Quo vadis, Alemannia?

Ebenjene Frage stellt sich aktuell ein jeder von uns, der auch nur ansatzweise etwas mit der Alemannia zu tun hat. Sportlich wurde der rote Faden bereits zum Ende der letzten Saison verloren und konnte bis zum heutigen Tag nicht wiedergefunden werden. Dies nimmt vor allem durch die zwischenzeitliche Zuspitzung der finanziellen Lage dramatische Züge an. Jedem sollte klar sein, dass die Alemannia in argen Problemen steckt. Hierzu habe ich mich mal bei uns Sportfreunden umgehört und versucht, eine Art Meinungsbild zu kreieren. Von Mustafa Denizli über das virtuelle Managerspiel bis hin zu Liga 5 war alles dabei.

Einen Artikel mit dieser Überschrift hatte ich eigentlich schon lange im Voraus geplant. Dass der Anlass, aus dem gerade dieses Werk nun den Namen erhalten hat, ein ganz anderer war, kommt nicht von ungefähr. Auch Sportfreunde-Präsident Sisi hat sich diese Frage gestellt und dabei auf das bereits erwähnte Managerspiel verwiesen.

"Sisi"

Hierzu sagt er: „Wenn ich im Augenblick an die Alemannia denke, erinnere ich mich an ein altes Fußballmanagerspiel, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Nach jedem Spieltag gab es den obligatorischen Kicker, der große Schlagzeilen brachte. Steckte ein Club mal so richtig in der Krise, dann prangte dort ein großes Bild mit der Überschrift ‚Quo vadis?’ auf dem Bildschirm“. In der Tat muss man sich aktuell fragen, wohin der Weg der Alemannia tatsächlich führen wird.

Knapp zwei Monate ist es nun her, dass ich selber im Stadion dabei sein oder aber einen Bericht zum Gebaren der Alemannia verfassen konnte. In der Zwischenzeit war ich sogar in Kanada und habe dort trotzdem um 7Uhr früh am Handy gehangen und jede Zeile des Livetickers verfolgt. Wie allseits bekannt ist, hat es leider rein gar nichts gebracht. Sportlich brachten fünf Spiele ganze drei Punkte ein, während die finanzielle Schieflage in der Zwischenzeit nun endgültig nach außen getragen und mit Pauken und Trompeten verkündet wurde. Was sagen nun die Sportfreunde zur aktuellen Lage und wie sehen sie die Zukunft des Vereins?

René

Beginnen möchte ich an dieser Stelle mit der finanziellen Lage des Vereins. Für Sportfreund René kommt die aktuelle Lage nicht überraschend. Er meint: „Nichts, was einen überrascht oder was sich nicht schon lange angebahnt hat. Das neue Stadion bzw. die Finanzierung brechen dem Verein den Hals“. Er geht sogar noch weiter und fordert gar die Entlassung derer, die von den „Schuldigen“ noch übrig geblieben sind.

Frank

Auch Sportfreund Frank sieht die Lage überaus kritisch, verfügt aber über einen wesentlich größeren Erfahrungsschatz. Er sagt: „Mein Verein lebt seit gefühlten Ewigkeiten am finanziellen Abgrund. Allerdings wurde es nun endlich geschafft, diesen einen Schritt weiter zu gehen.“ Auch er sieht die Schuld bei den Vereinsoberen, u.a. bei „den guten Kaufleuten, dem ehemaligen Bürgermeister, den Bankern, Steuerberatern und all denen, die dafür verantwortlich sind, dass der Verein dieser Tage von der finanziellen Last erschlagen wird“. Generell hört man über das finanzielle Gebaren der Alemannia nichts Gutes.

Thomas St.

