Endstation? Sehnsucht! – Teil II.

Nun stand also fest, dass es die Bayern sind, die am 26. Januar auf dem Tivoli zu Gast sein werden. An und für sich eine großartige Geschichte, dachten wir uns alle. Allerdings muss man gleichermaßen einsehen, dass es dieses Jahr durchaus zu mehr im DFB-Pokal reichen kann. Oder könnte? So denn die nächste Runde überstanden wird, winkt schon fast das Ticket nach Berlin. Hätte es hierfür nicht einen „leichteren“ Gegner geben dürfen?

Wie auch immer. Bei allem „hätte, wenn und aber“ waren wir natürlich maßlos begeistert ob dieses Traumloses. Haben es die Bayern doch immerhin bei ihren letzten drei Spielen auf dem alten Tivoli auch nicht geschafft, aus Aachen etwas Positives mitzunehmen. Meinetwegen dürfen sie diesen Trend gerne auf dem neuen Tivoli fortsetzen. Was das Spiel anbelangt, so wird sich das ein oder andere Mitglied der Sportfreunde sicherlich noch zu einer Vorschau hinreißen lassen. Da bin ich mir ziemlich sicher, weshalb ich mich an dieser Stelle mal ausführlich mit den Vorbereitungen für den Pokalkracher auseinandersetzen will.

Und um weiterhin stilecht zu verfahren, geben wir auch hier der chronologischen Abfolge eine Chance:

Wir befinden uns allesamt zwischen den Feiertagen. Die Hektik ist groß. Die letzten Arbeitstage werden durchgestanden, die letzten Vorbereitungen für Silvester getroffen. Mitten in die ohnehin schon hektische Zeit werden die Eckdaten für das Bayern-Spiel veröffentlicht. Alemannia – Bayern wird Livespiel sein. Die ARD hat das Spiel für den 26. Januar fest in das Programm aufgenommen und wird direkt nach der Tagesschau an den Tivoli wechseln. Aber wen interessiert hier bitte die Fernsehübertragung? Zugegeben: Das Geld für die Liveübertragung nimmt die Alemannia gerne mit, aber die Sportfreunde ziehen es doch allemal vor, sich wieder zahlreich in Block S5 zu versammeln. Bleibt nur noch die Frage, wie die Alemannia den Kartenverkauf gestaltet. Abwarten heißt es nun.

Mit und mit sickert vor Silvester durch, dass die Alemannia den Dauerkartenverkauf steigern konnte. Alleine um die 500 Rückrunden-Dauerkarten sollen es sein, die bis zum Jahreswechsel abgesetzt sind, Tendenz steigend. Natürlich beginnen jetzt die Rechenspiele: So denn die Mitglieder und Dauerkarteninhaber ein Anrecht auf ihre Pokalkarte samt einer zweiten Karte bekommen, wird es langsam aber sicher eng. Nun gut, warten wir mal ab, was sich die Alemannia diesbezüglich einfallen lässt.

Wir schreiben den 29. Dezember, als die Alemannia erstmalig konkret wird. Kombiticket heisst die Variante des Vertrauens. Aber was genau bedeutet das? Ganz einfach: Wer sich als Dauerkarteninhaber eine zweite Pokalkarte sichern möchte, der kann dies nur mit dem Kauf zweier Eintrittskarten gegen Karlsruhe sowie Fürth kombinieren. Feine Sache eigentlich, besonders vor dem Hintergrund, dass die Preise für das Bayern-Spiel nicht angehoben werden sowie auch die Karten für die beiden Zweitliga-Heimspiele rabattiert werden sollen. Von 10% ist hier die Rede. Bei den Sportfreunden gibt es direkt die ersten Telefonate und Mails, wie man sich möglichst effektiv mit Karten für Mann und Maus eindecken könnte. Allerdings gilt wiederum: Abwarten und schauen, wie die finale Version des Kartenverkaufs aussehen soll.

