Wenn der Erik zwei Mal klingelt …

Benefizspiel in Eupen: Sebastian Vettel auch hier in der Pole PositionAktuell scheint es besonders ein Manko zu geben, wenn man sich sowohl die Spiele der Alemannia wie auch ihre aktuelle Tabellensituation vor Augen führt – das Toreschießen. Dass einer, der nach wie vor in Diensten der Alemannia steht, es allerdings nach wie vor drauf hat, wurde uns am Mittwoch eindrucksvoll ins Gedächtnis gerufen, als einige von uns das Charity-Spiel der Formel 1 – Piloten gegen eine regionale „Star“-Auswahl in Eupen besuchten.

Einige Wochen ist es bereits her, dass die Sportfreunde Fritz, René, Thomas und ich den Entschluss gefasst hatten, uns für den guten Zweck ein paar Karten zu sichern. Keine schlechte Wahl, wie sich nun am Mittwoch herausstellen sollte. Kulinarisch für einen Tag auf Belgien und seine Spezialitäten eingestellt, hatten wir es uns im Vorhinein dann auch nicht nehmen lassen, dekadent belgische Pommes essen zu gehen. Keine schlechte Entscheidung, führte man sich später den Stadionfraß am Kehrweg in Eupen vor Augen. Der Weg, für den netterweise René als Fahrer fungierte, war schnell hinter uns gebracht. Wir konnten bereits die Stadionatmosphäre fühlen, als noch ein letztes Problem bewältigt werden musste: die Parkplatzsuche. Allerdings weit gefehlt – nach nicht mal mehr einminütiger Suche hatten wir den bestmöglichen Parkplatz am Stadion gefunden. Zumindest glaubten wir das, bis wir zehn Minuten später am Eingang (direkt gegenüber unseres Parkplatzes) erfuhren, dass wir einmal komplett um das Stadion wandern dürfen. Der eigentliche Gästeblock sollte also unseren Aufenthaltsort für den Abend darstellen. An und für sich keine schlechte Wahl, muss das Essen wohl nirgends anders bzw. besser gewesen sein. Gleiches gilt leider auch für die „Beschallungsanlage“, die diesem Namen nicht mal mehr ansatzweise gerecht wurde. So hielten wir uns an einen anderen Exportartikel der Belgier: das Bier. Für 1,80€ gab es einen Becher mit einem ungefähren Viertelliter Inhalt. Alles andere war zwar auch für den gleichen Preis zu erhalten, lohnte sich aber weitaus weniger. So brachten wir unserem Fahrer René direkt zu Beginn eine Cola mit. Wir alle staunten nicht schlecht, als wir kurzerhand eine Red Bull – Cola – Mischung in den Händen hielten. Es sollte die letzte für diesen Abend bleiben. Wer sich jetzt eventuell fragt, warum ausgerechnet Red Bull, der gehe mal kurz in sich. Vielleicht hat dieser Dosenriese ein kleines Engagement in der Formel 1 laufen. Aber nur vielleicht …

Wir widmeten uns also weiterhin mit Hingabe dem belgischen Bier und schauten uns dann erstmalig auf unseren Plätzen um. Gut, für vernünftig befunden, also wieder runter an die Theke. Als wir dann ein zweites Mal auf unsere Plätze zurückkehrten, machten sich Teile der Mannschaften dann auch schon warm. Als durchaus feste Fußballfans und -kenner konnten wir dann auch direkt das ein oder andere bekanntere Gesicht ausfindig machen. Besonders ein Spieler hatte von Beginn an die meiste Aufmerksamkeit. Und das nicht nur, weil wir ihn zu kennen schienen. Eines unserer aktiven Mitglieder schien sich etwas schwer zu tun oder zumindest gerade zwei Fliegen in den Augen zu haben. Wir waren nur noch verbale fünf Zentimeter von einem gewonnenen Kasten entfernt, da merkte er endlich, dass es vielleicht doch Erik Meijer sei. Der Hohn und Spott unsererseits war ihm fortan auf jeden Fall sicher.

Das weitere Einheizprogramm ließen wir dann auch noch irgendwie über uns ergehen, ehe es dann endlich losgehen konnte. Zumindest dachten wir das. Allerdings kam und kam der Spielball einfach nicht ins Stadion. Natürlich musste hierfür ein Fallschirmspringer herhalten, der scheinbar den Lufteingang nicht finden konnte. Minute um Minute verstrich also, ehe es dann irgendwann doch einen Menschen vom Himmel regnete. Leider aber fehlte auch nur wenig und er wäre unmittelbar wieder hochgeschickt worden. Wenn es zwei Meter waren, die er am Flutlichtmast vorbeigeschrammt ist, dann wäre das wohl sehr wohlwollend beschrieben. Mir rutschte auf jeden Fall erstmal das Herz in die Hose.

