0 – 8 – 15

Am vergangenen Samstag war die Alemannia Gastgeber in der Partie gegen den FSV Frankfurt. Und was hatte man zu erwarten? Würde die Alemannia an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen und erneut stark aufspielen können? Mit den Frankfurtern kam immerhin eine zur Zeit verunsicherte Mannschaft an den Tivoli, die aus den letzten drei Ligaspielen gerade mal ein mageres Pünktchen hatte generieren können. Aber was schließlich dabei rauskam, war sehr sehr mager … spielerisch.

Generell schien die Motivation an diesem Samstag eher gering zu sein. Dies galt sowohl für die Mannschaft der Alemannia als auch für die Sportfreunde Kaiserstadt. Was die Alemannia angeht, so darf dies gerne hinterfragt werden. Was uns jedoch angeht, sind die Gründe schnell gefunden. Das dritte fanfeindliche Samstagsspiel in Folge stand an. Vielen Dank an dieser Stelle, liebe DFL. Außerdem sind die Gäste aus Frankfurt in der unmittelbaren Vergangenheit nicht gerade positiv auffällig geworden. Warum also den Weg zum Tivoli antreten? Das hatten sich scheinbar auch viele weitere Leute gedacht. Ergebnis dessen: lediglich 15.813 Zuschauer. Das bedeutete zwar keine Minuskulisse in dieser Saison, ist aber letztlich sehr ärgerlich. Da wird wirklich billigend in Kauf genommen, dass Vereine Einnahmeeinbußen verzeichnen müssen. Wiederum: Mein Dank gilt der DFL.

Aber gehen wir mal über zum Spiel. Peter Hyballa hatte die Mannschaft nach dem furiosen 3-3 in Cottbus nicht umstellen müssen und begann wiederum mit der gleichen Startelf. Allerdings war vom Elan der Vorwoche nicht mehr viel zu erkennen. Zwar konnten zu Beginn gleich mehrere Chancen generiert werden, allerdings befand sich darunter keine Chance der Marke „gefährlich“. So plätscherte das Spiel in der Folgzeit vor sich hin, ehe es David Hohs in der 25. Minute vorbehalten war, erstmalig für richtig Aufregung zu sorgen. Einen langen Ball der Frankfurter wollte er am rechten Sechzehner-Eck vor Sascha Mölders erreichen, stürmte aus dem Strafraum und verpasste schließlich sowohl den Ball als auch den Spieler. Glücklicherweise traf Mölders aus spitzem Winkel aber auch nicht das Tor, weshalb es weiterhin beim mageren 0-0 blieb.

Bis auf die nun zunehmenden Chancen auf Frankfurter Seite gab es nur noch eine erwähnenswerte Szene in Durchgang eins. Während sich die Alemannia bei Keeper Hohs bedanken durfte, dass hinten weiterhin die Null stand (Rettungstaten gegen Bouhaddouz und Hickl), hatte Timo Achenbach seinen offensiven Höhepunkt der Saison. Gut 35 Meter vor dem Tor angespielt nahm er den Ball mit, lief noch gut 10 Meter, um ihn schließlich humorlos am völlig verdutzten Patrick Klandt vorbei ins linke obere Eck zu jagen. Der Wahnsinn, in Hälfte eins jedoch der einzig richtige Höhepunkt auf Seiten der Alemannia.

Der zweite Durchgang begann ähnlich wie der erste. Die wenig zwingenden Chancen auf beiden Seiten blieben ungenutzt. Hatte die Alemannia in Halbzeit eins noch wenig druckvoll und überaus berechenbar sowie statisch nach vorne gespielt, so schien nun wiedermal die Angst vor dem Gegentor zu regieren. Vollkommen unverständlich wurden jegliche Bemühungen, ein Offensivspiel aufzuziehen, eingestellt. Das führte dann auch schnell zu guten Chancen für die Frankfurter Gäste. Während Sascha Mölders nach einer Flanke noch vollkommen frei vor David Hohs auftauchte, um den Ball per Kopf an die Latte zu nageln, machte es Jürgen Gjasula in der 69. Minute dann besser. In Abseitsposition angespielt drehte er sich um seinen Gegenspieler und hämmerte das Spielgerät ins kurze Eck. Hierbei hatte David Hohs keine Abwehrchance.

