Mit der Einstellung steigt man ab!

Alemannia: droht der Abstieg?

Es war einmal ein schöner Winterabend in Aachen, volle Straßen, schwarz und gelb, wo man nur hinsah und eine euphorische frühweihnachtliche Stimmung. Der neue Tivoli erstrahlte im vollen Glanz und war ausverkauft bis auf den letzten Platz. Eine Stimmung wie im Hexenkessel und ein Spiel, an das man sich wohl noch lange Zeit erinnern wird.

Knapp zehn Monate später: Derselbe Ort, das Wetter ist sommerlich warm, eine Wolke sucht man vergeblich am Himmel und die Sonne lacht, das hört sich doch gut an. Aber was ist mit den Straßen? Schwarz und gelb, wohin man sieht? Der neue Tivoli ausverkauft und eine Stimmung wie im Hexenkessel? Euphorie? Es hat sich doch so einiges verändert. Das Stadion ist nicht mal halb gefüllt, Euphorie bringen in Aachen höchstens noch die Gegner mit und so richtig schwarz und gelb ist Stadion auch nur, weil ein kluger Mitarbeiter die Sitze in diesen Farben bestellt hat. Manch einer ist eher grün und blau vom vorherigen Heimspiel, aber das hat andere Gründe.

»Wie konnte es denn nur so weit kommen?«, mag man sich da fragen. Nun die Antwort ist leicht und in sämtlichen Meiden zu finden. Der ein oder andere hat sie sogar an der Wand hängen, mit 18. Plätzen und 18. kleinen Vereinsemblemen, die zu den 18. Plätzen gehören. Das Logo der Alemannia ist auch dabei und zurzeit regelmäßig ganz unten zu finden. Das kommt auch leider nicht von ungefähr, wenn man in neun Spielen nur vier Punkte holt und nur ein Tor schießt.

Nun kam zum 10. Spiel eine Art Lieblingspunktelieferant an den Tivoli: Der FSV Frankfurt. „Ungeschlagen“ war die Alemannia bislang gegen diesen Verein und wenn man an das letzte Jahr zurück denkt, wird man sich daran erinnern, dass eben gegen diesen FSV Frankfurt der Knoten platzte, als man nach 0:1 Rückstand noch 3:1 gewann. Die Hoffnung, gegen Frankfurt den ersten Dreier der Saison einzufahren, war dementsprechend groß und sollte sich in der ersten Halbzeit noch steigern. Aber der Reihe nach…

Trainer Friedhelm Funkel bevorzugte bei seiner Heimpremiere ein 4-4-2 System mit der sogenannten Doppelsechs und rotierte zusätzlich noch kräftig durch. So hütete David Hohs für den verletzten Boy Waterman das Tor, während in der Viererkette erneut Jonas Strifler ran durfte. Die Doppelsechs bildeten Kratz und Sibum und auf Außen erhielten Yabo und Uludag den Vorzug vor Odonkor und Stiepermann. Letzterer stand gar nicht erst im Kader. Das Sturmduo wurde dementsprechend von Radu und Benny Auer gebildet. Funkel sorgte damit für die eine oder andere Überraschung, gerade auch, weil zuletzt stark aufspielende Alemannen wie Fardi oder Odonkor auf der Bank Platz nehmen musste. Für die Fans hingegen hatte die Alemannia noch ein besonderes „Schmankerl“ parat. So sollten einige Spieler, die nicht eingesetzt wurden, sich zu den Fans gesellen. Nicht weit entfernt von den Sportfreunden verfolgten beispielsweise die Herren Casper und Demai das Spiel.

Die Partie selbst war dann leider wenig aufregend. Frankfurt stand von Beginn an kompakt in der eigenen Hälfte und die Alemannia zeigte viel zu wenig Bewegung in Offensive. Dementsprechend gehörte die erste Chance den Frankfurtern, die nach einer flachen Hereingabe von links um ein Haar das 0:1 erzielten. Aachen versuchte es hingegen immer wieder mit langen Bällen, die aber nur selten für Gefahr sorgten. Die Alemannia wurde nur durch Standartsituationen halbwegs gefährlich. Genau eine solche Standartsituation sollte dann auch für das erhoffte Erfolgserlebnis sorgen. Alper Uludag lupfte einen Freistoß aus gut 35 Metern in den Strafraum, wo Tobias Feisthammel sich in die Luft schraubte und mit dem Rücken zum Tor stehend zum 1:0 traf. Das Tor sorgte für eine wahre Stimmungsexplosion auf den Rängen und Erleichterung machte sich breit.

