„Vereine wie die Alemannia kann man nicht einfach so untergehen lassen“

Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, stand uns trotz seines vollen Terminkalenders telefonisch Rede und Antwort. Ob es daran liegt, dass Frau Keller („dem Uli seine Sekretärin“) eine Aachenerin ist, wissen wir nicht – aber man muss ihr für das Rettungsspiel am kommenden Sonntag sowie das geführte Interview (dem gesamten FC Bayern sei Dank) ein riesengroßes Dankeschön aussprechen! Vöellmoals Merci!

Vielen Dank für das Interview, Herr Hoeneß. Gleich die Frage: Wie kommt es dazu, dass der FC Bayern der Alemannia mit einem Rettungsspiel unter die Arme greift?

Hoeneß: Wir haben von einigen Vorstandsmitgliedern der Alemannia Post erhalten. Sie haben darin die Situation und das Anliegen geschildert. Ich habe dann gleich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und wir haben dann nicht lange gezögert. Bei uns sind die Wege ja kurz.

Haben Sie den Niedergang und den Abstieg der Alemannia verfolgt oder hat Sie die Situation eher überrascht?

Hoeneß: Wir haben das schon mitbekommen. Als Traditionalist ist es ja schade, solche Vereine wie Aachen untergehen zu sehen – und zu lassen. Nehmen Sie Vereine wie Aachen, Duisburg, Bochum. Was wurden da früher Schlachten geschlagen – und Vereine wie die Alemannia kann man nicht einfach so untergehen lassen.

Würde da eine bessere Vermarktung der dritten Liga nicht ein sinnvoller Schritt sein? Neben der Alemannia hat beispielsweise ja auch der VfL Osnabrück finanzielle Probleme.

Hoeneß: Bei der Alemannia hat das andere Gründe. Allerdings ist das aus der Ferne und Distanz schwer zu beurteilen. Ich verstehe es ja auch nicht, wenn der FC Bayern aus Kiel bewertet wird. Allerdings sollte man bei den ab August steigenden TV-Geldern schon überlegen, ob man der dritten Liga mehr Geld zur Verfügung stellt. Nicht, dass dem FC Bayern und Borussia Dortmund die Gegner ausgehen.

Uli Hoeneß war 30 Jahre Manager des FC Bayern, seit 2009 ist er Präsident des Rekordmeisters.

Wenn Sie einen Ratschlag geben müssten, wie würde dieser aussehen?

Hoeneß: Es müssen Kräfte gebündelt werden und sinnvoll gearbeitet werden. Die Region, die Stadt und die Fans haben ja Potential. Dies muss man jetzt gewinnen und bündeln. Ich glaube schon, dass die Alemannia das schaffen kann. Es gibt ein klasse Stadion, das auch gegen uns immer ausverkauft war. Eine tolle Stimmung – das schreit alles nach Fußball.

Werden wir Sie also am Sonntag im Stadion begrüßen können?

Hoeneß: Leider nicht! Ich habe schon vor sehr langer Zeit einer Podiumsdiskussion mit Herrn Dobrindt (Anmerkung der Red.: geschäftsführender Generalsekretär der CSU) zugesagt. Er hat über 500 Gäste eingeladen und da muss ich fairerweise sagen, dass ich solch eine Veranstaltung nicht mehr absagen kann. Aber die Mannschaft wird komplett da sein und darum geht’s ja auch.

Wir hätten jetzt eher an ein Treffen mit Josep „Pep“ Guardiola gedacht. Diese Meldung hat ja gestern für reichlich Aufsehen gesorgt. Würden Sie ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern? Ist ja eines der ersten Interviews nach der Verpflichtung des Trainers …

Hoeneß: Wir halten es bei dieser Verpflichtung bewusst ruhig. Noch haben wir ja mit Jupp Heynckes einen super Trainer, der auch noch bis zum Saisonende unsere Ziele verwirklichen will. Bis dahin wollen wir keinen unnötigen Druck ausüben.

Guardiolas Verpflichtung setzt dennoch ein Zeichen für Deutschland und die Bundesliga.

Hoeneß: Absolut! Es setzt ein deutliches Zeichen – vor allem, wenn er bei anderen Clubs, wie beispielsweise Chelsea, sogar deutlich mehr Geld hätte verdienen können. Das ist, denke ich, ein deutliches Signal – auch an Europa.

Vielen Dank Herr Hoeneß und weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

Noch ein paar nützliche Hinweise zum Spiel:

  • Sport1 überträgt die Partie ab 13:15 Uhr live
  • Die Alemannia hat mitlerweile bekanntgegeben, dass Unterstützung sowohl telefonisch, als auch per SMS erfolgen kann. Weitere Infos hier »
  • Wer noch näher dran sein will beim Rettungsspiel, kann bei drei Auktionen der Alemannia als Höchstbietender einen Platz auf der Bank der Alemannia oder die Möglichkeit mit den Mannschaften aus dem Spielertunnel ins Stadion einzulaufen (und den Anstoß zu der Partie auszuführen) ersteigern. Hier gehts zu den Auktionen »
  • Für diverse Aktionen und ggf. auch der Schneeräumung werden Helfer gesucht. Am besten die Webseite der Alemannia im Auge behalten. Mehr Infos »
  • Die Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-klubs e.V. ruft in einer Aktion alle Fans nach dem Spiel auf um ein gemeinsames Zeichen zu setzen. zur Mitteilung der Fan-IG »

Zwanzig Minuten nach dem Abpfiff treffen wir uns auf der Gegentribüne (Block O3/O4), um zusammen ein großes Foto zu machen. Auf diesem Foto werden wir uns alle mit Spruchbändern und unseren Fahnen und Schals positionieren: “Gewaltfrei. Demokratisch. Alemannia-fanatisch. Wir sind die 99%.” lautet dabei das Motto.
Parallel zur Veröffentlichung dieses Fotos soll dann eine gemeinsame Erklärung herausgegeben werden, deren Entwurf im Anhang zu finden ist.

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
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