Jetzt aber!

Es ist endlich an der Zeit, sich zu den aktuellen Geschehnissen rund um die Alemannia zu äußern. Zuletzt hatten wir uns bewusst „aus dem Rampenlicht entfernt“, um nicht unnötig „Öl ins Feuer zu gießen“ oder anderweitig zu polarisieren oder Stimmung zu machen. Das ist auch nach wie vor nicht unser Ziel. Dennoch – es liegt jetzt an uns, ALLEN Fans, unseren Beitrag zu leisten.

Am vergangenen Dienstag war ich Zeuge des Besuchs von Uwe Scherr im Werner Fuchs Haus. Und Scherr wusste gleich mehrfach mit dem, was er sagte, zu punkten. Es waren sicherlich keine Weisheiten dabei, auch erfand er den Fußball nicht neu. Vielmehr zeigte er, dass er gewillt ist, offen und ehrlich mit Fans und Öffentlichkeit umzugehen. Obendrein legte er auch noch mal konsequent dar, wie sich sein Verständnis von Fußball gestaltet. An dieser Stelle möchte ich kurz zusammenfassen, was Scherr an diesem Abend zu sagen hatte:

1) Unmittelbar nach Verlegung der „Bühne“ unter den freien Himmel ließ Scherr durchblicken, dass ihm die interne Zerrissenheit bei den Alemannia-Verantwortlichen sehr zu Schaffen mache. Er findet die Arbeitsverhältnisse ungünstig und sieht besonders in Hinblick auf den scheidenden Meino Heyen einen internen Machtkampf um den begehrten Posten. Dieser habe bereits begonnen und sei so nicht förderlich für den Verein im Allgemeinen.

2) Zur Entlassung Aussems am Vortag hatte Scherr natürlich auch einiges zu erzählen. So gab er unumwunden zu, dass ihm einfach die Einstellung fehlte. Habe die Mannschaft zu Beginn der Saison noch eher glücklich „ein paar Punkte“ eingefahren, so sei die Entwicklung zuletzt durchweg negativ gewesen. Da weder Trainer noch Mannschaft in dieser Form den Hebel umlegten, sah er sich genötigt, diesen unpopulären Schritt zu vollziehen. Er stellte aber klar, dass es hierbei rein um das Sportliche ging, da sich Aussem stets tadellos verhalten habe. Dies galt scheinbar nicht für alle Teile des Trainerteams, das ebenfalls gegangen wurde. Dass jedoch alle Trainer gehen mussten, hat laut Scherr einen ganz einfachen Grund: Der neue Trainer soll mit seinem Trainerteam arbeiten können und keine „Altlasten“ übernehmen.

3) Bereits zu diesem Zeitpunkt musste man feststellen, dass Scherr nicht nur, entsprechend seiner Tätigkeit als Geschäftsführer Sport, zum Thema Sport befragt wurde. Viele der Anwesenden nutzten nun vermehrt die Möglichkeit, um immer weiter auszuholen und ihm Sachen „auf die Nase zu binden“, die eigentlich nicht in seinen Bereich gehören. Dennoch stellte er sich immer wieder den Fragen. An diesem Punkt angekommen verwies Scherr relativ lapidar auf die Tatsache, dass bald wieder Wahlen anstünden und jeder von uns selbst die Wahl habe, aktiv Einfluss zu nehmen auf die Verhältnisse im Verein. Hier durfte der Verweis auf die verschiedenen Gremien natürlich auch nicht fehlen, die in letzter Konsequenz auch nicht immer zielführend im Sinne des Vereins handeln würden. Ohne konkret Namen zu nennen wies Scherr abermals auf die Zerrissenheit im Verein hin und betitelte die Wahlen als „Chance der Fans“, hieran etwas zu ändern.