Wie oft hatte man in den letzten Wochen auch hören dürfen, dass man einfach mal ein Dreckstor brauche, damit der berühmte Knoten platzte. Jetzt war also so weit, oder doch nicht? Das Tor sorgte leider nicht für den erhofften Leistungsaufschwung, denn die Alemannia agierte nun weder aggressiver, noch gefährlicher als zuvor. Dass es mit dem 1:0 auch in die Pause ging, war dann auch eher weniger verwunderlich und trotzdem die Stimmung war gut und da war sie wieder, diese Euphorie. Leider half die Führung nicht zur gewünschten Leistungsexplosion in der zweiten Halbzeit. Im Gegenteil, die Alemannia machte obendrein auch noch haarsträubende Fehler. So war es in der 53. Minute Sergiu Radu, der an der Mittellinie den Ball verlor und den FSV zum Kontern einlud. Frankfurt spielte über zwei Stationen den Ball in die Spitze und Christantus netzte mit einem platzierten Flachschuss ein.

Funkel reagierte und brachte Odonkor für Yabo. Dieser Odonkor war es auch, der kurze Zeit später die Führung auf dem Fuß hatte. Nach einem unübersichtlichen Gestochere im Frankfurter 16er kam der Ball zu dem kleinen Flügelflitzer, der sofort Abzog. Seinen Schuss aus kurzer Distanz konnte FSV-Keeper Patrick Klandt allerdings zur Ecke abwehren. Es sollte die letzte gute Aachener Offensivaktion sein, denn in der 62. Minute, sorgte erneut Christantus für blankes Entsetzten bei den Schwarz-Gelben. Nach einem Freistoß von außen, durfte der Frankfurter Stürmer frei stehend aus fünf Metern einköpfen. David Hohs war hierbei völlig machtlos und konnte dem Ball nur hinterher gucken. Wer nun mit einer Aachener Trotzreaktion gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Die Alemannia die zuvor schon ein schwaches Spiel gezeigt hatte, gab nun vollständig auf. Kein Kampf, keine Leidenschaft, kein Wille. Da half es auch nicht, dass die Fans nun skandierten: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“ Aachen ergab sich schlichtweg in die Niederlage und kassierte zehn Minuten vor Schluss auch noch das 1:3.

Zu diesem Zeitpunkt waren die zur moralischen abkommandierten Spieler schon längst von den Rängen verschwunden. Auch die Fans hatten ihren Schockzustand  überwunden und kommentierten die unverschämte Leistung ihres Teams mit Schmährufen. Ein Verhalten, dass angesichts der unterirdischen Vorstellung der Aachener Mannschaft nur allzu verständlich ist. Doch leider übertrieben es (mal wieder) einige und reagierten aggressiv. Die Ordner waren nun gefordert, da einige sogenannte Fans das Spielfeld stürmen wollten, während im Fanblock gleichzeitig Rauchbomben gezündet wurden. So trugen auch einige Fans zum Trauerspiel auf dem Rasen bei. Was bleibt, ist Ernüchterung. Mal wieder ein Spiel ohne Sieg, da tröstet auch der Torerfolg wenig. Traurig ist vor allem, wie die Mannschaft verliert. Ohne Herz und Leidenschaft, ohne Kampf und Wille. Und nach der Zeit der hoffnungsvollen Worte und der Beteuerungen, dass der Knoten schon platzen wird, muss man sagen: Es wird Zeit Alemannia, denn mit so einer Einstellung steigt man ab!

Über Sisi

Christopher alias "Sisi" ist seit der Gründung im Dezember 2009 Fanclub-Präsident.
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