Vox populi, vox Rindvieh – Vive le roi! Die etwas andere Saisonvorschau!

Wer sich nun fragt, was eigentlich diese äußerst untypische Überschrift hier zu suchen hat, dem empfehle ich, sich mal kurz bei Wikipedia klug zu machen – hier die beiden Links: Le roi est mort – vive le roi und Vox populi vox dei. So denn nun alle Unklarheiten beseitigt sind, möchte ich mich wieder ganz der Alemannia widmen und erklären, warum gerade diese Worte nun unsere hiesige Sportfreunde-Saisonvorschau einläuten dürfen. Auf die Vereinsoberen angesprochen, insbesondere auf Frithjof Kraemer, platzte es nur so aus Sportfreund Frank heraus. Aber eigentlich gibt es aktuell scheinbar nicht viel zu meckern – eigentlich. Lest selbst, was sich die Sportfreunde von der Saison erwarten.

Was liest man dieser Tage nicht alles Positives über die Alemannia. Das Testspiel gegen den FC wurde in der letzten Woche mit 1-0 gewonnen, gegen Essen am Wochenende ebenfalls mit 2-1. Über 6.000 Dauerkarten sind abgesetzt, gegen Gladbach im Pokal wird die Kasse wohl auch richtig klingeln und am vergangenen Sonntag gaben sich schier unfassbare 17.000 Menschen die Klinke bei der offiziellen Saisoneröffnung der Alemannia in die Hand. Zudem schien der Verein zuletzt über so viel Geld zu verfügen, dass er von der Stadt „erbetteltes“ Geld nicht in eigene Hände nahm. Was erwartet uns Fans da eigentlich, wenn wir an die kommende Saison und die Zukunft des Vereins denken? Euphorie? Aufstiegssaison? Konsolidierung? Schuldenabbau? Über gewisse Themen habe ich mit einigen Sportfreunden gesprochen – und eines kann ich bereits verraten: Die Meinungen hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Die sportlichen Aussichten – Aufstiegschancen?

Sportfreund Jan-Hendrik

Schieben wir mal alle Unwägbarkeiten bezüglich Finanzen und dergleichen beiseite und beschäftigen uns rein mit dem Sportlichen. Auf die Frage hin, ob die Alemannia in der nächsten Saison um den Aufstieg mitspielen könne, haderte Sportfreund Jan-Hendrik, zählte die Alemannia aber letztlich doch zu den Aufstiegsfavoriten: „Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, aber wir gehören wohl zu den Favoriten. Der Kader ist so neu und bunt zusammengewürfelt, dass es schwer ist, eine Prognose abzugeben. Schließlich spielen wir gegen Mannschaften, die schon seit Jahren eingespielt sind. Uwe Scherr und Ralf Aussem haben aber, wie ich finde, einen ausgewogenen Kader mit jungen und erfahrenen Spielern zusammengestellt. Man merkt, dass Spieler und Fans wieder in die zweite Liga wollen“. Sportfreund Markus hingegen macht viel vom Saisonstart abhängig: „Sollte ein guter Saisonstart gelingen, dann ist alles möglich. Aber leider gilt dies auch andersrum. Von der Qualität des Kaders bin ich überzeugt. Ich glaube, der Alemannia wird es gelingen, wieder attraktiveren Fußball zu bieten. Aufstieg? Das hängt davon ab, wie schnell sich die Mannschaft ‚findet’ – und die Konkurrenz ist in Liga 3 recht groß“. Vera hingegen macht keinen großen Hehl aus ihrer Haltung und formuliert es so: „Ja, definitiv. Die Mannschaft wirkt stark und kämpferisch. Ich hoffe, sie zeigt es auch in der Liga und wird entsprechend kämpfen und siegen“. Sportfreund Frank ist davon jedoch nicht überzeugt und entgegnet: „Definitiv – nein! Die Alemannia wird sich eher an der Leistung von Bielefeld in der letzten Saison orientieren“. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eigentlich nichts zusammengefasst werden kann – die Mannschaft ist fast komplett neu aufgestellt und wird wohl, trotz aller positiven Eindrücke, erst beweisen müssen, dass sie aufstiegsfähig sein kann. Das Konstrukt scheint vorerst zu stimmen. Eine solide „Mittelachse“ um die Herren Stehle, Olajengbesi, Demai, Streit, Rösler und Borg, dazu flotte Außenspieler mit Baumgärtel, Schwertfeger, Heller und Kefkir und obendrein weitere junge Burschen, wie Thiele, Brauer, Pozder, Leipertz, Schumacher und Marquet, die letztlich Anlass zur Hoffnung geben. Hoffnung auf eine möglichst erfolgreiche Saison – denn davon träumen eigentlich alle rund um den Tivoli.

