1860 München war da …

Ich kann mich noch vage erinnern, vor geraumer Zeit davon berichtet zu haben, die Kreditwürdigkeit würde bröckeln. Ziemlich genau drei Wochen später hat die Alemannia jedoch alles getan, um diesem Trend ein Ende zu bereiten. Nachdem zuletzt in Osnabrück gewonnen werden konnte, gelang am letzten Sonntag endlich wieder ein Heimdreier.

Die Heimstimmung hatte zuletzt ein wenig gelitten. Sagte man sich noch nach der 0-5 Klatsche gegen Hertha BSC Berlin, das könne mal passieren, war nach dem 1-3 Debakel gegen den VfL Bochum ein Tiefpunkt erreicht, der nicht so einfach hinzunehmen war. Nach drei sieglosen Spielen (Berlin, Ingolstadt und Bochum) konnte erstmals wieder in Osnabrück gewonnen werden (3-1). Und auch am letzten Sonntag reichte es nach zwei sieglosen Heimspielen in Folge endlich wieder zu einem Dreier. Gegner vor einer Kulisse von 18.521 Zuschauern war dieses Mal die Mannschaft von 1860 München.

Im Vorfeld der Partie stand weniger das Sportliche im Vordergrund. Während auf Aachener Seite eher die Jahreshauptversammlung von letztem Donnerstag in den Köpfen vieler Anhänger hing, machte 1860 in den letzten Wochen Schlagzeilen wegen der anstehenden Insolvenz. Nach Querelen um eine mögliche Rettung, einen offenen Fanprotest und eine naheliegende Rettungsmöglichkeit durch einen ausländischen Investor konnte man dem Team indes keine Unruhe andichten. Ganz im Gegenteil: Spielerisch sehr aufgeräumt und über eine erhabene Spielanlage verfügend zauberten die Münchner immer wieder tolle Spielzüge auf den neuverlegten Aachener Rasen.

Kommen wir also zum Spiel. Insgesamt muss man anerkennen, dass beide Teams eine erfrischende Leistung an den Tag legten. Sowohl die Alemannia als auch 1860 München waren von Beginn an um ein gepflegtes Offensiv-Spiel bemüht. Das manifestierte sich direkt zu Beginn in Chancen durch Stahl und Volland auf Münchner Seite sowie Arslan auf Seiten der Alemannia. Bereits in der Anfangsphase sollten sich die Aachener Bemühungen auch schon gelohnt haben. Marco Höger ließ Christopher Schindler 20 Meter vor dem Tor stehen und hämmerte das Leder unwiderstehlich mit dem linken Fuß in den Winkel. Marke Traumtor und ein toller Start in eine unterhaltsame Partie.

Die gesamte erste Halbzeit sollte weiter tempo- und abwechslungsreich bleiben. Beste Chancen konnten auf beiden Seiten jedoch nicht genutzt werden, weshalb die Teams unter Beifall in die Kabinen geschickt wurden.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Geschehen allerdings. Die Alemannia agierte jetzt etwas defensiver und lauerte, aus einer gefestigten Deckung, auf Kontermöglichkeiten. Richtig prickelnd wurde es dann auch erst wieder in der 66. Minute. Nach einem Stellungsfehler von Achenbach zog Aigner nach innen, umkurvte David Hohs und brachte das Kunststück fertig, das freie Tor aus spitzem Winkel NICHT zu treffen. Der Pfosten half glücklicherweise, den Ausgleich zu verhindern.

Das Spiel näherte sich nun mit großen Schritten dem Ende und am Bild sollte sich nicht viel ändern. Beide Teams spielten manierlich nach vorne, konnten jedoch ihre Chancen, die immer rarer wurden, nicht nutzen. Ferner bastelte 1860 München weiter am Eckenverhältnis. Das lag bis zur 79. Minute bei 0-8 Ecken. Dann folgte allerdings die erste auf Seiten der Alemannia. Wie es der Zufall so wollte, führte just diese eine Ecke zum erhofften Torerfolg. Nach Kopfballverlängerung durch Stehle stand Aimen Demai völlig blank und konnte den Ball seelenruhig an Kiraly vorbei ins Tor schieben. Das musste es doch gewesen sein.

War es jedoch nicht. Der jüngst zum Torschützen mutierte Demai verhalf den gegnerischen Münchnern mit einer katastrophalen „Ballannahme“ zum Anschlusstreffer. Nachdem die komplette Abwehr in Folge der fehlgeschlagenen Annahme ausgespielt war, vollendete Lauth den Angriff. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings noch knapp 10 Minuten zu gehen. In dieser Zeit musste noch mal ordentlich gezittert werden, aber wenig später war dann endgültig Schluss. Ein schönes Spielchen, gekrönt mit einem wichtigen Dreier gegen einen direkten Tabellennachbarn.

Besonders im Kampf um die Plätze, damit verbunden die Fernsehgeld-Verteilung, war der Sieg äußerst wichtig. Sportfreunde-Mitglied Fritz sprach nicht grundlos von einem „6-Punkte-Spiel“. Umso besser, dass dieses letztlich gewonnen werden konnte. Die einzig störenden Faktoren an diesem Sonntag waren die 10 Grad, die uns wettertechnisch in der Nacht abhanden gekommen waren sowie die desaströse Einleitung des Gegentores durch Aimen Demai. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass 6 Punkte aus 2 Spielen mehr als optimal sind und dadurch sogar weitere Möglichkeiten nach oben offen sind. Durch die Niederlage gegen Fürth hat sich beispielsweise der MSV Duisburg in unmittelbare Schlagdistanz manövriert. Während die Alemannia mittlerweile 41 Punkte auf dem Konto hat, sind es bei Duisburg deren 43 und bei Cottbus deren 45. Beide Mannschaften sind also durchaus noch in Schlagdistanz.

So freuen sich die Sportfreunde Kaiserstadt, am kommenden Freitag zahlreich in Duisburg vor Ort sein zu können. Fritz, Moritz, René, Sisi und meine Wenigkeit werden sich zusammen mit den Rollenden Aachener Kartoffelkäfern auf den Weg machen. Netterweise wurde uns angeboten, den gecharterten Bus mitbenutzen zu können. Einer unterhaltsamen Auswärtsfahrt steht also nichts im Wege.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Sehr schöner Bericht zum Spiel, sowas liest man gerne!

    Euch allen viel Spaß am Freitag!

    Ich werde es bei LigaTotal verfolgen und gegen Düsseldorf bin ich Auswärts wieder dabei!

    Gruß,
    Guido