zu viele Punkte verschenkt.“. In der Tat muss man feststellen, dass mit dem Spiel in Dresden eine kleine Wende eingeleitet werden konnte. Nicht nur, dass forthin in jedem Spiel mindestens ein Tor erzielt werden konnte (Ausnahme: Bochum). Nein, auch Pech bzw. Unvermögen schlichen sich fortan bei der Alemannia ein. Musste in Dresden noch in der Nachspielzeit der Ausgleich hingenommen werden, so war es der wieder eingegliederte Aimen Demai, der in Bochum zum gleichen Zeitpunkt einen Elfmeter zum hochverdienten Ausgleich vergab. Gegen Frankfurt spielte die Alemannia über weite Teile grausig, kam schließlich noch zum Ausgleich, um dann letztlich mit 3-4 den Kürzeren zu ziehen. Gegen 1860 München folgte dann das wohl beste Spiel der Hinserie, in dem es am Ende aber auch nur zu einem unglücklichen 2-2 reichte, ehe gegen Aue und Braunschweig jeweils 1-0 Führungen kurz vor Schluss noch zu Unentschieden wurden. Halten wir es also mit Fritz und denken uns: „Abhaken und auf die Rückrunde konzentrieren. Von der Hinrunde bekommt man echt Depressionen“.

Die anstehende Rückrunde:

Was eignet sich also am besten, um diese deprimierende Rückrunde hinter sich zu lassen? Natürlich – ein Blick nach vorne. Sportlich hätte die Vorbereitung eigentlich kaum besser laufen können. Während das Team von Trainer Funkel den Hessencup (Hallenturnier) gleich gewinnen konnte, wurde das Finale des Derby Cups (Hallenturnier) nur knapp verloren. Nachdem schließlich das erste nutzlose Testspiel gegen den 1. FC Köln verloren gegangen war, machte sich der Tross auf den Weg nach Side. Im dortigen Trainingslager gelang es der Alemannia letztlich, eine reine Weste in den Freundschaftsspielen zu bewahren. Aue wurde mit 3-1 niedergerungen (starke zweite Halbzeit), Wacker Innsbruck souverän mit 1-0 bezwungen (gute Ordnung). Das letzte und ausgeglichenste Spiel konnte schließlich noch gegen Bochum gewonnen werden. Grund genug, nun hemmungslos positiv gegen St. Pauli in die Rückrunde zu starten?

Markus

Sportfreund Markus meint: „Auch wenn in den letzten fünf Spielen der Hinrunde die Formkurve der Mannschaft nach oben zeigte, kann man nur hoffen, dass die Truppe aus den Fehlern der Hinrunde gelernt hat und (fast) sicher geglaubte Punkte nicht mehr so häufig hergibt“. Ferner glaubt er daran, dass vieles in der Hinrunde im Kopf entschieden wurde. Das könnte und sollte sich jetzt ändern. Sportfreund Sisi hat indes ein anderes Problem ausgemacht. Er ist vorsichtig mit einer Prognose für die Rückrunde und meint: „Die Mannschaft muss sich weiterhin steigern und vor allem konstanter Fußball spielen! Nicht nur gegen die Gegner aus der oberen Tabellenhälfte sollte man gute Leistungen bringen! Gerade, was die Big-Points angeht, hat man viel sehr leichtfertig verschenkt“.

Sportfreund Moritz holt gleich die Glücksgöttin mit ins Boot und hofft: „Mit weiterhin konstanten Leistungen und dann ein bisschen mehr Gunst aus Richtung der Fortuna – Ich meine die Glücksgöttin und nicht den Kölner Vorstadtclub – kann sich die Alemannia sportlich deutlich in der 2. Liga halten“. Allerdings sind die Audi-Millionen für Ingolstadt auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen. Er glaubt jedoch fest daran, dass die Alemannia einen positiveren Weg einschlagen wird als die weiter unten platzierten Teams aus Ingolstadt, Frankfurt, Rostock und Karlsruhe.