Von Trekkies und Neuzugängen

Sportfreund Fritz

Wo wir schon mal bei den Spielern sind. Weiterhin wollte ich in Erfahrung bringen, bezüglich welcher Spieler die Vorfreude eigentlich am größten ist. Erstaunlich oft fiel hier der Name Sascha Rösler. Sportfreund Fritz hierzu: „Schwere Frage! Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich auf Rösler freue. Der ist auf dem Platz ein Drecksack und das ist gut so. Das habe ich vermisst“. Sportfreund Thomas sieht es ähnlich und meint: „Da gibt es einige, u.a. Sascha Rösler. Auch wenn ihn einige als ‚Söldner’ titulieren, sehe ich dies ein wenig anders. Darüber hinaus bin ich sehr gespannt auf Freddy Borg und den hochgelobten Timo Brauer“. Beim Stichwort Freddy Borg fällt mir doch glatt etwas ein. Ich bin mir nicht sicher, ob da vielleicht schon das ein oder andere Bierchen im Spiel war, aber überzeugt euch selbst von Holgers Einschätzung: „Eigentlich habe ich da jetzt keinen besonders hervorzuheben. Ich freue mich auf alle. Ok, der kleine Trekkie in mir freut sich auf Freddy Borg: ‚Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert werden, Widerstand ist zwecklos’“. Ähm … ok … wir freuen uns auch. Jedenfalls werden besonders Rösler und Brauer genannt. Jan-Hendrik hingegen hat sich auf jemand anderen eingeschossen: „In den Testspielen hat Oguzhan Kefkir einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wenn er sein Temperament noch ein wenig in den Griff bekommt und abgeklärter wird, wird er in der Kreativabteilung nicht mehr wegzudenken sein. Und ich finde es toll, dass Sascha Rösler wieder da ist. Ein echter Typ, der uns mit seiner Erfahrung auf und neben dem Platz weiterhelfen wird“. Wesentlich salomonischer  löst Sportfreund René die Situation: „Ich möchte da niemanden besonders hervorheben, ich freue mich auf das gesamte Team. Auf dass sie die vorhandene Euphorie noch steigern können“. Ein gutes Stichwort – Euphorie. In der Tat scheint diese rund um den Tivoli den Gemütszustand der Fans und Anhänger des Vereins am besten zu beschreiben. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass vor der letzten Saison ebenfalls gute Stimmung herrschte – wenngleich keine riesige Euphorie.

Was muss sich eigentlich ändern?