4) Im Anschluss konnte allerdings noch mal der Bogen zum Bereich Sport geschlagen werden. Scherr stellte klar, welche Art von Fußball er präferiert. In seinen Augen muss eine Mannschaft grundsätzlich offensiv ausgerichtet sein. Besonders, wenn die Ansprüche im Generellen recht hoch sind. Zu diesem Zweck sei es unabdingbar, die Gegner besonders in der Frühphase eines Spiels durch konsequentes Pressing in Bedrängnis zu bringen. Zudem müsse die Mannschaft einen Plan verfolgen, der nach außen hin sichtbar wird. Hierfür sei jedoch unabdingbar, die Urtugenden im Fußball an den Tag zu legen. Als da wären: unermüdlicher Einsatz, hohe Laufbereitschaft, Kampf bis zum Umfallen und einfach all das, womit ein Spieler im schlimmsten Fall schlichtweg seine anderen Schwächen kaschieren kann. Insgesamt möchte Scherr einfach sehen, wie das eigene Team dem Spiel seinen Stempel aufdrückt und das gesamte Geschehen kontrolliert. All das habe er bis dato nicht erkennen können. Vielmehr sei die Alemannia zu großen Teilen kontrolliert worden, weshalb der Schnitt nun einfach nötig war.

5) Auf die Frage nach einem möglichen Nachfolger für Aussem konnte Scherr schnell den ein oder anderen unsäglichen Namen aus den Köpfen streichen. Wurden u.a. Kandidaten wie Neururer, Matthäus oder Wolf gehandelt, so schob Scherr diesen Spekulationen einen Riegel vor. Er habe zwar auch von deren Agenten teilweise konkrete Bewerbungen erhalten, dies sei aber keine Besonderheit. Auf rund 150 solcher Bewerbungen bezifferte er die Zahl derer, die bereit seien, den Trainerposten bei der Alemannia zu übernehmen. Vielmehr habe er schon den ein oder anderen konkreten Namen im Kopf. Diesbezüglich hatte er sogar schon Rücksprache mit Mike Büskens gehalten, der ihm scheinbar helfend zur Seite stand bzw. steht. In der Zwischenzeit ist durchgesickert, dass womöglich René van Eck den Posten übernehmen wird. Aber warten wir erstmal ab, bis hier alles in trockenen Tüchern ist.

6) Zum guten Schluss entfernte sich die Diskussion wieder vom sportlichen Bereich – allerdings aus gutem Grund. Auf die Situation innerhalb der Fanszene angesprochen machte Scherr deutlich, dass sich an der Situation nur etwas verändern kann, wenn sich alle Parteien an einen Tisch setzen. Er bat an, sich auch dieser Sache anzunehmen und hier die geeigneten Leute zu finden, die zur Lösung des Problems an einem runden Tisch teilnehmen könnten. Es hörte sich sogar fast danach an, als sei er selbst bereit, sich vermittelnd an ebenjenen Tisch zu setzen, so es denn zielführend sein könne.

Damit wären wir dann auch wieder bei dem Thema, das zuletzt alles rund um die Alemannia überstrahlt hat – die Probleme innerhalb der eigenen Fans. Wir wollen uns hier nur dahingehend äußern, dass wir Sportfreunde uns weder in die Ecke des einen Lagers drücken lassen wollen, noch werden wir selbiges zulassen für das andere Lager. Wir halten es nach wie vor so, dass der Tivoli „politikfreie Zone“ für uns ist – auch, wenn es einem dieser Tage, Wochen und Monate teilweise nicht leicht gemacht wird. Natürlich, gemäß der Erklärung, die wir unlängst ebenfalls unterzeichnet haben, lehnen aber auch wir jegliche Art von Extremismus und Gewalt ab. Genug der Erklärungen an dieser Stelle, werfen wir den Blick nun in die Zukunft.

Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Nicht nur, dass die Mannschaft einen schweren Durchhänger in der Liga hat. Nein, auch das Trainerteam ist weg. Zudem sind die Vereinsoberen intern zerstritten, die Gremien zerrüttet. Die finanzielle Lage hängt zudem nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Verein. Dazu noch diese unsäglichen und nicht enden wollenden Probleme innerhalb der eigenen Fans, die sich immer tiefer graben. Angefangen bei KBU und ACU haben sich in der Zwischenzeit Risse aufgetan, wo man sie so nicht hätte erwarten müssen. Besonders im Forum wird jeden Tag sichtbar, wie sehr ein jeder, der mit der Alemannia geht, unter der aktuellen Situation zu leiden hat. Im Forum hat seit geraumer Zeit ein Umgangston Einzug gehalten, der nur sehr schwer zu ertragen ist. Anschuldigungen, persönliche Angriffe und Diffamierungen sind leider keine Seltenheit mehr. Ironie und Sarkasmus sind auf dem Vormarsch, begleitet von Beschimpfungen, immer wiederkehrenden Belehrungen und weiteren „digitalen Exzessen“. Mancher mag das Brett gar im Moment als Schlachtfeld ansehen – und das kann es einfach nicht sein. So kann es nicht weitergehen.