Jan

Aber auch Sportfreund Jan blickt der Rückrunde weitgehend positiv entgegen und meint: „Die Vorbereitung auf die Rückrunde lief erfolgreich. Friedhelm Funkel konnte intensiv mit der Mannschaft arbeiten und die Verpflichtung von Albert Streit hat noch mal Erfahrung und Qualität in die Mannschaft gebracht. Aachen sollte in der Rückrunde gut mitspielen können. Dabei kann das Ziel nur der Klassenerhalt sein“. Sportfreundin Vera sieht das ähnlich: „Die Testspiele wie auch die Hallenturniere lassen einen doch frohen Mutes in die Rückrunde blicken“.

Paul

Wollen wir aber nicht vergessen, dass sich die Alemannia nicht grundlos so weit unten in der Tabelle wiederfindet. Insgeheim sehe ich es daher ähnlich wie Paul, der folgende Vorstellungen von der Rückrunde hat: „Die Rückrunde wird spannend, weil ich nicht sehe, dass wir eine tolle Siegesserie starten werden. Vielleicht schlägt ja Streit ein, vielleicht wird Hadouir fit, vielleicht… Ich habe natürlich Abstiegsangst und glaube, dass wir bis Saisonende unten drinhängen werden“.

Nun ja, die Sportfreunde sind also durchaus positiv gestimmt, was den weiteren sportlichen Verlauf der Saison anbelangt. Wer sich dieser Tage allerdings in und um Aachen umhört, der kriegt sofort das nächste Problem „auf’s Brötchen geschmiert“.

Die finanzielle Lage:

Sportfreund Fritz deutet den Spagat zwischen sportlichem und finanziellem Werdegang an und meint: „Schlechter als die Hinrunde kann und wird es nicht werden. Sicherlich verfügen wir nicht über die beste Truppe, aber die Hallenturniere haben gezeigt, dass in der Mannschaft Leben steckt. Ich glaube an den sportlichen Klassenerhalt! Die finanzielle Situation kann allerdings auch der sportlichen Abteilung noch dazwischengrätschen“.

Eigentlich könnte man frohen Mutes, oder zumindest guter Dinge, in die Zukunft blicken – immerhin hat man zuletzt fast täglich Wasserstandsmeldungen bekommen, die von positiven Entwicklungen zeugten. Zuletzt aber schien das Drücken der Finanzlast ins Stocken geraten zu sein. Das scheint nicht zuletzt an Walter Hellmich und seinen ausstehenden Forderungen zu liegen. Außerdem hatte ich eher zufällig die Gelegenheit, mich mit einer im Rat ansässigen Person auszutauschen. Die hier zu Tage geförderten Informationen waren prinzipiell positiv, jedoch im Kern auch bodenständig sowie teilweise besorgniserregend und haben letztlich auch kein gutes Licht auf einige Angestellte der Alemannia geworfen. Wir Sportfreunde haben zu den finanziellen Gebaren eine gesonderte Meinung, die einige von uns unlängst im Stadion anhand von Banderolen kundgetan hatten. Sportfreund Paul gehört diesbezüglich noch zu den gemäßigten Vertretern innerhalb des Fanclubs und meint: „Die Probleme waren zu erwarten und kommen nicht überraschend. Ich fürchte, dass wir auch im Falle einer Rettung in diesem Jahr in den nächsten Jahren immer wieder damit zu tun haben werden“. Sportfreund Jan hierzu: „Das Finanzproblem ist neben der bescheidenden sportlichen Situation mitverantwortlich für die schlechte Stimmung auf dem Tivoli. Es muss nun so schnell wie möglich eine Entscheidung gefällt werden, damit Aachen die Lizenz bekommt und auch wieder konkurrenzfähig wird“.