Sportfreundin Vera

Deshalb wollte ich mal den Ursachen für die letzte Saison auf den Grund gehen und habe die Frage in die Runde gestellt, was sich eigentlich ändern müsse. Lapidar formulierte Vera ihre Wünsche: „Sie müssen öfter siegen – und das von Anfang an. Nicht erst am Ende, wenn es zu spät ist“. Sportfreund Frank sieht das ähnlich: „Einfach mehr Spiele gewinnen“. Holger hingegen ergänzt noch: „Viel mehr Heimspiele gewinnen. Am besten alle. Der Tivoli sollte wieder eine Festung werden. Da sind vor allem wir Fans in der Pflicht. Das Fanverhalten in der letzten Saison war teilweise bescheiden“. Während er also auch uns Fans mit ins Boot holt, hadert Fritz noch immer mit dem Glück: „Vor allem brauchen wir auch mal wieder etwas Glück. Letzte Saison hat man einige Spiele am Ende unglücklich in letzter Minute verloren. Glück kann man aber auch erzwingen. Wenn der Wille dazu da ist, wird es eine gute Saison“. Markus möchte besonders Einsatzbereitschaft sehen und meint: „Einstellung, Zweikampfverhalten, Leidenschaft à la Landgraf – das habe ich vermisst“, wozu Thomas ergänzt: „Es muss einfach mehr Kampfgeist an den Tag gelegt werden. Über 90 Minuten rennen, rennen und nochmals rennen kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein. Das hat letzte Saison über weite Strecken einfach gefehlt“. Jan-Hendrik versucht gar, direkt einen etwas größeren Bogen zu spannen und stellt fest: „Wir brauchen mehr Ruhe im Verein. Zwar sind wir aus wirtschaftlichen Gründen fast gezwungen, aufzusteigen, aber man darf nicht den Fehler machen, nach ein paar erfolglosen Spielen gleich den Trainer auszuwechseln. Leider kann man das Glück nicht erzwingen, aber wir hatten letzte Saison so viel Pech, dass wir mal wieder dran sind“. Letztlich sind sich die Sportfreunde irgendwo einig – letzte Saison fehlte es oftmals am nötigen Glück, während hier und da auch noch das elendige Pech hinzukam. Keine Angst – das Phrasenschwein steht neben mir und wurde soeben um ein paar Euros reicher. Schaut man sich die letztjährige Saison jedoch genauer an, so darf man für die anstehende Spielzeit berechtigter Weise auf wesentlich mehr Leidenschaft hoffen. So sich eine gewisse „Geilheit“ einstellt und jeweils bis zur letzten Minute gefightet wird, dürfen wir davon ausgehen, dass sich eine derartige Schreckenssaison nicht wiederholt.