Ungefähr 15 Minuten später war es dann gleich zwei weitere Male passiert. Zu dieser Zeit führten die regionalen „Stars“ bereits mit 2-0 und wer hatte die Tore erzielt? Natürlich Erik „ich erkenne ihn nicht“ Meijer. Auch wenn es letztlich eine eher schwache Abwehr war, gegen die er da anspielte, muss man ihm nachsagen, dass er das Fußballspielen in keiner Weise verlernt hat. Er hat sie immer noch, diese ominöse Torgefahr. Diese Torgefahr, die der Alemannia momentan leider absolut abgeht. Und er hat auch dieses Spezielle, diesen Schalk im Nacken, diese Leichtigkeit, die leicht in Verbissenheit umschlagen kann … einfach so Vieles, was dem Großteil der Aachener Kicker irgendwie abhandengekommen zu sein scheint. Nachdem Meijer also seine glanzvolle Viertelstunde gehabt hatte, überlies er zu großen Teilen den Mitspielern das Feld. Einige Male stand er zwar noch auf dem Feld, fiel aber eher durch witzige Aktionen denn durch sportlich Wertvolles auf.

Erstaunlicherweise sorgten dafür nun auch die Formel 1 – Piloten. Erst war es der äußerst sympathisch wirkende Belgier Jérôme D’Ambrosio, der das 1-2 erzielte. Die Massen jubelten. Als dann kurze Zeit später sogar Sebastian Vettel mit einem astreinen Schuss ins lange Eck das 2-2 erzielte, kochte das Stadion. Mit diesem Zwischenstand ging es dann auch in die Halbzeit und für uns natürlich wieder zur Theke. Kurzerhand dachten wir uns, noch ein kleines Wettspielchen zu veranstalten. Das Endergebnis sollte als Referenz dienen und jeder durfte sich nun versuchen. René tippte ein 4-4, Thomas ein 5-4 für die Formel 1 – Piloten. Fritz tippte gar ein 6-4 für die regionalen „Stars“, während ich das schiedlich friedliche 5-5 wählte. Der Einsatz: natürlich ein Kasten Bier.

So stieg dann in der zweiten Halbzeit wieder die Spannung, als es weiterging. Erstaunlicherweise waren es nun aber die Rennfahrer, die den Ton angaben. So wurde schnell ein 4-2 – Vorsprung herausgeschossen. Als es dann schließlich 5-3 für die Rennfahrer stand, schien sich Fritz bereits mit seinem Schicksal abgefunden zu haben. Nachdem Sebastian Vettel dann leider nur die Latte getroffen hatte, stand es kurze Zeit später 6-3. Am Ende siegte letztlich die Kondition über das fußballerische Können und alle waren auf ihre Kosten gekommen. Von Sebastian Vettel waren aber sicherlich nicht nur wir enorm beeindruckt: Er war der einzige Formel 1 – Fahrer, der über die gesamte Spielzeit auf dem Feld stand und sich Minute um Minute die Seele aus dem Leib rannte – Chapeau.

Ein weiterer Umstand hatte uns allerdings auch sehr „beeindruckt“ über die gesamte zweite Halbzeit. Schräg vor uns hatte bereits zu Beginn des zweiten Durchgangs ein etwas älterer Herr entschlossen, eigenhändig im Stadion eine Art La-Ola-Welle in Schwung zu bringen. Wenn ihr euch die Fotos genauer anschaut, könnt ihr erraten, ob es letztlich geklappt hat oder nicht. Kleiner Hinweis: Wir saßen knapp fünf Meter entfernt und bei uns ist nichts angekommen. In jedem Fall haben wir uns köstlich amüsiert.

Leicht beschwingt und gut gelaunt verließen wir dann unmittelbar nach dem Schlusspfiff den Kehrweg und machten uns wieder auf nach Aachen. In jedem Fall ein netter Abend, der letztlich überaus gelungen war. Bleibt nur eines zu hoffen: Entweder stellt Hyballa den Meijer am Samstag vielleicht doch noch mal für zwanzig Minuten in den Sturm oder Meijer knöpft sich selber noch mal die Abteilung Attacke vor. Dass er es noch drauf hat, dürfte spätestens seit diesem Abend jedem klar sein. Auch, wenn man ihn nicht direkt erkennt …

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Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Abgesehen von der echt ganz miesen Qualität der Beschallung (Deja-vu wa), war es ein echt gelungener Abend. Der darf gerne wiederholt werden. Hannover spielt beispielsweise in Lüttich oder Leverkusen in Genk. Da könnte man auch hin, wobei ich da als Fußballinteressierter hinfahren würde 😉

    • Das wird sehr schwierig lieber Fritz! Der Paul und ich haben in den letzten Jahren mehrfach versucht an Ueafa/Euro-Cup/Leaugue Karten in den von dir vorgeschlagenen Stadien zu bekommen! Zumindest gegen deutsche mannschaften waren die Spiele immer sehr sehr schnell ausverkauft!