Endstation? Sehnsucht! – Teil I.

Nein, Endstation Sehnsucht hat in diesem Kontext ausnahmsweise mal nichts mit Tennessee Williams oder Sigmund Freud zu tun. Dramatisch könnte es zwar auch am 26. Januar werden, wenn die Bayern im Rahmen des DFB-Pokals zu Gast auf dem Tivoli sein werden, aber muss dann wirklich die Endstation erreicht sein? Lassen wir einfach der Sehnsucht freien Lauf und freuen uns auf einen turbulenten Monat, der in einer Woche gipfelt, die gleich deren drei Heimspiele binnen sieben Tagen mit sich bringt.

Es ist schon mit Wahnsinn gleichzusetzen, dieser Tage Alemannia-Fan zu sein. Doch wollen wir dem gesamten Geschehen mal chronologisch nachgehen:

Wir schreiben den 22. Dezember: Bereits beim Morgenkaffee fällt die Zubereitung sichtlich schwer. Ein gewisses Zittern hat sich eingestellt. Aufregung? Ein bischen! Vorfreude? Oh ja! Schnell noch in die Stadt, die letzten Weihnachtsgeschenke müssen besorgt werden. Erster Anlaufpunkt: Natürlich der Fan-Shop, der allerliebste Neffe will zu Weihnachten stilecht einkleidet sein. Und zack hat ein schicker Alemannia-Kapuzenpulli die Ladentheke überquert, in Größe 92 – der Gute soll ja noch etwas länger davon haben. So schreitet der Tag immer weiter voran. Das Besorgen der Geschenke gestaltet sich allerdings immer schwieriger, das Handy scheint nun gar nicht mehr stillstehen zu wollen. Ein Anruf jagt den nächsten und um 17Uhr ist es dann soweit: Ein großer Teil der Sportfreunde hat sich bei mir versammelt, um sich auf den anstehenden Pokalfight einzustimmen. Als wenn die Stimmung nicht ohnehin schon groß genug wäre, flattert nun die nächste erheiternde Nachticht rein: Unsere Fanclub-Schals sind endlich da und können heute Abend erstmalig im Block präsentiert werden. GEIL! Eine 30er-Packung Feiglinge und diverse gerstenhaltige Erfrischungsgetränke später stehen wir dann bereits im Block. Das anfängliche Zittern vom Morgen hat sich mittlerweile auf den gesamten Körper ausgedehnt. Man flüchtet sich in Gespräche und den Verzehr weiterer erfrischender Getränke. Als das Spiel schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit angepfiffen wird, sind die Sportfreunde bereits um 3 Mitglieder sowie deren Anfragen nach einem Beitritt reicher. Spätestens, als bei „You’ll never walk alone“ alle Schals in die Höhe gingen, war es um gewisse Freunde und Bekannte geschehen. Was soll jetzt noch schiefgehen?

Das Spiel läuft also. Und es läuft nicht gut. Die Eintracht macht Dampf und drängt die Alemannia hinten rein. War nicht anders zu erwarten, da das Team von Michael Skibbe am vorherigen Wochenende doch tatsächlich das Kunststück fertiggebracht hatte, den auswärts bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer mit 1-0 zu besiegen. Und natürlich hatte auch dieses Tor ein gewisser Frankfurter Serientäter erzielt. Diesen galt es heute auszuschalten und ich verrate euch nicht zuviel, wenn ich feststelle, dass dies den ganzen Abend über nicht annähernd gelang. Bevor ich es vergesse: Er nennt sich Theofanis Gekas und erlebt bei Frankfurt aktuell seinen fünften Frühling. Bereits nach 10 Minuten scheint es schier unerträglich, wie sehr die Einracht drückt. Allerdings spielen sie nicht zwingend genug und entwickeln keine akute Torgefahr. Das jedoch macht die Alemannia mit ihrem ersten ernsthaft vorgetragenen Angriff. Gueye scheint durch zu sein, erreicht die Strafraumkante und … wird von Schwegler, der zum Innenverteidiger umgeschult wurde, von den Beinen geholt. Elfmeter? Rote Karte? Bingo, Schiedsrichter Weiner hat tatsächlich die Eier, Schwegler vom Platz zu stellen und anschließend auf Elfmeter zu entscheiden. Kaum zu glauben, aber hier muss man ausnahmsweise mal glücklich sein, dass ein derart arroganter, wenn auch erfahrener Mann das Spiel leitet. Junge Schiedsrichter hätten womöglich nicht die Courage gehabt, sei die Sachlage noch so klar. Marco Höger legt sich den Ball zurecht, Weiner gibt den Elfmeter frei und … Fährmann hält das Ding! Dass sich das mal nicht rächt, denke ich mir insgeheim. Dieser Gedanke sollte mich dann auch über die reguläre Spielzeit nicht mehr loslassen. Die Alemannia spielt zwar in Überzahl, Frankfurt erarbeitet sich jedoch die besseren Chancen. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit bewegt sich das Spiel auf des Messers Schneide.