Fanwesen und Support am Tivoli

Sportfreund Holger

Sportfreund Holger sprach bereits von den Fans und vom teilweise „mickrigen“ Support in der letzten Saison. Der war nicht zuletzt auf die inneren Querelen sowie weitere Scharmützel zurück-zuführen und hat wohl auch ein wenig dazu beigetragen, dass der Tivoli nicht, wie eigentlich erhofft, zu einer Festung wurde. Darauf angesprochen, ob zumindest wir Sportfreunde wieder zahlreich im Stadion sein und alles daran setzen wollen, diesbezüglich etwas zu ändern, ergab sich ein äußerst positives Bild. Lediglich Sportfreund Fritz musste an dieser Stelle eher negativ in die Zukunft blicken: „Leider nicht. Alleine, weil ich nicht jedes Wochenende aus Frankfurt kommen kann wird es bei den Heimspielen nicht immer klappen – dafür nehme ich aber einige Auswärtsspiele mehr als letztes Jahr mit! Mit Kickers Offenbach, Wehen Wiesbaden und Darmstadt 98 habe ich drei ‚Heimspiele’. Aber auch ein paar andere Spiele werde ich besuchen. Da habe ich seit langer Zeit wieder richtig Lust drauf“. Auf die Frage hin, ob jeder Einzelne von uns in der nächsten Saison genauso oft im Stadion sein wolle, entgegnete Frank: „Nein – öfter. Sind ja mehr Heimspiele“. Holger hingegen hat seinen ganz eigenen Grund, nächster Jahr öfter an den Tivoli zu kommen: „Da ich in der letzten Saison die ersten Heimspiele nicht dabei war, wird es bei mir eine klare Steigerung. Ziel ist auf jeden Fall, bei allen Heimspielen dabei zu sein. Wenn es klappt, vielleicht auch bei ein paar Auswärtsspielen“. Thomas sieht es pragmatisch und gewinnt nebenbei auch dem Rahmenkalender der 3. Liga etwas ab: „Ich denke schon, denn jetzt gibt es ja kaum noch Überschneidungen mit dem Verein, in dem man noch selber Sonntags kickt“. Vera und René haben dasselbe Problem und sind deshalb weiterhin auf Hilfe angewiesen: „Klar, so lange wir nicht arbeiten müssen und einen Babysitter haben – auf jeden Fall“. René ergänzt jedoch: „Ich hoffe sogar, dass es öfter sein wird. Das ein oder andere Pokalspiel mehr wäre schön. Ansonsten bleibt alles beim Alten – die Dauerkarte wurde natürlich verlängert“. Jan-Hendrik blickt ebenso positiv in die Zukunft und hofft auf mehr Tivolibesuche: „Ich werde sogar noch häufiger im Stadion sein und habe mir – im Gegensatz zur letzten Saison – sogar eine Dauerkarte gekauft. Das liegt aber auch daran, dass ich erst im Laufe der letzten Saison zurück nach Aachen gezogen bin. Die vielen Ticket-Aktionen haben letzte Saison aber auch nicht gerade dazu eingeladen, sich eine Dauerkarte zuzulegen“. Wie man sieht, werden die Sportfreunde nach wie vor sehr zahlreich am Tivoli in Block S5 vertreten sein, vielleicht sogar etwas zahlreicher als noch in der abgelaufenen Spielzeit. Einerseits freuen wir uns auf die zwei „zusätzlichen“ Heimspiele sowie andererseits auf die Pokalpartie gegen Gladbach. Vielleicht wird es ja sogar ein paar weitere Spiele im Pokal zu bejubeln geben. Zumindest hoffen wir sehr stark darauf. Gegenteilig hoffen wir jedoch nicht, dass sich bezüglich der Ticket-Aktionen Ähnliches abspielen wird. Wie zum Saisonende ermittelt, war es in der letzten Saison definitiv günstiger, von einer Dauerkarte in seinem Umkreis zu profitieren. Durch die Vielzahl der teils unüberlegten Aktionen, die teilweise, wie gegen Karlsruhe, an Aktionismus grenzten, wurde jedem Dauerkarteninhaber der eigentlich zugedachte Vorteil „gefühlt“ in einen Nachteil gewandelt. In jedem Fall hätte man 50-100€ sparen können als Nicht-Dauerkartenbesitzer, abhängig von der Kategorie der Plätze. Aber wollen wir an dieser Stelle mal nicht weiter nachhaken – schließlich stehen wir vor einer neuen Saison, in der vieles, wenn nicht sogar alles, nur besser werden kann.

Klömpchensklub – Fluch oder Segen?

Sportfreund Thomas S.

