Sieg oder Niederlage ?

Nein, das hier ist kein Vorbericht. Doch auch weit mehr als 90 Minuten nach dem Anpfiff des Derbys gegen die Düsseldorfer Fortuna fällt die Antwort schwer. Aber der Reihe nach.

Den desolaten Saisonstart unserer Alemannia konnte ich auch im fernen Bremer Job-Exil nicht übersehen. An diesem Wochenende gab es Heimaturlaub und damit endlich wieder einmal die Möglichkeit, Schwarz-Gelb hautnah und nicht nur im Live-Ticker oder -Stream verfolgen zu können. Immerhin gab es gleich auch was zu feiern – Sportfreund Steffen hatte Geburtstag; nochmals herzlichen Glückwunsch!

Der Weg ins Stadion führte vorbei am alten Tivoli, von dem zu meiner Freude noch mehr stand, als ich erwartet hatte. Der Wildwuchs, der sich auf den Resten des altehrwürdigen Kastens ausgebreitet hatte, passte allerdings zur spürbaren Untergangsstimmung.

Dennoch war die Vorfreude groß – mit Fortuna Düsseldorf kam schließlich ein extrem attraktiver Gegner. Seltsam: Je näher wir dem Stadion kamen, desto größer wurde die Hoffnung. Die Hütte war eine Stunde vor Beginn schon gut gefüllt, Rot-Weiß besetzte zudem einen Großteil der Nordkurve. Knapp 24.000 Zuschauer sollten es schließlich werden.

Vor dem Spiel zeigte eine intensive Choreographie der gesamten Südkurve, dass die Ränge Kampf erwarteten. Ob Kevin Kratz den Wunsch erfüllen wollte, musste offen bleiben – kurz vor dem Anpfiff musste der Mittelfeldmann seinen Platz verletzt für Benny Auer räumen. Wer aufgepasst hat, weiß damit: Auer war nicht für das Spiel von Beginn an eingeplant. Stiepermann sollte eigentlich als einzige Sturmspitze agieren. Den Test dieses Systems musste Peter Hyballa also auf das nächste Spiel verlegen – wenn er denn noch darf.

Anpfiff und ab dafür – Aachen mit Waterman im Kasten, davor Achenbach, Feisthammel, Ola und Erb. Sibum mit Junglas im defensiven Mittelfeld, Fardi und Stiepermann auf den offensiven Außen und – sehr erfreulich – Yabo mal von Beginn an auf der Zehn. Ganz vorne sollte sich Auer im Strafraum eingraben.

Von Beginn an war ordentlich Dampf im Aachener Kessel – beide Mannschaften fighteten mit Leidenschaft, hüben wie drüben gab es gut was auf die Socken – beste Derbystimmung! Torchancen ließen auf sich warten, dafür machten in den ersten Minuten zwei besondere Akteure des Nachmittags auf sich aufmerksam: Zum einen der Düsseldorfer Sascha Rösler, zum anderen Schiri Felix Brych. Während Rösler offenbar schwer an Fallsucht und Glasknochen erkrankt war, zeigte Brych sein musikalisches Talent. Der Mann in Schwarz flötete häufiger, als die Kapelle beim Karnevalszug, hatte aber wohl Notenheft statt Regelbuch eingepackt. Wer fiel, bekam quasi automatisch ein Foul zugesprochen und was die Vorteilsregel bedeutet, muss Brych besser nochmal nachschlagen.

Sei‘s drum, Alemannia gab Gas, wirkte aber leider oft unbeholfen und unschlüssig, Abschlüsse suchte man vergeblich. Stiepermann kam zwischendurch mal zum Schuss, der noch abgefälscht wurde. Immerhin: Die Fortuna machte es nicht besser und fiel zudem durch einige überhitzte Aktionen unangenehm auf. Jens Langeneke etwa ging Stiepermann energisch an, weil der ihn beim Wegschlagen des Balles mit dem Arm getroffen hatte. Mit Gelb war Langeneke dann noch gut bedient, zudem bot die anschließende Rudelbildung einige Unterhaltung. Dass das Spiel schließlich ohne Platzverweis beendet werden würde, war zu diesem Zeitpunkt kaum zu glauben.

Gerade, als der Alemannia das undankbare Zeugnis „stets bemüht“ ausgestellt werden sollte, kam nochmal Bewegung rein. Reinhold Yabo, der bis dahin gut gerackert hatte, kam von rechts zum Schuss und zielte nur um Haaresbreite links am Tor vorbei (38.).

Dann folgten die fünf Minuten des Benjamin Auer – der Auer, der zuvor den kläglichen Elan einer Tipp-Kick-Figur an den Tag legte. Stehend klappt es aber immer noch am besten. Seinen Kopfball nach einer Ecke fischte Fortuna-Keeper Ratajczak in höchster Not noch aus der linken unteren Ecke (40.). Kurz danach nochmal Auer – von Stiepermann hervorragend in den Strafraum geschickt, ermöglichte sein geringes Tempo einem Düsseldorfer Verteidiger, sich noch in den Schuss zu werfen. Benny Auer und die Entdeckung der Langsamkeit – schade!

