Der Punkt aus der Lausitz

Drei zu Drei in Cottbus - Die Alemannia holt einen Punkt780 Kilometer mussten Mannschaft, Betreuer und eine handvoll wackere Fans der Alemannia hinter sich bringen, um an einem Freitagabend beim FC Energie Cottbus anzutreten – pro Strecke! Aus den unterschiedlichsten Gründen war kein Mitglied der Sportfreunde mit nach Westpolen gereist, wir zogen Kneipe, Couch oder den mobilen Ticker einer solchen Tor-Tour vor. Chapeau an alle, die sich solche Fahrten jede Woche antun – gestern wurden die Treuesten der Treuesten, wie auch in Frankfurt und Bielefeld, mit satten drei Auswärtstoren belohnt – gereicht hat es dennoch nicht zum Sieg.

Die Alemannia traf beim Aufstiegsaspiranten in der ersten Hälfte gleich drei Mal und Benny Auer konnte sein Torekonto auf nun 13 ausbauen. Kevin Kratz erzielte mit einem schönen Schuss aus der Distanz früh die verdiente Führung (8’). Die schwarz-gelben Kicker hatten zuvor schon zwei gute Gelegenheiten durch Arslan und Junglas vergeben. Dass es 45 rasante Minuten werden sollten, daran zweifelte nun erst recht keiner mehr. Die beiden Trainer Hyballa und Wollitz hatten dies bereits vor dem Spiel angekündigt.

So gelang den Gastgebern nach einer Ecke der Ausgleich. Die Hereingabe rutsche dem Cottbuser eigentlich schon über den Fuß und fand ungewollt den Weg zu Emil Jula, der dann versuchte, den Ball mit der Hacke auf das Tor von David Hohs zu bringen. Allerdings scheiterte auch dieser Versuch des Abschlusses und so sprang der Ball genau vor Hünemeiers Fuß am Strafraumeck, von wo aus dieser ins linke untere Eck traf (22′). Allerdings bewies Alemannias treffsicherster Stürmer Benny Auer nur sieben Minuten später, warum er für uns so wertvoll ist: er stand erneut goldrichtig und lies Renno keine Chance (29′).

Nun folgte ein wahrer Schlagabtausch. Wo die Alemannia am Samstag gegen Greuther Fürth aufhörte, knüpfte sie nun an. Bei dem Versuch, einen Konter einzuleiten, verspielte Junglas dann nur drei Minuten später sehr leichtsinnig den Ball und Rogers Schuss wurde von Feisthammel unglücklich abgefälscht – er wäre wohl über die Tribüne geflogen – und landete zum 2-2 im Netz (32’). Während auf SKY noch die Wiederholung des Tores lief, nahm Ziebig Aachens Kratz in den Schwitzkasten und läutete so die cottbusserische Unfairness ein. Warum die Lausitzer mit 11 Mann in die Pause gehen konnten wird für immer das Geheimnis des jungen Schiedsrichter Kempter bleiben.

Glücklicher- und verdienter Weise hörte die Alemannia nicht auf mit dem Fußballspielen. Auer traf  kurz vor dem Pausenpfiff zum 2-3 (45+1’). Fünf Tore und davon gleich deren drei für die Alemannia, hätte vor dem Spiel wohl keiner getippt. Nach dem Wiederanpfiff nahm die Alemannia das Tempo etwas raus und lies den hintenliegenden Gastgeber kommen um dann durch schnelle Konter den Sack zuzumachen. Bis zu 83. Minute drehte Cottbus zwar auf, allerdings konnte keine Mannschaft die sich bietenden Großchancen nutzen. Nach einer Ecke traf Jula dann doch zum 3:3, dem gleichzeitigen Endstand.

Aber nun eine Frage an die geneigte Leserschaft: Wie beschreibt man nun das Gefühl, ein riesiges Spiel gemacht zu haben – mit gleich drei Treffern in der Ferne – und dem gleichzeitigen Unvermögen, ein Spiel für sich nach Hause zu bringen. Diese Truppe, die einen geilen Offensivfußball spielt – 9 Tore in den letzten drei Ligaspielen – fängt sich einfach zu viele Gegentore (7 Tore in den letzten drei Ligaspielen).

Hätte mir vor dieser kommunizierten Umbruchsaison jemand gesagt »Am 20. Spieltag haben wir 29. Punkte und sind auf’nem guten 10. Platz.«, hätten wohl die meisten nur den Kopf geschüttelt. Wir alle wissen, dass von einer jungen und neuen Mannschaft kein Wunder zu erwarten ist, aber es ist ja nun nicht so, als würden Feisthammel, Höger, Arslan, Junglas und Co. erst seit 365 Tagen Fußball spielen. So langsam sollte man, wenn man sich schon so toll und verdient eine Führung erkämpft, den Sack auch zumachen und sich selber belohnen. Die nächsten Schritte sollten nun folgen. Gerade der in den letzten Spielen sowohl stark als auch mit vielen Fehlern spielende Manuel Junglas spielt seit nunmehr 1 ½ Jahren in Liga 2.

Auch Trainer Hyballa sollte sich die Frage stellen lassen dürfen, warum seine Einwechslungen teils sehr spät kommen. Wieso bringt man gestern beispielsweise Gueye für 30 Sekunden ?  Kritik gehört dazu und dabei soll es nun auch bleiben, denn unterm Strich spielt die Mannschaft einen erfrischenden und leidenschaftlichen Fußball. Erik Meijer hatte diesen vorrangig als Ziel ausgegeben und daher ist die sportliche Abteilung voll im Soll. Nun geht es an den Feinschliff. Ich freue mich drauf, denn wie wir gestern wieder gesehen haben, wird es noch eine tolle Saison 2010/2011. Funktionieren Feinschliff und Tuning, dann können wir uns jetzt schon auf 2011/2012 freuen – das glaube ich felsenfest!

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
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