Wo wir gerade beim Punkt „besser werden“ sind – schlagen wir uns doch mal auf die andere Seite und werfen einen Blick auf den Verein, seine Oberen sowie auf die finanzielle Situation. Hier hat sich, im Vergleich zur sportlichen Basis, leider nicht viel getan. Es scheint, als sei man von Vereinsseite erstmal froh, die zuletzt prekäre Situation durch die aufgekommene sowie angefeuerte Euphorie verschleiert zu haben. Ein Kernthema zeigt es besser als jedes andere – der neue Trikotsatz. Ein durchaus schick gehaltenes Trikot, auf dem neuerdings der Schriftzug „Klömpchensklub“ prangt. Auf die Frage hin, ob es nun ein Segen sei, solch einen Schriftzug auf dem Trikot zu haben, oder eher ein Fluch, da man anscheinend keinen Trikotsponsor überzeugen konnte, ergab sich folgendes Bild. Vera stellt fest: „Klömpchensklub hat was – bringt nur leider kein Geld! Das fehlt nun und ist ausschlaggebend“. René sieht das ähnlich: „Sicher ist es schade wegen der fehlenden Einnahmen. Abgesehen davon ist es aber eine coole Sache“. Fritz wiederum kann der Aktion durchaus etwas Gutes abgewinnen, hadert jedoch mit der Alemannia: „Zum einen sind andere Vereine auch auf der Suche nach Haupt- bzw. Trikotsponsoren. Das darf aber kein Kriterium sein. In meinen Augen macht die Alemannia bei dieser Baustelle keine so gute Figur. Hoffen wir, dass sich bald einer findet. ‚Klömpchensklub’ als Name auf dem Trikot als Übergangslösung finde ich hingegen ganz gelungen und passender geht es auch kaum“. Thomas wundert sich gar über einen gewissen Dilettantismus: „Diese Frage sollte man besser dem Geschäftsführer der Alemannia stellen. Ist das nicht seine Aufgabe, einen Trikotsponsor zu finden? Und warum verwundert es dann nicht, dass das bislang nicht funktioniert hat? Selbstverständlich ist es bei weitem nicht so einfach für die Alemannia, einen Trikotsponsor für die 3. Liga zu finden – das war in der 2. Liga sicherlich einfacher. Dennoch gibt es schon alleine genug Potential im direkten Umfeld der Stadt Aachen“. Während Frank sich diesbezüglich sogar fragt, ob der Verein überhaupt Geld brauche, stört sich Holger an Flüchen und allem, was damit zu tun hat: „Rede hier doch nicht von einem Fluch, Aberglaube im Fußball ist weit verbreitet. ‚Klömpchensklub’ auf dem Trikot – was passt sonst besser zum Klömpchensklub? Kann also kein Fluch sein. Aber die Einnahmen fehlen. Vielleicht sind die Lager noch voll mit „Klömpchensklub“ – Trikots. Die Gerüchteküche brodelt hierzu auch ordentlich. Ich denke, die Alemannia wird bald den neuen Trikotsponsor präsentieren können“. Markus hingegen stört die Aktion – seine Meinung hierzu: „Ein wenig Selbstironie kommt national vielleicht an – ich persönlich finde es schrecklich“. Jan-Hendrik vermittelt jedoch Hoffnung und hat sicherlich nicht ganz Unrecht mit seinen Worten: „Es war ein guter Gag, der den Trikotverkauf angekurbelt hat. Aber da der Saisonstart naht, wird es Zeit, dass wir einen neuen Hauptsponsor finden. Ich finde es schade, dass die AachenMünchener ihr Engagement reduziert hat und hoffe, dass wir bald einen attraktiven Partner finden“. Letztlich hoffe auch ich, dass die Aktion in erster Linie dazu gedient hat, den Trikotverkauf erstmal richtig anzukurbeln. Einerseits hatte nun jeder die Chance, sich das Trikot für die Ewigkeit zu besorgen. Andererseits hatte die Alemannia nun aber auch genug Zeit, sich intensiv mit gewünschten oder potenziellen Sponsoren an einen Tisch zu setzen. Von daher bleibt einfach zu hoffen, dass hier bald wieder Geld für die notorisch klammen Kassen generiert werden kann. Und wer weiß – vielleicht bleibt uns der Schriftzug „Klömpchensklub“ ja sogar erhalten, wenn der neue Sponsor da ist.