Silvester ist mittlerweile Geschichte. Die Sportfreunde sind erfolgreich in 2011 angekommen. Die Alemannia scheinbar auch. Dort schien man sich auch über den Jahreswechsel weiterhin Gedanken gemacht zu haben. Was sich einige Mitglieder bereits vorher ausgemalt haben, tritt schließlich am 5. Januar ein – die Zahl der Kombitickets wird auf 5.000 reduziert. Dieser Schritt ist natürlich sinnvoll, sorgt dann jedoch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für mächtig Betriebsamkeit bei allen Mitgliedern und Dauerkarteninhabern der Alemannia. Bleiben immerhin noch wenige Stunden, ehe am nächsten Tag um 10Uhr die Fanshop-Türen öffnen. Da nach dem Prinzip verfahren wird, dass diejenigen, die zuerst kommen, auch zuerst mahlen, folgen etliche Rundmails und SMS. Zu Beginn belächle ich den Vorschlag von Fritz noch, sich am nächsten Morgen gegen 8Uhr am Tivoli einzufinden, stimme dann jedoch zu. Was den Kartenkauf anbelangt, verfügt er über etwas mehr Erfahrung und deshalb bahnt sich bereits jetzt eine kurze Nacht an.

Donnerstagmorgen, 7.30Uhr. Zu mir ist der Newsletter der Alemannia leider immer noch nicht durchgedrungen. Ich stehe auf, mache mich fertig und rechne mit einem normalen Kartenverkauf am Tivoli. Gegen 8.15Uhr erreicht mich die erste Mail von Fritz, der bereits am Stadion ist und dort genügsam mit einer Thermoskanne in der Hand wartet. „Wo bleibst du? Langsam aber sicher wird es hier voll!“. Ich denke mir nichts, trinke mir noch einen Espresso und überstürze nichts. Allerdings wird mir spätestens nach der nächsten Mail klar, dass Fritz mich aus gutem Grund angeschrieben hat. Mittlerweile sind auch Sisi und Markus bei ihm und die Schlange ist schon erheblich angewachsen. Auch ich bin jetzt auf dem Weg zum Tivoli, während Fritz mir schreibt, dass es mittlerweile fast unverschämt sei, mich noch zu den drei anderen Sportfreunden zu stellen. Als ich ankomme, wird mir direkt klar, warum er solch drastische Worte in den Mund genommen hat. Und kurze Zeit später offenbart mir der Rest der Truppe dann auch die magische 5.000. Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Außerdem ist mittlerweile von insgesamt 1.000 abgesetzten Rückrunden-Dauerkarten die Rede.

Nun gut, so stehen wir nun zu viert in der Schlange und warten, bis um 10Uhr die Türen des Shops geöffnet werden. Die Schlange wächst minütlich, das Medieninteresse auch. Mittlerweile sind mehrere Journalisten vor Ort, Kameras und Tongeräte werden direkt am Eingang positioniert. Es dauert keine fünf Minuten, dass uns auch schon Holger Richter von den Aachener Nachrichten anspricht. Ihm stehen wir Rede und Antwort, ehe die Wartezeit ein Ende zu haben scheint. Um 10.05Uhr werden die Türen geöffnet, es geht hoch zum Shop. Allerdings stehen die Leute draußen bereits bis zum Weihnachtsbaum, was bedeutet, dass die Schlange mittlerweile mehrere hundert Meter lang ist.

Im Fanshop angekommen offenbart sich bereits nach einigen Minuten Wartezeit, dass die Alemannia-Verantwortlichen bei allem Kalkül auch einige Punkte schlichtweg nicht bedacht oder unterschätzt haben. Die Regelungen bezüglich des Kartenerwerbs sind nachvollziehbar und fair denjenigen gegenüber, die die Alemannia auch außerhalb solcher Prachtereignisse unterstützen. Hier endet allerdings auch schon die Liste der positiven Aspekte. Einige im Fanshop befindliche Anhänger haben sich mittlerweile mehrere Stunden um die Ohren geschlagen, teilweise sogar eine ganze Nacht vor den geschlossenen Türen verbracht. Und wie kommt der Verein diesen Leuten entgegen? Gar nicht! Kein einziges Klo ist geöffnet, es werden weder Getränke noch Speisen angeboten. Der Klömpchensclub ist sogar geschlossen … zumindest hat es den Anschein, da man den Blick nach Durchquerung der Vorhalle eh nur noch nach vorne und nicht nach hinten gerichtet hat.