Moritz

Sportfreund Moritz geht sogar noch einen Schritt weiter und führt aus: „Das Testspiel gegen Köln ist für mich ein perfektes Beispiel dafür, dass die Verantwortlichen immer noch versuchen, ihre Misere auf dem Rücken von den Falschen auszutragen. Als Dauerkarten-besitzer fühle ich mich diese Saison permanent verarscht. Ich habe, wie immer, im Wissen darum, dass ich längst nicht alle Heimspiele sehen kann, eine Dauerkarte gekauft. Warum? Weil man das für seinen Verein macht. Aus finanzieller und ideologischer Unterstützung. Jetzt hat der Verein aber entschieden, jegliche Vorteile der Dauerkarteninhaber zu streichen. Darüber hinaus kriegt man immer häufiger die Tageskarten für den Tivoli hinterhergeschmissen, so dass Leute zu Hauf auf den Tivoli strömen, denen die Alemannia anscheinend total egal ist. Und auch die Freundschafts- bzw. Testspiele müsste ich zusätzlich bezahlen, obwohl die früher immer im Preis der Dauerkarte enthalten waren. Wenn das so weitergeht, war ich die längste Zeit Dauerkarteninhaber. Was nicht heißt, dass ich nicht mehr zu den Spielen gehen werde. Alles andere steht für mich noch in den Sternen. Trotzdem wird es hier in der Region genug Willen geben, die Alemannia nicht über den Jordan gehen zu lassen“. Ich glaube, dass Sportfreund Moritz damit vielen von uns aus der Seele spricht. Es wird versucht, jedem irgendwo Geld aus dem Portemonnaie zu ziehen. Dabei wird allzu oft vergessen, wer Woche für Woche seinen Beitrag leistet. Sei es dadurch, dass er sich eine teure Dauerkarte gekauft hat. Sei es dadurch, dass er eine gesonderte Mitgliedschaft abgeschlossen hat, die jetzt teilweise schon dadurch torpediert wird, dass es ab der Rückrunde das in diese Mitgliedschaft eingeschlossene Tivoli Echo fortan umsonst am Tivoli zu bekommen gibt. Alles in allem eine Entwicklung, die nicht spurlos an der treuen Fanschar vorübergegangen ist.

Frithjof Kraemer:

Fritz

So man sich also dieser Tage mit verärgerten Anhängern der Alemannia über die finanzielle Situation unterhält, fällt oftmals zwangsläufig ein Name – und zwar der des Vorsitzenden der Geschäftsführung in puncto Finanzen, Personal und Verwaltung. Sein Name ist vielen schon seit langer Zeit ein Dorn im Auge. Frithjof Kraemer gilt für viele als der Vater der Finanzprobleme, der als einer der letzten Verantwortlichen für die Misere noch in Amt und Würden verweilt. Sportfreund Fritz hierzu: „Über den Geschäftsführer braucht man eigentlich nichts mehr sagen oder schreiben. Dieser Mann hat die Alemannia ins Grab gebracht. Ich glaube nicht mehr an eine Rettung“. Sportfreund Moritz schlägt ähnliche Tone an: „Dieser Kerl macht mich müde. Eigentlich möchte ich gar nicht mehr über ihn reden. Nur so viel: Im Falle der Rettung der Alemannia wird er mit Sicherheit keinen großen Beitrag leisten. Trotzdem befürchte ich, dass er als Held hervorgeht“. Sportfreund René geht sogar noch weiter: „Übermut tut selten gut und so ist es bei der Alemannia auch. Hausgemachte Probleme durch falsche Entscheidungen und Missmanagement sowie Größenwahnsinn. Wenn mir die Alemannia nicht so am Herzen läge, würde ich ihr die Insolvenz wünschen. Aber die Liebe ist zu groß, so dass ich hoffe, dass ein Konzept erarbeitet wird, das die Schlinge um den Hals unseres Vereins lösen kann“. Sportfreund Sisi indes wundert sich vielmehr: „Man fragt sich im Augenblick, was eigentlich schlimmer ist: Finanzprobleme oder sportliche Talfahrt … Ich selbst durfte auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Alemannia Zeuge von kläglichen Erklärungsversuchen seitens unseres Finanzvorstandes sein, wie man nun in diese Lage kommen konnte. Keine Eigenkritik, kein Einsehen, dass der Stadionbau eine Nummer zu groß war. Es breitet sich bei mir nur noch Unverständnis aus, warum unsere finanzielle Schieflage nicht auch personelle Konsequenzen hatte, so wie es sie im sportlichen Bereich schon gegeben hat“. Sportfreund Markus würde am liebsten so richtig vom Leder ziehen, verkneift es sich jedoch: „Herr Kraemer hat jeden Kredit verspielt und ich fasse es nicht, dass er sein Amt bei der Alemannia immer noch ausüben darf. Mehr darf ich hierzu nicht schreiben, sonst könnte das Ganze etwas vulgär werden, da mir für ein passendes Meinungsbild, das meine Meinung hundertprozentig zum Ausdruck bringen würde, keinen „normaler“ Wortschatz zur Verfügung steht …“.