Die Vereinsoberen

Sportfreund Markus

Schon einmal auf die Geschicke der Vereinsoberen angesprochen, bot es sich natürlich an, hier weiter nachzuhaken. Nun wollte ich nämlich wissen, wie zufrieden die Sportfreunde letztlich mit der Arbeit der Vereinsbosse sind. Während sich einige aus Frust und Unmut gar nicht weiter dazu äußern wollten, sprudelte es nun förmlich aus einigen heraus. Frank macht aus seinem Unmut in jedem Fall keinen Hehl: „Nicht sehr zufrieden. Unser Präsident mutiert wieder zum Alleinherrscher, der werte Geschäftsführer zeigt erneut seine ‚Qualitäten’ bei der Rückgabe der zuvor dringend benötigten 500.000 € an die Stadt und der Rest verfällt mal wieder in schulterklopfendes Schweigen“. Holger bemüht da lieber die Blume: „Ich mache es mal kurz: Zufrieden ist anders. Aber wir gehen ja in eine neue Saison, vielleicht …“. Auch bei Fritz wollen die Wolken am Horizont nicht so recht wegziehen: „Aktuell haben wir eine Aufbruchsstimmung. Mehr als 6.000 verkaufte Dauerkarten sprechen für die Unterstützung von uns Fans. Auch das Pokallos hat dazu beigetragen. Ich selber habe aber weiterhin kein Vertrauen in die Verantwortlichen, besonders in Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Mehr sage ich aber dazu nicht. Versuchen wir, die gerade positive Stimmung zu nutzen. Wichtig ist nur, dass es ein weiterhin wichtiges und kritisches Thema bleibt“. Jan-Hendrik zeigt sich indes erleichtert wegen der abgewendeten Insolvenz und lenkt den Fokus auf einen weiteren wichtigen Neuzugang: „Letztlich hat sich beim Personal ja nicht viel geändert, außer dass wir mit Uwe Scherr einen neuen Sportdirektor haben. Was das Präsidium betrifft, bin ich froh, dass es in den Verhandlungen mit Stadt und Sponsoren die Insolvenz verhindern konnte. Ich erwarte aber mehr Transparenz und Aufklärung über die Fehler der letzten Jahre“. Thomas hingegen findet sogar erstaunlich positive Worte, allerdings auch wieder zurückzuführen auf den eher sportlichen Teil der Vereinsoberen, und meint: „Meino Heyen ist aus meiner Sicht ein sympathischer und guter Mann am Ruder der Alemannia, auch wenn man nicht alle seine Entscheidungen 1 zu 1 nachvollziehen kann, aber dazu später mehr. Uwe Scherr und Ralf Aussem haben bei der Kaderzusammenstellung schon ein gutes Geschick bewiesen. Ich bin am Ende der letzten Saison bei weitem nicht von einem solchen Kader ausgegangen …“. Zum Wohle aller Beteiligten bleibt hier wohl nur eine Möglichkeit: Hoffen auf eine positive Zukunft und darauf, dass es einfach nicht schlechter wird. Das gilt zumindest für diejenigen, die sich hauptsächlich um die finanziellen Geschicke des Vereins bemühen. Dass nämlich diejenigen, die hauptsächlich für die sportlichen Geschicke verantwortlich sind, bereits jetzt, ohne ein einziges Saisonspiel absolviert zu haben, über einen solchen Vertrauensvorschuss verfügen, spricht in meinen Augen schlichtweg Bände. Wir Sportfreunde wollen aber an dieser Stelle kein Fass aufmachen und hoffen, dass es zumindest sportlich bald wieder bergauf geht – vielleicht ja sogar finanziell. Aber eines ist sicher – wir heben ganz, ganz sicher wieder den Finger und legen ihn auch gerne in die offene Wunde, wenn sie uns per Steilvorlage auf dem Silbertablett serviert wird, liebe Alemannia.

