Das Beste zum Schluss

Es gibt so Tage, da freut man sich ganz besonders auf Fußball. An Tagen, an denen wir zum Tivoli pilgern können, ist diese Freude noch mal um einiges gesteigert. Hat dann auch noch einer unserer Kumpels seinen dreißigsten Geburtstag, kann doch eigentlich keine Steigerung mehr folgen. Weit gefehlt. Denn die Alemannia hat am heutigen Sonntag eine Leistung auf den Platz gezaubert, über die man sich zum Hinrundenabschluss eigentlich nur freuen kann. Eigentlich …

Aber erstmal der Reihe nach. Irgendwie hat dieses Spiel schon am gestrigen Samstag begonnen. Sportfreund René hatte zu seinem dreißigsten Geburtstag geladen und ein großer Teil des Fanclubs war seiner Einladung gefolgt. Als dann schließlich auch alle eingetrudelt waren, stand erstmal ein ganz besonderes Event auf dem Plan – Tapetenpinseln. Auf der letzten Mitgliederversammlung hatten sich einige Sportfreunde zusammengetan, um eine Banderolen-Aktion zu starten. Da sich der gesamte Fanclub jedoch nicht mit dieser Idee anfreunden konnte, stand sie letztlich nicht unter dem Schirm des Fanclubs. Vielmehr hingen am gestrigen Abend die Befürworter auf dem nassen Boden und kümmerten sich um die Bemalung der Tapetenstücke.

Eine großartige Party und eine mehr oder minder kurze Nacht später waren wir dann auch schon recht früh am Tivoli – und die Stimmung war nach wie vor sehr gut. Nicht nur, weil einige wohl noch vom Vorabend angeheitert waren, sondern auch, weil die Alemannia in der Vorwoche ihren ersten Auswärtsdreier hatte landen können. Vor Wochenfrist hatten Radu und Auer zum viel umjubelten 2-0 in Karlsruhe getroffen.

Gut gelaunt und hoffnungsfroh ging es dann auch recht zügig in S5. Schnell war überdies klar, dass Friedhelm Funkel wohl die gleiche Elf wie in Karlsruhe auf den Platz schicken würde. Trotzdem war auch klar, dass dieses Spiel mit Sicherheit anders laufen würde. Hatten die Münchener doch am letzten Spieltag die bis dahin ungeschlagenen Frankfurter in die Schranken weisen können. Angeführt von Kapitän Lauth betrat dann auch ein sehr selbstbewusstes Team den Rasen. Sehen konnte der Großteil von uns in der Tat jedoch nichts vom Einlauf, da wir damit beschäftigt waren, die Banderolen gut sichtbar in die Höhe zu halten.

Nun aber endlich zum Spiel. Dieses gestaltete sich nämlich direkt von Beginn an sehr rasant. Ein Grund dafür war u.a. die löchrige Innenverteidigung um Feisthammel und Olajengbesi. Erstgenannter stand in der 5. Minute falsch und konnte dem wieselflinken Volland nicht mehr folgen. Glücklicherweise versagten Volland, frei vor Waterman, dann jedoch die Nerven. Kurze Zeit später war es dann Benni Auer, der mit einem Distanzschuss das Münchener Tor nur um Zentimeter verfehlte. Ein Phänomen, das den Aachener Sturmführer durch die ganze Partie begleiten sollte …

Für die Alemannia schien die verpasste Chance nun eine Initialzündung zu bedeuten. Die Funkel-Elf übernahm fortan das Zepter und spielte sich in der Hälfte von 1860 fest. Einzig die Konter der Sechziger blieben weiterhin gefährlich. Nachdem Buck noch knapp am Pfosten der Alemannia vorbeigeköpft hatte, machte es Benni Auer im direkten Gegenzug immerhin ein wenig besser. Wunderbar von Radjabali-Fardi bedient platzierte er einen wuchtigen Kopfball auf das von Gabor Kiraly gehütete Tor. Dieser wähnte sich auch bereits geschlagen, konnte sich jedoch glücklich schätzen, dass ihm der Ball vom Pfosten wieder entgegensprang. Wiederum nur einige Minuten später war es dann Feisthammel, der nach einer Ecke an den Ball kam und letztlich verzog. Nachdem kurze Zeit später Radu, toll durch Yabo in Szene gesetzt, an einem langen Abwehrbein gescheitert war, kehrte nun erstmal ein wenig Ruhe ein.

In der 41. Minute folgte dann der Schock. Nach einem langen Freistoß war es wiederum Buck, der an den Ball kam. Leider aber dieses Mal effektiver und mit dem 0-1. Das schien die Alemannia allerdings nicht groß zu stören. Fast umgehend war es Radu, der nach Falkenberg-Flanke an den Ball kam – und wie. Per Fallrückzieher nahm er den Ball direkt. Während Kiraly sich vergebens streckte, schlug der Ball schließlich im langen Eck ein – der wichtige Ausgleich.

Die Halbzeitpause hatte sich das Team von Friedhelm Funkel nun redlich verdient. Während die Mannschaft nach vorne teils tolle Spielzüge kreierte, ein ordentliches Tempo an den Tag legte und einfach diesen lange Zeit vermissten und druckvollen Fußball spielte, kam die Innenverteidigung einfach nicht zur Ruhe. Besonders Feisthammel und Olajengbesi hatten immer wieder Standschwierigkeiten, kamen den schnellen Münchener Stürmern teilweise nicht hinterher und sorgten für alles, nur nicht für Sicherheit. Vielleicht hatte Feisthammel aus Frust über seine eigenen Schwierigkeiten kurz vor der Pause noch mal die Sense ausgepackt und seinen Gegenspieler im wahrsten Sinne des Wortes umgeholzt. Mit Gelb und wenig Aussicht auf ein Wiederkommen in Halbzeit 2 schlich er dann auch in die Katakomben.

