Benny Auer und der Zungenkuss

Werner-Fuchs-HausPeter Hyballa ist definitiv kein 0815-Trainer. Gut 170 Gäste waren der Einladung der Interessengemeinschaft der Alemanniafans und Fanclubs e.V. ins Werner-Fuchs-Haus gefolgt und fragten den Chefcoach satte 150 Minuten lang über Auswechselverhalten, Startelf, Taktik oder Trainingseinheiten. Gerne hätte ich unseren Chefredakteur Steffen an meiner Seite dabei gehabt: Auf diesem Gebiet ist er einfach unsere Koryphäe – oder wie Moritz zu sagen pflegt: Koniphäre 😉

Ich gebe daher einfach meine persönliche und subjektive Wahrnehmung wieder und versuche das Bild, welches Peter Hyballa abgab, ein wenig darzustellen. Direkt auch vorneweg: Ich halte Peter Hyballa für einen sehr kompetenten und guten Trainer, der aber noch viel lernen muss. Seine direkte und ehrliche Art kann man ihm schon mal nicht absprechen. Der eine kommt damit klar, der andere nicht. So mancher Fragensteller bekam dies zu spüren und Hyballa machte dabei auch keinen Hehl daraus, dass er ein Typ mit Ecken und Kanten ist. Dies würden im Übrigen auch seine Spieler so erfahren. Er favorisiert eher die Ansprache vor der gesamten Mannschaft. Emotionen und Reaktionen will er so wecken. Bei Stieber hat das letzte Saison geklappt. Ojama gelang dieser Schritt nicht.

»Ich spreche mit den Spielern immer hart und ehrlich. Manchmal sehr sehr hart und ehrlich. Aber dann bekommt der Spieler auch eine ehrliche Antwort.« Peter Hyballa

Hyballa hat ein Konzept und einen Plan. Sein Vorbild ist, zumindest im Charakter, José Mourinho. Allerdings lässt dieser nicht immer schönen Fußball spielen. Zur Umsetzung seiner ehrgeizigen Ziele erwartet Hyballa aber auch, vor allem langfristig, mehr Unterstützung und (finanzielle) Möglichkeiten des Vereins. Dies machte er ja bereits im Interview mit uns deutlich.

Trainer Peter Hyballa im Werner-Fuchs-HausEr stellt sich, was ich absolut gutheiße, vor seine Jungens. Er nimmt sich, abgesehen vom Co-Trainer und Sportdirektor, das Recht der kompletten Kritik heraus. Er merkt außerdem vollkommen berechtigt an: »Die Spieler sind talentierte Fußballspieler, aber noch nicht erwachsen.« Hier fordert er mehr seine gestandenen Profis. Die kritisiert er dann auch schon mal eher im Verlauf eines solchen Abends.

Benny Auer hat zweifelsohne die besten Qualitäten „in der Box“ aber auch er bewege sich zu wenig. Stehle zeige sich auch noch zu wenig und sei im Rückstand. Dies überrascht mich dann doch. Eine verletzungsfreie und tolle Saison und dazu letztes Jahr eine gute Vorbereitung. Das kommt mir komisch vor. So kenne ich „die Axt“ nicht.

Stehle, Achenbach und Auer saßen zuletzt auf der Bank. Nicht nur ich habe das Gefühl, dass der Trainer so seine Probleme mit erfahreneren und selbstbewussten Spielern hat. So verlangt er zwar diesen unbedingten Biss, die kompromisslose Spielweise, zeigt sich aber selber oft uneinsichtig und arrogant. Der Übergang in das Ignorante und Überhebliche wirkte auch heute Abend auch öfter mal schwebend. In das aktuelle Bild der Alemannia passt dies natürlich.

Die Selbstkritik fällt ihm dann doch mehr als schwer. Sein Ehrgeiz und seine Philosophie leiden in der Außendarstellung darunter. Mir sagte er im Interview, dass er zwar nicht arrogant sein und wirken wolle, das Gegenteil ist aber der Fall.

Nun, ich mag aber eher Typen mit Ecken und Kanten. Manchmal fehlt mir dann noch der letzte Funken Grell. Zwar will Peter Hyballa nicht der böse Trainer sein und sich permanent mit den Schiedsrichtern anlegen, aber es hätte zu seiner Art gepasst und den Fans gefallen, wenn er nach dem Spiel in St. Pauli gesagt hätte, „man möge doch beim Rückspiel den Bruns auspfeifen. So eine Schwalbe ist doch das letzte.“

Seine auch humorvolle und unkonventionelle Art (ist halt ein Junge ausm Ruhrpott) kommen im Grunde gut an, aber im Moment steht er unter enormem Druck. Na klar hatte Düsseldorf in der letzten Saison einen extremen Fehlstart und stand am Ende vor uns. Na klar haben wir nach einem Sieg gegen Cottbus einen Punkt mehr am vierten Spieltag als letzte Saison. Die drei Punkte braucht die Alemannia definitiv: Fans, Trainer und Mannschaft können dann vorübergehend durchatmen. Der Anschluss bleibt gewahrt.

Hoffnung setzt Peter Hyballa dabei auf den Kapitän Benny Auer. Dieser wird, wie eventuell auch andere Spieler, in die Startelf rücken. Viel wollte er nicht verraten, schließlich sollen die Spieler solcheEntscheidungen als erstes und von ihm persönlich erfahren. Allerdings dürfe Benny Auer nichts von der Prämie erfahren haben, sollte er am Samstag ein Tor schießen: Ein Zungenkuss des Trainer wäre ihm dann sicher.

Auch vor der Türe wurde interessiert gelauschtTrotz des kurzweiligen und teils mit herzlichem Gelächter verbundenen Abends, merkte man dem Chefcoach aber die Anspannung an. Er weiß, dass jetzt entscheidende Spiele anstehen. Er und das junge Team müssen einem enormen Druck aushalten, für den sie nichts können.

Zum Erfolg, und somit zum Siegen verdammt, stehen sie Spiel für Spiel auf dem Platz, dabei können sie nichts dafür, dass entgegen aller Versprechungen doch nicht in Beine investiert werden kann und konnte. Hyballa stellte auf Rückfrage klar, dass es zwar noch Überlegungen und Wünsche bis zum Ende der Transferperiode am 31.08. gibt, aber die Kasse eigentlich doch leer und der Transfermarkt sehr überschaubar sei. Die einst von Erik Meijer gemachte Aussage, von den Stieber & Höger-Millionen können nun etwas in die Mannschaft investiert werden, stimmte also so auch nicht oder die Dinge haben sich weiter verschlechtert.

Nicht nur um des Trainers willen wünsche ich mir nichts mehr als einen Sieg der Alemannia am Samstag! 3 ¼ Spiele hat die Alemannia guten Fußball gezeigt. Am Samstag könnte man sich selber endlich und verdient belohnen. In diesem Sinne: Danke fürs lesen und auf einen Dreier gegen Cottbus!

PS: Weitere interessante und inhaltsreiche Berichte dürfte es in Kürze von der IG selber geben und auf center.tv Aachen, die für 30 Minuten vor Ort sein durften.

Über Friedrich

Friedrich ist eines der Gründungsmitglieder der Sportfreunde Kaiserstadt. 2013/2014 war er zudem im Vorstand der FAN-IG aktiv.
Dieser Beitrag wurde unter 2. Liga, 2011/2012, Alemannia Aachen, Bilder, Fanveranstaltungen, Peter Hyballa, Tivoli abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.