Die finanziellen Aussichten

Sportfreund Frank

Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, noch einmal die finanzielle Zukunft der Alemannia zu hinterfragen. Auf die Frage, wie diese denn aussehen könne, ergab sich leider, wie nicht anders anzunehmen, ein eher düsteres Bild. Sportfreundin Vera hierzu: „Ich sehe die finanzielle Zukunft mit einem fetten und großen ‚?’ – keine Ahnung, ob das alles so klappt, wie es sich die Herren wünschen“. René hingegen versucht sich eher mit Durchhalteparolen: „Rosig wird sie bestimmt nicht, aber ich hoffe, dass wir das zusammen mit der Alemannia hinbekommen und es nicht zu einer Insolvenz kommen muss“. Auch Jan-Hendrik versucht, optimistisch zu bleiben: „Viel hängt davon ab, ob wir bald wieder in der zweiten Liga spielen. Zu Beginn dieser Saison gibt es eine regelrechte Aufbruchsstimmung und die müssen wir nutzen. Die 6.000 verkauften Dauerkarten sind ein Vertrauensvorschuss. Wenn wir noch Jahre in der dritten Liga herumkrebsen, werden Fans und Sponsoren ihr Engagement deutlich zurückfahren“. Thomas versucht, die Varianten aufzuzeigen, die der Alemannia irgendwie Geld in die Kassen spülen könnten: „Das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass nur eine erfolgreiche Pokalsaison wirklich Geld in die leeren Kassen spülen kann. Das Spiel gegen die Gladbacher kann der erste richtige Schritt sein. Oder man spielt mit um den Aufstieg und hat das Stadion voll. Wenn beides nicht passieren sollte, wird die finanzielle Lage mit Sicherheit nicht rosiger am Saisonende“. Holger wiederum übt sich in Geduld: „Offiziell heißt es ja, dass die finanzielle Zukunft sicher ist. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Sicher ist das Papier, worauf das steht und Papier ist geduldig. Das wird noch ein steiniger Weg“. Just diesen steinigen Weg erkennt auch Fritz: „Es wird weiterhin ein harter und steiniger Weg. Ziel muss daher der schnellstmögliche Wiederaufstieg sein. Man hat jetzt – zurecht – in den Kader investiert und ich wünsche mir nichts mehr, als dass diese Rechnung aufgeht. Die Alemannia wird auf die nächsten Jahre immer finanziell klamm sein“. Wenn ich ehrlich bin, sehe ich persönlich die Lage so, wie sie Frank beschreibt: „So wie das Wetter in diesem ‚Sommer’. Durchwachsen mit arg dunklen Wolken am Horizont. An den grundsätzlichen Problemen hat sich nichts geändert; die Schulden sind noch immer da und eine nachhaltige Besserung wäre nur dann möglich, wenn der Aufstieg in Liga 1(!) gelänge“. Nun gut, wollen wir das in den Ring geworfene „weiße Tuch“ nicht mit Füßen treten. Trotzdem muss ein jeder wissen, dass es die Alemannia wohl kaum verkraften kann, auf kurz oder lang in der 3. Liga rumzudümpeln. Damit wieder Geld in die Kassen kommt, bedarf es vieler Faktoren – ein ganz wichtiger ist jedoch der des sportlichen Erfolgs. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die Euphorie aus dem Umfeld auf die Mannschaft überträgt und eine wahre Leistungsexplosion mit sich bringt. Markus fasst es ganz gut zusammen: „Da ich keine Glaskugel habe und auch keine Karten legen kann, um die Zukunft vorherzusagen, wage ich einfach mal die Aussage, dass die Zukunft fast ausschließlich vom sportlichen Erfolg abhängt. Bleibt dieser aus, heisst es ‚bye bye’“.