Und nun kommt ein weiterer Negativpunkt hinzu, der so in keiner Weise zu tolerieren ist. Natürlich sind wir es von der Alemannia bereits gewöhnt, dass gewisse Dinge semiprofessionell gehandhabt werden, aber was soll man davon halten, wenn die Angestellten an den Rechnern plötzlich vor den Augen der eingetroffenen Menschenmassen eingearbeitet werden? Selbst der geschätzt 15-jährige Praktikant wird auf einmal aus dem Lager rekrutiert, um einen Rechner zu bedienen. Er hat, deutlich erkennbar, noch nie zuvor einen Rechner der Alemannia anfassen müssen. Die Wartezeit wird immer länger. Wir sind eigentlich am Ziel, aber es tut sich fast nichts.

Während die Schlange trotz Öffnung der Türen weiterhin anwächst, sind um 10.30Uhr ganze zwei Kunden abgefertigt. Ein älterer Herr, der direkt zu Beginn zu einer Kasse vorgedrungen war, steht mittlerweile länger als eine halbe Stunde im Gespräch mit einer Angestellten. Es geht kaum voran, erst gegen 11Uhr stellt sich langsam ein gewisser Ablauf ein. Um 11.15Uhr haben wir es dann schließlich alle geschafft: Die Sportfreunde haben zugeschlagen und diverse Tickets wie auch Kombitickets erworben. 20% Rabatt hat es schließlich sogar auf die Spiele gegen Karlsruhe und Fürth gegeben. Bedeutet: 39,60€ für zwei ermäßigte Pokalkarten sowie zwei ermäßigte Karten für die Zweitligaspiele.  So trifft man beim Verlassen des Shops noch auf die ein oder andere gute Seele und macht sich nach einigen Gesprächen schließlich wieder auf den Heimweg.

Stündlich gehen nun weitere Meldungen durch die Medien. Die Alemannia hatte nicht mit einem solchen Andrang gerechnet, welch wundersame Entwicklung. Während es beim Fanshop in der Pontstraße schier endlose Wartezeiten zu geben scheint, öffnet der Shop an der Krefelder Straße immerhin eine weitere Kasse am Tivoli. Die Telefone stehen auch weiterhin nicht still, hier scheint der Ablauf allerdings zu funktionieren. Noch während der Lokalzeit am Abend schaltet der WDR telefonisch zu einigen Leidtragenden, die weiterhin vor dem Fanshop in der Pontstraße ausharren. Und es ist kurz vor 20Uhr …

Mittlerweile schreiben wir den 7. Januar. Richtige Wasserstandsmeldungen gibt es heute nicht. Was sich gestern Abend oder Nacht noch abgespielt hat, bleibt der Öffentlichkeit erstmal vorenthalten. Ebenso wurden noch keine genauen Daten der bisher abgesetzten Karten bekanntgegeben. Bis zum gestrigen Nachmittag um 15Uhr sollen es immerhin schon 4.200 gewesen sein. Ticketmanager Schalkowski geht mittlerweile sogar davon aus, dass keine Pokalkarten für den freien Verkauf auf den Markt kommen. Man darf in jedem Fall gespannt sein, was sich nächsten Montag abspielen wird, sollten doch noch Karten verfügbar sein. Mord und Totschlag dürften hier wahrscheinlich auf der Tagesordnung stehen. Was allerdings besiegelt zu sein scheint: Die Kombitickets werden wohl vergriffen sein.

Letztlich hatte das Prozedere der Alemannia sicherlich einige Stärken wie auch Schwächen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man sich stundenlang die Beine in den Bauch steht. Aber warum haben es die Leute denn getan? Weil sie es so wollten, um für sich und ihre Liebsten die bestmöglichen Konstellationen zu schaffen. Es ist sehr bedauerlich, wenn einige hierbei an den Rand der Belastbarkeit getrieben wurden, aber so denn jeder in den Besitz der erwünschten Konstellationen gekommen ist, wird ihm der Aufwand im Nachhinein hoffentlich eher als nette Anekdote im Gedächtnis bleiben.

Bleibt letztlich zu hoffen, dass es im weiteren Verlauf evtl. keine Karten mehr im freien Verkauf geben wird. Die Szenen, die sich nächsten Montag abspielen könnten, möchte sicherlich niemand sehen. Außerdem bleibt zu hoffen, dass die Alemannia aus solcherlei Missständen lernt und den nächsten Verkauf diesen Ausmaßes ein wenig angenehmer gestaltet. Gerade im Sinne der treuen Fans wäre es sicherlich wünschenswert. Und damit wären wir dann auch endlich dort, wo wir hin wollten: Endstation 26. Januar. Von nun an regiert die Sehnsucht! Und sie steigert sich bereits täglich …

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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