Egal also, wie die Verhandlungen spätestens im März ausgehen werden, Frithjof Kraemer wird kein großer Freund der Sportfreunde Kaiserstadt. Zu sehr hat er sich und den Verein in Misskredit gebracht. Mich persönlich schauderte es gar, als ich in einer Zeitschrift (11Freunde) davon las, dass er bewusst in den Stadionbau gestartet sei. Wohlwissend, dass viele Bausteine noch unklar waren und er damit die Existenz der Alemannia gefährden könnte. Aber wenn für ihn „worst case“ – Szenarien nicht mal mehr annähernd dem entsprechen, was im schlimmsten Fall passieren könnte, dann muss sich hier niemand mehr wundern. Wenden wir uns lieber einem anderen Thema zu, ehe wir ausufern.

Friedhelm Funkel:

Vera

Über eines verfügt der Coach, der Peter Hyballa in der Hinserie abgelöst hatte, ganz gewiss – Erfahrung. Nicht zuletzt deshalb halten ihn viele für die Idealbesetzung im akuten Zweitliga-Abstiegskampf. Allerdings mischen sich unter die Stimmen der Befürworter auch immer wieder skeptische Meinungen. Sportfreund René hierzu: „Ein guter und erfahrener Trainer, der noch beweisen muss, dass er der Richtige ist. Bis jetzt fehlt mir da noch einiges, um ihn als Retter oder Messias feiern zu können“. Besonders Sportfreunde-Starköchin Vera scheint nicht viel auf ihn zu halten: „Friedelm Funkel ist mir weiterhin sehr suspekt. Er lässt mir einfach zu defensiv spielen und das gefällt mir nicht“. Generell fällt das Fazit der Sportfreunde aber eher positiv aus, was Friedhelm Funkel anbelangt. Sportfreund Fritz meint: „Unauffällig, aber bis jetzt souverän. Er strahlt Sicherheit und Zuversicht aus“. Sportfreund Markus hat eine ähnliche Meinung: „Hoffentlich bekommt Friedhelm Funkel endlich eine klare Linie in das Spiel der Alemannia. Ich glaube fest daran, dass ihm das gelingen wird. Seitdem er den Trainerposten übernommen hat, ist das Spiel zumindest besser geworden als unter Hyballa und natürlich auch „erfolgreicher“, wenn man es denn so nennen kann“. Für Sportfreund Moritz war Funkel gar der Wunschkandidat für den vakanten Trainerposten: „Ein Mann, der sehr viel Erfahrung in den deutschen Profiligen hat. Sowohl in puncto Abstieg, Aufstieg und fast allen erdenklichen Situationen. Gestartet als mein Wunschkandidat nach Peter Hyballas „Rauswurf“ blieb der Erfolg erstmal aus. Auch wenn die Früchte seiner Arbeit noch nicht besonders fett ausfallen, glaube ich trotzdem, dass er eine Bank für die Rückrunde sein wird. Er weiß, worauf es in knappen Situationen ankommt. Und das kann er auch den Aachener Spielern vermitteln“. Sportfreund Paul scheint auch nicht unzufrieden zu sein, bedauert jedoch einen gewissen Effekt der neuen Trainerphilosophie: „Sachlich und ruhig – er hat uns immerhin über den Strich geführt. Schade finde ich, dass der „Jugendwahn“ so abrupt gestoppt wurde und viele von den jungen Leuten keine Chance mehr bekommen haben“. Es ist in der Tat sehr bedauernswert, dass dieser angesprochene „Jugendwahn“ so abrupt gestoppt wurde. Allerdings sind uns aktuell wohl alle Mittel recht, die der Alemannia dazu verhelfen, den sportlichen Nichtabstieg zu realisieren. Mit Funkel scheinen wir diesbezüglich einen Mann gefunden zu haben, der souverän voranmarschiert und hoffentlich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Ein Weg, der zuletzt auch durch diverse Transferaktivitäten unterstützt wurde.