Frithjof Kraemer

Einen letzten Punkt konnte und wollte ich mir jedoch nicht verkneifen – und ja – das „weiße Tuch“ habe ich aufgehoben und noch mal für kurze Zeit in die Hand genommen. Wenn es nämlich um die Person Frithjof Kraemer geht, dann sträuben sich mir alle Nackenhaare und noch viel mehr. Ähnlich scheint es auch Thomas zu gehen, der auf meine Frage, ob Frithjof Kraemer gehen solle oder bleiben dürfe, folgendes zum Besten gab: „Schwierige Frage. Ich nehme mir kurz einen normalen wie mathematisch fairen Würfel, wobei die Zahlen 1 bis 6 bedeuten: ‚Er muss gehen’! Er ist und bleibt der Friedhof der Alemannia“. Mit ein bisschen Galgenhumor scheint auch Holger den Verbleib von Frithjof Kraemer zu nehmen: „Wieso haben wir keinen Sponsorvertrag mit Pattex? So wie der an seinem Stuhl klebt. Er hätte in der letzten Saison die Verantwortung übernehmen sollen und seinen Stuhl räumen müssen. Ich bleibe zum Schluss diplomatisch. Noch ein Fehltritt und er muss gehen. Und irgendwie hab ich das Gefühl, dass wir nicht allzu lang darauf warten müssen“. Das scheint auch René so zu gehen, der seine Worte „Kraemer RAUS!“ noch wesentlich unschärfer formuliert als seine Frau. Vera kennt nämlich kein Pardon: „Der sollte mal lieber seine Koffer packen und sich verp….. [von der Redaktion entschärft], der A…. [von Vera entschärft] – Kraemer raus“. Jan-Hendrik wirkt leicht zerknirscht und bemüht den von Holger angesprochenen Kleber: „An der Ausgangslage hat sich nichts geändert. Solange er die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Stadionbau nicht offensiv aufzuklären hilft, bleibt er umstritten. Es ist zu viel Porzellan zerschlagen worden, als dass man es mit ein bisschen Kleber und Zeit kitten könnte“. Fritz hingegen wünscht sich auf direktem Wege einen „besseren“ Neuanfang: „Der Vertrag sollte nicht verlängert werden. Das Vertrauen, gerade zu den Fans, ist weg. Der sportlich begonnene Neuanfang bedarf auch eines souveränen und umsichtigen Teams hinter dem sportlichen Team. Kraemer verkörpert dies in meinen Augen als Kopf dieses Teams nicht“. Markus sieht dies genauso, resigniert jedoch: „Wir als Fans müssen wohl akzeptieren, dass er weiterhin mit seiner vollen (In-)Kompetenz bei der Alemannia sein Unwesen treiben darf“. Und jetzt eine Quizfrage: Worin besteht die Kunst bei solchen Berichten? Richtig – sie beginnen und schließen mit ein und demselben Gedanken und schlagen damit einen großen Bogen. Von daher übergebe ich an Frank, der folgendes zum Besten gab: „Er darf bleiben – sprach der König… äääh… der Präsident und so wird es auch kommen. Vox populi, vox Rindvieh! Vive le roi!“. Dem ist meinerseits nichts mehr hinzuzufügen …

Nun gut – ich muss zugeben, euch jetzt elendig lang gequält zu haben. Allerdings gehe ich davon aus, dass sich ein jeder von euch, der diesen Text bis hierhin gelesen hat, dermaßen auf die neue Saison in der 3. Liga freut, dass er gerne mal ein paar Minuten mehr investiert, um sich schon jetzt mit dem zu beschäftigen, was da auf einen zukommt. Und ja – es lässt nur noch zwei verdammte Tage auf sich warten. Genau dann, am Freitag, den 20. Juli, um 20.15 Uhr ist es wieder so weit – dann eröffnet just unsere geliebte Alemannia die neue Saison auf einem für uns eher unbekannten Terrain, der 3. Liga. Lasst uns zusammenstehen, das Team und den Verein nach vorne bringen und dabei auch wieder viel Spaß zusammen haben. Wir Sportfreunde freuen uns auf die anstehenden Aufgaben und sind froh über jedes Spiel der Alemannia, das uns geboten wird. Wir werden da sein – ihr hoffentlich auch.

Steffen (Autor)

P.S.: Vielen Dank an all meine Mitstreiter, die sich die Zeit genommen haben, ein wenig mit mir zu plaudern. Ich hoffe, ihr hattet Spaß und erkennt euch wieder. 😉

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
Dieser Beitrag wurde unter 2. Liga, 2011/2012, 2012/2013, Alemannia Aachen, Allgemein, Bilder, Klömpchensklub, Kommentar, Pokal, Sportfreunde News, Tivoli abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.