Deshalb richten wir uns nun an alle Fans der Alemannia und all diejenigen, denen das Wohl der Alemannia wahrlich am Herzen liegt. Lasst uns daran arbeiten, die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Natürlich können und dürfen wir nicht über alles hinwegsehen, was geschehen ist. Aber wir können dafür einstehen, dass die Zukunft wieder bessere Zeiten für uns zu Tage fördern wird. Wir müssen diese Entwicklung nicht vom sportlichen Erfolg der Mannschaft, nicht von der Lösung unserer finanziellen Probleme abhängig machen. Wir müssen auch nicht erst wieder zu einer Fanszene werden, wenn ACU und KBU endgültig ihre Probleme überwunden haben. Wir alle sind Alemannia, wir alle sind Teil dieses Vereins, den wir lieben! Wir alle können gemeinsam helfen, all die Probleme anzugehen und gemeinsam zu überstehen. Ein jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er sich wieder rein auf das konzentriert, was ihn zur Alemannia getrieben hat. Das waren sicherlich nicht Meino Heyen, Frithjof Kraemer, die finanziellen Probleme, der neue Tivoli, die Gremien, die KBU oder ACU. Nein – es war die Liebe zu unserem Verein, die Stimmung, die einst so großartig war. Es waren diese besonderen Momente, in denen das Kribbeln kam, in denen man einfach den Rest der Welt ausblenden konnte. Also lasst uns versuchen, all das wieder zurückzuholen. Wir dürfen nur nicht tatenlos dabei zusehen, wie einige wenige, teils mehr, teils weniger verantwortlich, den Verein vor die Wand fahren. Seien persönliche Eitelkeiten der Antrieb oder aber ganz andere Gründe. Ein jeder kann dafür sorgen, dass der Umgangston ein anderer wird. Ein jeder kann dafür sorgen, dass nicht weiter „Öl ins Feuer gegossen wird“. Natürlich wirkt der Großteil im Bezug auf die aktuellen Probleme eher ohnmächtig denn allmächtig. Dennoch: Lasst uns auf einen runden Tisch von Verein, Fanvertretern und anderen wichtigen Teilen des Vereins und der Fans hinarbeiten. Nur so kann ein Anfang, ein erster Schritt gemacht werden.

Zum guten Schluss möchten sich die Sportfreunde noch explizit bei Uwe Scherr für seinen sehr netten, ehrlichen und offenen Auftritt im Werner Fuchs Haus bedanken. Wir setzen sehr viel Hoffnung in unseren Geschäftsführer Sport und hoffen, dass er sich einerseits die Kraft behält, gegen all das Destruktive anzukämpfen, was der Verein so mit sich bringt. Andererseits wünschen wir ihm die Zeit, die es benötigt, die Alemannia wieder auf Kurs zu bringen. Genau dann sind wir sicher, dass auch er dazu beitragen wird, die zerstrittenen Fanlager wieder zu einen oder zumindest einen Beitrag zu leisten, damit wieder vernünftig miteinander umgegangen werden kann. Genau dann sind wir sicher, dass es auch sportlich mit der Alemannia wieder in andere Tabellenregionen gehen wird. Genau dann sind wir sicher, dass die Stimmung sich der annähern kann, die noch auf dem alten Tivoli vorgeherrscht hat. Genau dann sind wir sicher, dass auch der sportliche Rahmen geschaffen werden kann, um die finanziellen Probleme real überwinden zu können. Aber eines steht auch fest – all das kann Uwe Scherr nicht alleine leisten. Jetzt aber – genau jetzt – sind wir alle gefragt! Für die Alemannia!

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
Dieser Beitrag wurde unter 2012/2013, 3. Liga, Alemannia Aachen, Allgemein, Kommentar, Sportfreunde News, Tivoli abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.