Zur Verwunderung aller kam er dann trotzdem wieder zurück auf den Rasen – und machte seine Arbeit fortan wesentlich besser. Die Partie gestaltete sich in jedem Fall ähnlich wie in Halbzeit 1: Aachen drückte, während 1860 auf Konter lauerte. In der 53. Minute musste dann Aimen Demai leider den Platz verlassen. Der unter Funkel zum wichtigen Führungsspieler aufgestiegene Mittelfeldmann musste wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr für Uludag weichen. Nachdem Bierofka und Radu auf beiden Seiten an den Torhütern gescheitert waren, legte die Partie eine kleine Ruhepause ein. Während die Alemannia-Offensive weiterhin druckvoll agierte und sich dem Tor von 1860 immer weiter annäherte, machte die Defensivabteilung nun keine eklatanten Fehler mehr.

In der 68. Minute hatten wir dann erneut den Torschrei auf den Lippen. Nachdem Falkenberg noch an Kiraly gescheitert war, gelangte der Ball zu Radu. Dieser legte uneigennützig zu Auer ab, der letztlich wiederum nur um Zentimeter das Tor verfehlte. Funkel spürte, dass der Dreier mehr als möglich war und wechselte im Anschluss David Odonkor für Radjabali-Fardi ein. Doch leider ging der Schuss erstmal nach hinten los. Während die Alemannia das Tor von 1860 berannte, kam der Ball plötzlich auf der anderen Seite zum ebenfalls eingewechselten Aigner. Achenbach hatte er schnell genarrt, um vor Waterman die Nerven zu bewahren – 1-2. Ein Rückschlag, mit dem in dieser Phase wohl kaum jemand gerechnet hatte.

Nachdem sich Team und Fans kurz geschüttelt hatten, ging es jetzt aber wieder von vorne los. Angriff um Angriff rollte auf das Münchener Tor, die Ränge grölten. In der 83. Minute dann auch die Belohnung. Uludag kam links im Strafraum an den Ball, spitzelte den Ball an Kiraly vorbei an den langen Pfosten, wo Bas Sibum seinen ganzen Körper in den Ball warf. Ergebnis: 2-2. Ob dem Ausgleich letztlich ein Foulspiel von Auer oder eine Abseitsstellung von Sibum vorausging, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Dafür hatte Schiedsrichter Willenborg an diesem Sonntag ohnehin auf Aachener Seite einiges abgepfiffen, was nicht mal mehr ansatzweise pfeifenswert war. Blöd nur, dass die Akteure von 1860 das nach kurzer Zeit bemerkt hatten und sich fortan vermehrt auf dem maroden Aachener Rasen tummelten. Besonders Volland und Rakic taten sich da hervor.

Was jetzt folgte, war Dramatik pur. Endlich noch mal ein leidenschaftliches Finish, wie man es sich in Aachen wünscht. Auf beiden Seiten ereignete sich zwar nichts Zwingendes mehr, aber der Sieg war nach wie vor greifbar. Kommen wir also mal auf das Phänomen des Benni Auer zurück – die fehlenden Zentimeter. In der 89. Minute setzte er sich nach einer Freistoßhereingabe wunderbar in Szene und köpfte Richtung Tor … und der Ball streifte nur denkbar knapp am Gehäuse vorbei ins Toraus. Verdammt noch mal! In den anberaumten drei Minuten Nachspielzeit passierte leider auch nichts mehr, weshalb sich die Alemannia am Ende mit einem Remis begnügen musste.

Und wie bewerten wir das Ganze nun? In jedem Fall bin ich der Meinung, dass die Alemannia ihr insgesamt bestes Saisonspiel zum Abschluss der Hinrunde gezeigt hat. Zum ersten Mal hat die Mannschaft konstant über zwei Halbzeiten das Spiel kontrolliert. In der Offensive standen am Ende lediglich zwei Tore zu Buche. Eine Ausbeute, die an diesem Sonntag durchaus hätte höher ausfallen können. Nichtsdestotrotz scheint sich eine Mannschaft gefestigt zu haben, die intakt ist und zudem in der Lage zu sein scheint, Torchancen zu kreieren. Einzig die Hintermannschaft, insbesondere die Innenverteidigung, fiel etwas ab. Feisthammel und Olajengbesi hatten das ein oder andere Mal erhebliche Probleme mit den schnell vorgetragenen Angriffen der Sechziger. Sollte sich die Defensive noch weiter stabilisieren und schlichtweg mehr Sicherheit ausstrahlen, dann darf überaus berechtigt auf eine sportliche Rettung der Alemannia gehofft werden. In jedem Fall hat es den Anschein, als hätte Friedhelm Funkels Arbeit bereits Früchte getragen. Dieses Phänomen muss sich jetzt nur noch in Punkte umwandeln lassen.

Wir Sportfreunde haben uns in jedem Fall sehr über diesen Fußballsonntag gefreut. Er gibt Anlass zur Hoffnung, wenngleich das heutige Ergebnis nicht ganz zufriedenstellend war. Ein Sieg wäre möglich und vielleicht sogar verdient gewesen. In diesem Sinne: Bis nächste Woche gegen Aue.

 

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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