Sportfreund Thomas erinnert sich in einem Atemzug gar an „den ominösen Geldkoffer und einen Präsidenten, der sich in der Vergangenheit nach Kanada abgesetzt hat“. Ihm macht besonders ein Umstand zu schaffen: „In den letzten Jahren wurden von der Führungsspitze der Alemannia einige dubiose Entscheidungen bis hin zu klaren Fehlentscheidungen getroffen. Dies ist durchaus nicht unüblich für einen Fußballverein, aber die Vielzahl sollte einem doch zu denken geben“. Er verweist noch mal ganz deutlich auf das Thema Stadionfinanzierung: „Anbei nur das Beispiel Stadionfinanzierung. Wie kann man denn schon nach zwei Jahren feststellen, dass die Finanzierung auf sehr wackligen Beinen steht? Hat man sich da vielleicht vorher alles ‚schön gerechnet’?“.

Auch Präsident Sisi macht aus seinem Unverständnis keinen Hehl: „Die Verantwortlichen weisen nur alle Schuld von sich und argumentieren, dass die Probleme schon da waren, als sie sich dem Verein angeschlossen haben. Dort seien bereits alle Probleme vorhanden gewesen, entsprechend lang im Voraus und irreversibel entschieden“. An dieser Stelle sei kurz auf eine Zeittafel von Sportfreund Fritz verwiesen, die sehr anschaulich vor Augen führt, wie der Verein mit dem Neubau des Tivolis umgegangen ist und wie sich die Verantwortlichen währenddessen verhalten haben.

Markus

Die Sportfreunde Fritz und Markus hingegen verweisen auf einen weiteren Zusatz, der für sehr viel Unverständnis sorgt und auf eine gefühlt unüberbrückbare Distanz zwischen Vereinsoberen und Fanschar deuten lässt. Markus hierzu: „Entsetzt bin ich über den miesen Umgang mit den Fans, welche bei gewissen Aktionen eher wie Kunden behandelt werden“.  Auch für Fritz ist es unverständlich, dass „Verein und GmbH weiterhin von Kunden und nicht von Fans sprechen“. Das alles zeichnet einfach kein gutes Bild und gibt denjenigen, die Woche für Woche viel Geld und Herzblut für die Alemannia investieren, Anlass zum Nachdenken.

Paul

Sportfreund Paul fasst die Situation sehr gut zusammen und schafft in einem den Bogen zum sportlichen Bereich: „Die jetzige Situation hängt seit dem Stadionneubau über dem Verein wie ein Damoklesschwert. Ein teurer Bau, eine ungünstige Finanzierung, kein Geld für teure Spieler. Das konnte nicht allzu lange gut gehen. In den letzten Jahren hatten wir immer mal wieder Glück mit Neuzugängen und eigenen Talenten. In diesem Jahr kommt leider einiges zusammen: Neuzugänge zünden nicht, frühes Pokalaus nach schwerem Los, Verletzungen, allgemeiner Abwärtsstrudel und Verunsicherung“.

Während sich eigentlich alle Sportfreunde bei den finanziellen Fragen einig waren und eigentlich kein gutes Haar an den Verantwortlichen gelassen haben, gehen die Meinungen bezüglich des sportlichen Bereichs enorm auseinander. Beginnen wir einfach mal beim Trainer. Als ich im September nach Kanada geflogen bin, habe ich Aachen noch mit der Frage verlassen, wer sich denn überhaupt einem solchen Kader annehmen könne. Jung, dynamisch, ausbaufähig … verunsichert, eingeschüchtert, außer Form. Die Liste wäre beliebig erweiterbar. Nun komme ich zurück und musste in der Zwischenzeit vernehmen, dass Peter Hyballa scheinbar aufgrund eines Mannschaftsvotums entlassen und Friedhelm Funkel als Feuerwehrmann mit Erfahrung eingestellt wurde. Das Adjektiv „konsterniert“ beschreibt meinen Zustand wohl am ehesten …

Vera

Sportfreundin Vera über Funkel: „Ich glaube auch, dass Funkel nicht wirklich der richtige Trainer ist. Von einem abstiegsbedrohten Verein zum nächsten halte ich für keine gute Lösung“. Sportfreund Udo geht sogar noch weiter und erinnert sich: „Diese Situation bei der Alemannia erinnert mich doch stark an die Saison, als mit Mustafa Denizli ein erfahrener türkischer Trainer nach Aachen geholt wurde. Probiert wurde alles, doch genutzt hat es nichts. Der Abstieg konnte nicht mehr verhindert werden“. Ihn würde es auch nicht wundern, „wenn nach der Winterpause sogar noch der dritte Trainer der laufenden Saison bei der Alemannia vorstellig wird“.