Geil, mittlerweile steht fest, dass wir eine weitere dramatische halbe Stunde Fußball erleben. So langsam hat der Schneefall wieder eingesetzt und wir schreiben die 93. Minute, als sich Marco Höger ein Herz fasst und mit links abzieht. Wahnsinn, das 1-0 und jetzt brechen alle Dämme. Es regnet pausenlos Bier, wir liegen uns in den Armen und springen durch den Block. Das muss doch das Ticket für das Viertelfinale gewesen sein. Pustekucken! Als wir gerade verstanden hatten, was sich durch das Tor für eine Möglichkeit bieten könnte, war die Führung auch schon wieder Geschichte. Mit einem trockenen Schuss ins Eck hatte Martin Fenin David Hohs keine Abwehrmöglichkeit gelassen. Pure Ernüchterung macht sich breit und das Bangen wird wieder intensiver. Bis zum Abpfiff in der 120. Minute gelingt es lediglich noch einmal der Eintracht, gefährlich vor das Tor zu kommen, aber der Ball von Gekas landet glücklicherweise auf dem Tornetz.

Kurz nach Luft schnappen und durchatmen. Wohlwissend, dass es Duisburg (bei Köln), Cottbus (bei Wolfsburg) und die Bayern (bei Stuttgart) an diesem Abend bereits in das Viertelfinale geschafft haben, muss jetzt der erste Pokal-Heimsieg an diesem Abend her. Lieder habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits meinen kurz zuvor erhaltenen Schal wieder verloren. Was soll’s? Jetzt heisst es „Augen zu und durch!“.

Junglas tritt an, schießt und … verwandelt sicher. Gleiches gilt für Fenin. Dann kommt Achenbach, tritt an und … verwandelt, ebenfalls sicher. Auf Seiten der Eintracht trabt der technisch überaus begabte Meier zum Punkt, legt sich den Ball zurecht und zieht ab: Wahnsinn!!! Über das Tor!!! Die Alemannia liegt zum zweiten Mal am heutigen Abend vorne. Für die Alemannia schreitet nun Tolgay Arslan zum Punkt und … verwandelt ebenfalls. Leider tut dies auch Caio, der Hohs keine Chance lässt. Und was müssen wir nun sehen? Es tritt tatsächlich Thomas Stehle an, der gemeinhin nicht gerade für seine Kabinettstückchen im Umgang mit dem Ball bekannt ist. Er läuft an, schießt und Fährmann hat den Ball … denken wir zumindest alle, ehe erkennbar wird, dass der Ball doch irgendwie durchgeflutscht sein muss. Wahnsinn! Auf der Gegenseite verwandelt leider auch Amanatidis gekonnt seinen Elfmeter, weshalb es jetzt auf den letzten Schützen ankommt: Benni Auer. Er schnappt sich die Kirsche, lässt sich von der Masse tragen, läuft an und … VERWANDELT!!! Wir haben es geschafft!!! Das Viertelfinale ist erreicht!!!

Der Rest ist unbändige Freude. Während sich ein Großteil der Fans nach dem Feiern auf den Weg aus dem Stadion macht, verfolgen wir noch die Zusammenfassung des ZDF auf den Stadionleinwänden. Großartig, das eben Erlebte direkt noch einmal im Fernsehen zu sehen. Bei jeder Aktion gehen wir abermals mit und freuen uns nach dem „nächsten“ gewonnenen Elfmeterschießen wiederum, als wäre es gerade nochmal geschehen. Kurze Zeit später stehe ich dann bereits CenterTV Rede und Antwort, als die Geräuschkulisse schlagartig hochgeht. Was ist passiert? Von oben schallt es nur noch diesen einen Namen: BAYERN MÜNCHEN! Wir haben tatsächlich die Bayern zugelost bekommen und … natürlich müssen die Bayern zu uns kommen! Der gefühlt siebte Orgasmus an diesem Abend … der Rest ist Geschichte.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Sisi

    Da läuft es einem direkt wieder eiskalt den Rücken runter!