Albert Streit:

Sisi

Nachdem im Laufe der Hinserie bereits ein alter Bekannter mit David Odonkor an den Tivoli gewechselt war, hat es nun einen weiteren sehr bekannten Spieler zur Alemannia verschlagen – Albert Streit. Über seine nahe Vergangenheit wollen wir nicht sprechen. Vielmehr sind uns die sportlich positiven Teile seiner bisherigen Karriere im Gedächtnis geblieben. Moritz allerdings scheint dies nicht ganz so umsetzen zu wollen: „Vielleicht bringt er ja ein wenig mehr Konstanz ins Mittelfeld. Er hat einiges an Erfahrung auf der Haben-Seite zu verbuchen. Auf der anderen Seite ist er ein Spieler, der gerne mal negativ in den Schlagzeilen vertreten ist. In der jetzigen Situation des Vereins wäre das nicht sehr positiv, sofern er daran festhalten will“. Auch Sportfreund Markus kommt nicht umher, auf seine negative Vergangenheit zu sprechen zu kommen: „Aber der Coach hat zum Glück in der Vorbereitung Zeit, die Mannschaft auf die Mission Klassenerhalt vorzubereiten und in Albert Steit auch eine echte Verstärkung für den Alemannia-Kader nach Aachen gelotst. Auch wenn dem Menschen Streit Charakterlosigkeit und Geldgeilheit aufgrund seiner Vergangenheit nachgesagt wird, sollte dies wohl seine letzte Chance sein, sich noch einmal im Profifußball zu präsentieren. Und wir sollten ihn fair behandeln, denn er kann und wird der Mannschaft mit Sicherheit fußballerisch weiterhelfen“. Diese Chance sehen in der Tat viele von uns. Sportfreund Fritz hierzu: „Er kann sich beweisen und seine wohl letzte Chance im Profifußball nutzen. Wünschen wir ihm dazu alles Gute“. Sportfreund Paul fügt an: „Vielversprechend, wenn auch mit Risiko – aber er kann uns sicher gut tun. Letztendlich ist es aber wie bei Odonkor – wir können dabei nur gewinnen“. Sportfreund Jan sieht es ähnlich, fügt aber noch einen weiteren Aspekt hinzu: „Albert Streit sehe ich als einen großen Gewinn für die Alemannia. Er ist ein erfahrener Spieler, der ein gutes Auge für die Mitspieler hat. Aber auch die Qualität, in den 1 gegen 1 Situationen als Gewinner da zu stehen. In der Vergangenheit hat er sehr viele Rückschläge erleiden müssen. Unter Friedhelm Funkel hat er seine beste Zeit gehabt und deswegen bin ich guter Dinge, dass er auch in Aachen wieder gute Leistungen zeigen wird“. Sportfreund Sisi rundet ab: „Albert Streit ist mit Sicherheit eine gute Neuverpflichtung, wenn er an seine alten Frankfurter Tage anknüpfen kann, mit Funkel hat er ja schon mal den richtigen Trainer dafür. Unter ihm brachte Streit die besten Leistungen. Er wird aber wahrscheinlich auch Zeit brauchen und die sollte man ihm auch geben“.