Udo

Sportfreund Jan hingegen begrüßt die Einstellung Funkels als Trainer und meint: „Entgegen vieler Meinungen bin ich davon überzeugt, dass unser Trainer Friedhelm Funkel eine gute Wahl war“. Er sucht die Schuld für die sportliche Talfahrt eher an anderer Stelle: „Im Spiel der Alemannia fehlen mir Überraschung und Kreativität. Das ganze Aufbauspiel wirkt statisch und ist viel zu langsam. Die Flügel werden zu wenig eingesetzt und gerade das wäre wichtig für das Füttern der Stürmer Auer, Radu und Stiepermann“. Darüber hinaus findet er es „schade, dass Spieler wie Fabian Bäcker, Daniel Engelbrecht oder Lennart Hartmann keine Chance bekommen“. Ihm nach „könnten gerade diese Spieler für neue Impulse sorgen“.

Jan

Damit wären wir dann auch endgültig beim Team der Alemannia angekommen. Sportlich hält die Talfahrt auch dort an und zuletzt musste gar der erste Dreier der Saison in Dresden noch aus der Hand gegeben werden. In der 93. Minute kam Dynamo schließlich noch zum Ausgleich durch Pavel Fort, was in Aachen für große Ernüchterung sorgte. Wäre dieser Dreier doch so enorm wichtig gewesen …

Sportfreund Markus ist gar „entsetzt über die desolate sportliche Leistung im bisherigen Saisonverlauf“. Gleichzeitig hofft er aber, wie wahrscheinlich alle Anhänger der Alemannia, dass „die Mannschaft unter dem neuen Trainer endlich wieder in die Erfolgsspur zurückfindet und den letzten Platz im Lauf der Saison verlassen kann“. Sportfreund Frank muss ebenfalls festhalten, dass „die Mannschaft sportlich total enttäuscht“. Wie hoffentlich alle von uns Sportfreunden würde er aber auch „in Liga 5 ins Stadion gehen“. Mehr noch sieht er „darin eine Chance, mit dem Verein dort neu beginnen zu können“.

Noch spielt der Verein allerdings zweitklassig und das soll nach Möglichkeit auch weiterhin so bleiben. Niemand von uns verschließt seine Augen, aber hoffen darf man zum aktuellen Zeitpunkt allemal. Sportfreund Paul hierzu: „Ausblickend hoffe und bange ich mit der Mannschaft und natürlich um den Verein. Denn ein Abstieg ist wohl finanziell kaum aufzufangen. Ich glaube aber immer noch an eine Wende in der Saison. Vor allem, wenn sich ein Team findet, welches Schritt für Schritt macht, in dem Verletzte (Hadouir, Waterman, Müller) oder scheinbar Aussortierte (Demai, Stehle) wieder Leistung bringen“.

Sportfreund Thomas hingegen blickt weniger positiv in die Zukunft: „Die bisherige Saison ist überschattet von vielen skandalösen Spielen, aber nicht, weil die Schiedsrichter Spiele verpfeifen, sondern weil die Spieler teilweise unterirdische Leistungen auf dem Platz darbieten. Erinnert sei nur an die Spiele gegen den FSV Frankfurt und bei Union Berlin. Es wird sehr schwer werden, die bislang desolate Saison noch zu kippen und den drohenden sportlichen Abstieg noch zu vermeiden“.

Während René indes noch „auf das Beste und 40 Punkte“ hofft, sieht Sportfreundin Vera die Situation ähnlich wie Thomas: „Ich denke, dass es sehr knapp wird, den Klassenerhalt zu schaffen. So, wie die Mannschaft die Punkte liegen lässt, sind wir nächste Saison in Liga 3 oder in Liga 5“.