Den Schlusspunkt von Hälfte Eins setzte dann die Fortuna. Im Gegensatz zu den vorherigen Spielen, in denen die Aachener vorne die Kiste nicht machen und sich dann plötzlich einen einfangen, knallte der Schuss des wuseligen Düsseldorfers Beister nur gegen den Querbalken, statt einzuschlagen.

Kurz darauf bließ Schiri Brych mal wieder die Pfeife – Halbzeit! Durchatmen! Ärgern! Da war mehr drin – und die Alemannia braucht den Dreier so dringend wie lange nicht mehr. Andererseits war Düsseldorf seit 13 Spielen ungeschlagen. Genug gegrübelt – weiter geht’s!

Leider gab es in den zweiten 45 Minuten wenig Berichtenswertes, erst recht nicht von Schwarz-Gelb. Felix Brych hatte übrigens inzwischen entschieden, in Hälfte Eins genug gepfiffen zu haben und blieb nun recht häufig stumm.

So auch nach einer knappen Viertelstunde – Düsseldorfs Bröker sprang mit gestrecktem Bein aus vollem Lauf in eine Flanke von rechts und rammte Waterman die Stollen in den Wanst, der Ball tischte gegen den linken Pfosten. Was eigentlich abgepfiffen gehörte, lief einfach weiter und hätte Feisthammel das Leder nicht einen Hauch vor einem einschussbereiten Fortunen geklärt, wäre aus der Frechheit auch noch ein Tor geworden.

Der Fairness halber sei aber auch erwähnt, dass Brych diese Scharte vielleicht wieder auswetzen wollte, als er den Düsseldorfern in den Schlussviertelstunde einen Elfer verwehrte, über den sich niemand hätte beschweren können. Vor allem nicht Mario Erb, der unbeholfen in Beister rutschte, von ihm dabei getunnelt wurde, den Düsseldorfer aber auch zu Fall brachte. Tat aber auch mal ganz gut, etwas Glück zu haben.

Das fehlte Erb dann etwas später nach einer Ecke – sein Drehschuss kam zwar aufs Tor, hatte aber genauso wenig Druck, wie die Versuche von Stiepermann und dem für Auer gekommenen Sergiu Radu. Insgesamt geschah nicht mehr viel. Die Alemannia stolperte sich häufig über den Platz, halbhohe Bälle nahmen Tempo raus, über Außen kam wenig. Die linke Seite belebte Uludag zwar zum Schluss ein wenig mehr, fand aber auch kaum Abnehmer. Trauriger Höhepunkt: ein Seitenwechsel rüber zum Linienrichter – wer da gestanden haben soll, weiß Uludag sicher selbst nicht.

Allerdings kam von Rot-Weiß auch nicht mehr allzu viel, außer dem ein oder anderen Gemecker – allen voran Sascha Rösler, der nach fast jedem Kontakt scheinbar kurz vor der verletzungsbedingten Auswechslung stand, wenn er nicht gerade noch einen Kreuzbandriss in der Zunge vermeiden konnte. Schiri Brych hatte dann auch zum Schluss keine Lust mehr und ließ die angekündigten zwei Minuten Nachspielzeit um einiges schneller verstreichen.

Schlusspfiff für ein intensives, aber leider torloses Derby, das am Ende Fragezeichen stehen ließ. Ich selbst war froh, endlich mal wieder im Tivoli gewesen zu sein, hätte mir aber natürlich mindestens ein Tor für Aachen gewünscht – und das wäre ja (mal wieder) durchaus drin gewesen. Aber die größte Frage blieb unbeantwortet: Wie ist dieses 0:0 denn nun zu werten? Düsseldorf war kein leichter Gegner und nicht ohne Grund im oberen Bereich der Tabelle zu finden. Andererseits schmerzt jede weitere Minute ohne Sieg und bis zur 40-Punkte-Marke fehlen noch satte 38 Zähler.

Was wir heute gesehen haben, muss jeder für sich bewerten. 0:0 gewonnen oder 0:0 verloren? Ich verschiebe die Antwort auf die nächsten Wochen.

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  • Ganz starker Bericht! Der Patrick sollte mal was in Richtung Journalismus machen! 😉

    • Steffen

      Wäre wohl nicht sooo verkehrt … 😀

  • Steffen

    Übrigens: Im Video der Choreo kann man sehen, wie René die Treppen hochstapft, wenn man sich daran erinnert, dass er einen gelben Pulli an hatte! 😉

  • Thomas Stommen

    Ich hab René auch entdeckt 😉 Die Choreo war ja tatsächlich sehr gut!!! Im Block hat man das aus meiner Sicht bei weitem nicht so gut mitbekommen.
    Um  auf Patricks Bericht zurück zu kommen:
    Ich denke, dass das 0 zu 0 in der momentanen Situation eher einer Niederlage gleich kommt. Aus meiner Sicht muss die Alemannia einfach ein bis zwei neue Spieler holen (David Odonkor würde ich übrigens sehr begrüßen), denn sonst muss man wohl am Ende der Saison den bitteren Gang nach unten gehen. Steffen und ich waren uns nach dem Spiel einig, dass wir uns momentan (Stand: Samstag 27. August 14:55 Uhr) in einer „Abstiegssaison“ befinden…