Viel Zeit wird er erstmal nicht mehr bekommen. Beim morgigen Spiel gegen St. Pauli wird er nämlich von Beginn an ran müssen. Generell sind wir Sportfreunde heiß auf den Rückrundenauftakt, wäre da nicht diese Angelegenheit, die sich während des Spiels gegen Aue im eigenen Fanlager ereignet hat.

Das eigene Fanlager:

Man konnte in den letzten Wochen schon mal den Eindruck gewinnen, dass dieses prekäre Thema bestens dazu geschaffen ist, die finanziellen Probleme partiell in den Hintergrund zu rücken. Wenn es dabei nicht diese zwangsläufige Verkettung gäbe, die allumfassend kein gutes Licht auf den Verein und sein Umfeld wirft. Heute titelte die Aachener Zeitung noch „Alemannia hat die rechte Gefahr unterschätzt“.

Unser Interesse besteht nach wie vor nicht darin, hier eine politische Ebene zu erreichen, die uns als Fußballfans eines Vereins nicht vorrangig beschäftigt. Wie unserem Aufruf der letzten Tage jedoch zu entnehmen ist, verschließen auch wir nicht unsere Augen vor der aktuellen Situation. Trotzdem habe ich mich mal umgehört und das ein oder andere Statement bekommen. Allerdings werde ich diesbezüglich auf die Nennung von Namen verzichten. Eines unserer Mitglieder indes verweist auf einen eher traurigen Punkt: „Will ich eigentlich nicht kommentieren. Rechtsdenken und Gewalt hat es am Tivoli (alt) immer wieder gegeben.“ Ein weiteres Mitglied hierzu: „Solange die Aachen Ultras und die Karlsbande nicht ihren Konflikt beilegen und auch wir als Fans und Fanclub an dieser Stelle nicht den Druck erhöhen, wird sich nichts ändern. So traurig es ist: Die Gräben sind sehr tief und ich bezweifle, dass eine schnelle Lösung umsetzbar ist. Dabei wäre jetzt der Zusammenhalt der Fans wichtiger denn je“. Ein anderer hingegen verfolgt folgende Prämisse: „Viva la Sportfreunde! Alles andere ist mir egal, solange das rechte Gesocks endlich aus dem Stadion verschwindet“.

Nun ja, brechen wir es mal herunter auf die Hoffnung, dass dieser Konflikt nicht ein weiteres Mal ausgetragen werden muss. Sicherlich lassen sich die Probleme nicht bei einem gemeinsamen Kaffee aus der Welt schaffen, aber eines sollte in der aktuellen Zeit jedem bewusst sein: Alle Involvierten schaden dem Verein in mehrerlei Hinsicht! Sei es durch die negative Außendarstellung, sei es durch die Verschreckung potenzieller Fans, sei es durch den fehlenden Support der eigenen Mannschaft! Hier könnte man beliebig viele Dinge anführen, ohne sich auf politisches Glatteis begeben zu müssen! Von daher: Haltet die Querelen vom Stadion fern und besinnt euch auf euer Uranliegen – den Support der Alemannia!

Damit wäre nun erstmal alles gesagt, was sich so über die Winterpause angesammelt hat. Wir Sportfreunde fiebern dem morgigen Start der Rückrunde entgegen und freuen uns wahnsinnig auf das Spiel gegen St. Pauli. Diese Vorfreude wird letztlich auch dadurch verstärkt, dass wir endlich einen Platz für unsere Zaunfahne gefunden haben sowie mittlerweile über unseren eigenen Satz Fan-Pullis verfügen. Beides wird es morgen jedoch nicht zu bewundern geben, da es einerseits zu kalt ist, nur im Pulli an den Tivoli zu kommen und es andererseits noch keine Möglichkeit gab, für eine Zaunfahnenhalterung zu sorgen.

Wir wünschen uns einen halbwegs bespielbaren Platz, ein angenehmes Klima innerhalb des eigenen Fanlagers und drei Punkte gegen den drohenden Abstieg!  Und natürlich – Spaß!

Steffen (Autor)

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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