Der Schnee-Fall von Rostock

Alemannia Rostock 19.02.2012Ein Null-zu-Null gegen den Tabellenletzten aus Rostock ist zu wenig im Kampf gegen den Abstieg. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt sorgte der Fastelovvend (=Karneval), gepaart mit Alkohol, für eine allgemeine Grundstimmung. Als wegen des plötzlichen Schneefalls über Aachen das Spielfeld immer weißer wurde, drohte das Spiel abgesagt zu werden. Die gut 40 Minuten bis zum dann doch durchgeführten Anpfiff überbrückte Ulli Potofski auf SKY mehr als gelungen und entschädigte für eine oftmalige Berichterstattung, die der Deutschen Bahn im Schlafwagen sicherlich besser gedient hätte.

Es war mir an diesem für den Öcher so heiligen Wochenende leider nicht gegönnt, das Spiel in Aachen zu verfolgen. Abhilfe sollte der SKY-Bar-Finder schaffen. Über die Webseite des Pay-TV-Senders findet man da nicht etwa die angesagtesten und exklusivsten Theken in luftiger Höhe, sondern angeblich die Bars, Kneipen und Etablissements mit einer Übertragungslizenz. Nun, in meinem Wohnort findet sich lediglich die FKK-Oase (Link nicht jugendfrei!) und das war dann doch eine Nummer zu heftig. Die Bierpreise waren einfach zu hoch.

Also 6 Kneipen herausgesucht und erst bei der letzten (!) auch fündig geworden. Die Datenbank scheint doch recht veraltet zu sein. 5 von 6 Kneipen waren für immer geschlossen. Glücklicherweise öffnete nach einem Sturmklingeln das Fahr Werk seine Pforten und machte für uns ein paar Minuten früher auf, so dass wir Logenplätze vor der Leinwand bekamen.

Im Nachhinein wurde es voller auf der Anlage, handelte es sich doch, daher auch der Name, um ein Kartcenter à la Michael Schumacher in Kerpen. Während die Kids in der Formel U10 also fleißig unterwegs waren, gesellten sich die Väter an den Fernseher und wunderten sich, warum Aachen gegen Rostock gezeigt wurde und nicht etwa 1860 München gegen Fortuna Düsseldorf. Sie wurden Teil einer Episode, die wohl nur der Klömpchensklub zu schreiben vermag.

Mein Unverständnis über die Spielverweigerung beider (!) Mannschaften teilten alle Beteiligten. Ein etwas seifiger Rasen sollte Profis nicht zu Memmen verkommen lassen. Im Fanclub hätte es wohl nur ein “Habe ich da etwa ein kleines Mutti gehört?!” gegeben. Wofür bekommen die Herren eigentlich so viel Geld?

Während also in den Katakomben noch gezickt wurde, entschied Schiedsrichter Wingenbach, den Anstoß auf unbestimmte Zeit zu verlegen. Es wurde die Glanz-Dreiviertelstunde des Ulli Potofski, die doch sehr an den Tor-Fall von Madrid erinnerte. Potofski brachte gleich zu Beginn den passenden Spruch “Wir wollen doch eigentlich Fußball sehen!” und freute sich über diese willkommene Abwechslung und kommentierte seine Überstunden gelassen: “Darf ich das jetzt 30 Minuten kommentieren, wie der Platz sauber gemacht wird? Der Traum eines jeden Fußballkommentators …“.

Potofksi erhält Orden in AachenIhr schaut euch am besten das Video im Anschluss an und ich gehe davon aus, dass Ihr nachvollziehen könnt, warum die Öcher Prinzengarde Ulli Potofski den Karnevalsorden am Bande verliehen hat – während der Übertragung. Na gut, Potofski wird laut eigener und wiederholter Aussage ja nach Worten bezahlt. (Linktipp: 11 Freunde -“Ich habe nichts gegen die Frisuren der Aachener”)

Dass Schiedsrichter Wingenbach dennoch das Spiel anpfiff, war sicherlich auf die vielen angereisten Fans aus Rostock zurückzuführen – aus Sicherheitsgründen richtig. Für die Alemannia selber dürfte man die Entscheidung “pro Spiel” mit gemischten Gefühlen gesehen haben. Catering und Personal mussten eh bezahlt werden und in den 40 Minuten wurde sicherlich auch fleißig Bier und Bratwurst konsumiert. Allerdings wurde der eh schon sehr ramponierte Rasen nun wohl vollends zerstört. Angeblich ist eine fehlerhafte Drainage schuld, der ein Baumangel zu Grunde liegt. Geld für einen neuen Rasen hat die Alemannia derzeit definitiv nicht und am kommenden Wochenende steht bereits die Partie der U23 auf dem Spielplan.

Über das Spiel selber braucht man hingegen gar nicht so viel zu sagen. Ein wahrhaftiger Grottenkick, der, keine Frage, auch den Platzverhältnissen geschuldet war.  Allerdings verweigerte kurz vor der Pause der Unparteiische der Alemannia einen klaren Elfmeter. Rostocks Keeper Müller selber sprach nachher von mehreren “Schrecksekunden” und Auer haderte ebenfalls mit Wingenbach.

Kurzum: Ein ungewöhnlicher Sonntagnachmittag mit Ulli Potofski und einem mageren Auftritt der Alemannia.

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
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