Andy

Was bleibt uns Fans da eigentlich noch übrig, wenn die Prognosen für die Zukunft eher mau aussehen? Durchhalteparolen? Tatkräftige finanzielle Unterstützung? Ewiges Beklagen? Schwarzmalerei? Mitnichten, wie Sportfreund Andy verdeutlicht: „Dass man sich über die Zukunft Gedanken macht, ist verständlich und auch notwendig. Doch meiner Ansicht nach sollte man die Energie, mit der man sich über die momentane Situation ergötzt, (zum großen Teil) lieber dazu nutzen, die Mannschaft zu unterstützen. Auch wenn die Saison nicht mehr ganz so jung ist. Es bringt niemanden weiter, den sprichwörtlichen Kopf in den Sand zu stecken. Wer eh davon ausgeht, dass die Alemannia am Saisonende absteigt, der sollte sich das Geld für die Tivolitickets lieber sparen“.

Fritz

Support ist also ein wichtiges Thema. Diesen sollten wir dem Verein, in welcher Art auch immer, sowie der Mannschaft nicht verwehren. Auch Sportfreund Fritz ist sich sicher: „Die aktuelle Situation ist sehr schwierig, dennoch sollten wir weiterhin hinter Mannschaft und Verein stehen“. Allerdings spricht er im gleichen Atemzug ein Thema an, dass aktuell rund um die Alemannia und besonders am Tivoli für Gesprächsstoff sorgt: „Außerdem hoffe ich, dass sich die beiden Ultragruppen darauf besinnen, dass der Verein im Vordergrund steht und nicht die Selbstinszenierung – egal, auf welche Art und Weise“. Leider ist es wirklich schwierig geworden, einen geordneten Heimsupport auf die Beine zu stellen, wo sich doch mittlerweile zwei Stimmungspole auf der Südtribüne herausgebildet haben.

Alles in allem besteht leider genug Anlass für dunkle Zukunftsprognosen. Dennoch ist es meiner Meinung nach noch nicht an der Zeit, hier mit Durchhalteparolen anzufangen. Elf Spieltage sind rum und das Einzige, was Sorgen bereitet, sind die finanziellen Probleme im Hintergrund. Sportfreund Markus in jedem Fall gibt sich hoffnungsvoll und traut der Stadt Aachen durchaus zu, „dass der Verein auch dann finanziell unterstützt wird, wenn es um die Lizenz bei einem weit in der Ferne liegenden Klassenerhalt geht“. In der Tat hängt man dieser Tage vermehrt an den Lippen der Stadtoberen, um evtl. ein paar Worte zu erhaschen, wie es denn bezüglich der Umfinanzierung der Schulden des Vereins weitergeht. Blöd nur, dass die Stadt kürzlich erst selber an einem Nothaushalt vorbeigeschrammt ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt einsieht, dass der finanzielle Schaden ohne die Alemannia für Stadt und Region zu groß wäre, und schnell für eine allgemein vertretbare Lösung sorgt.

Sportfreund Paul bringt es wiederum passend auf den Punkt: „Wer damit gerechnet hat, dass wir mit dem neuen Stadion direkt jahrelang erfolgreichen Fußball sehen werden, der hat auf den Jahreshauptversammlungen nicht richtig zugehört. Das Zwiebelportemonnaie wird uns noch ein paar Jahre lang verfolgen. Und dem alten Tivoli hinterhertrauern, das wird uns nichts bringen – wir haben nun ein modernes Stadion und müssen das Beste daraus machen“.

Im Zuge des bald anstehenden 1000. Zweitligaspiels gegen den MSV Duisburg hat Sportfreund Thomas immerhin noch einen kleinen Trostspender parat: „Immerhin sind wir die stolze Nummer 1 in der ewigen Tabelle der zweiten Liga“.

„Und egal, was kommt“, meinen die Sportfreunde Thomas und Udo, „Dat is än blievv deä selve Klömpchensklub!“. Wir Sportfreunde stehen zur Alemannia, gehen am Sonntag wieder geschlossen ins Stadion und supporten den Verein, wo es uns möglich erscheint. Auf dass gegen Ingolstadt die so wichtige sportliche Wende eingeleitet werden kann.

Steffen (Autor)

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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