Erst jetzt besann sich die Hyballa-Elf wieder. Das Spiel lahmte jedoch weiterhin. Der Alemannia gelang es einfach nicht, in der Offensive Akzente zu setzen. Das Spiel war zu linkslastig und berechenbar. Während die entscheidende Idee fehlte, verpuffte Spielaufbau um Spielaufbau. Zum Höhepunkt avancierte indes eine vielgefeierte Einwechslung. Seyi Olajengbesi kehrte nach monatelanger Verletzungspause endlich wieder zurück auf den Platz. Das sollte sich auch direkt bemerkbar machen, die Innenverteidigung strahlte mit einem Mal wesentlich mehr Sicherheit aus und ließ bis zum Abpfiff lediglich noch einen gefährlichen Distanzversuch von Wunderlich zu, der das Tor jedoch knapp verfehlte.

Dieses Mal war es der Alemannia vorbehalten, mit dem einzig genialen Spielzug an diesem Tag für den „lucky punch“ zu sorgen. Nach einer schönen Kombination über die linke Seite (!) war es Zoltán Stieber, der den Ball punktgenau auf den Kopf von Benni Auer flankte. Auer, der bis dahin kaum existent war, brauchte nur noch einnicken und konnte somit schon seinen 14. Saisontreffer verbuchen. Ebensoviele Vorlagen hat indes auch schon Zoltán Stieber gesammelt – das Duo funktioniert einfach. So endete das Spiel schließlich mit einem glücklichen 2-1. Abhaken, Punkte mitnehmen und Mund abwischen, mehr nicht.

Insgesamt muss allerdings festgehalten werden, dass die Truppe trotz des Sieges nicht zu überzeugen wusste. Von Beginn an agierte die gesamte Mannschaft zu statisch. Während vorne keine Optionen geschaffen werden konnten, verpuffte Spielaufbau um Spielaufbau. Während die rechte Seite erneut verwaiste, agierte die Alemannia über die linke Seite vermehrt berechenbar. Die Frankfurter, so sie sich noch nicht darauf eingestellt hatten, fanden schnell die passenden Mittel, um das Offensivspiel der Alemannia im Keim zu ersticken. Einzig den zwei Geistesblitzen von Achenbach und Stieber war es letztlich zu verdanken, dass trotz der spielerischen Mängel an diesem Tag drei Punkte eingefahren werden konnten. Allerdings darf auch David Hohs nicht in Vergessenheit geraten. Auch ihm war es zu verdanken, dass Frankfurt nicht mehr als diese eine Mal das Tor traf. Mit jedem Spiel mehr kann man erahnen, warum Hans Spillmann neulich meinte, Hohs hätte sein gesamtes Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.

Freuen wir uns einfach über drei Punkte, das Comeback von Seyi Olajengbesi und die Erkenntnis, das es spielerisch kaum schlechter werden kann. Solange die Ausbeute jedoch stimmt, darf die Alemannia gerne schlecht spielen. 0 – 8 – 15 muss es aber bitte nicht immer sein.

Steffen

Über Steffen

Steffen ist Gründungsmitglied und "Chefredakteur" der Sportfreunde. Er bringt die Dinge auf den Punkt - mit schwarz-gelber Brille.
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  • Also der Auer hatte in der zweiten Halbzeit noch ne verdammt gute Kopfballchance nach einer Ecke – leider wurde auf der Linie geklärt. Auer kann es halt nicht wie Rooney (http://www.youtube.com/watch?v=F10MdQhZHK8). Dies ändert allerdings nichts an der 100%igen Korrektheit deiner Ausführungen 😀 Aber nach den Feuerwerksspielen der letzten Wochen kommt so ein Drecksspiel halt auch mal vor. 😉

  • Steffen

    Stimmt, der Kopfball von Benni Auer ist mir irgendwie durch die Lappen gegangen! 😉

    Rooney trifft so einen Ball übrigens auch nur einmal im Leben! Wenn er Glück hat, vielleicht noch ein zweites Mal! 🙂

  • Und wo ist der Unterschied zwischen Rooney & Auer? Sicherlich irgendwo im dem Bereich, was ich in meinem gesamten Leben mal verdienen will 😉

    btw. Auer hatte noch eine Doppelchance im 5er gg. den Torwart, aber auch das brachte (leider) nix.

    Insgesamt habe ich das Spiel auch so gesehen, wobei Hälfte 1 noch ging, der Anfang der zweiten Hälfte bis 5 Min. nach dem Ausgleich aber eine Zumutung war!

    Wie sagte Sascha neben mir „Die betteln doch jetzt um den Ausgleich!“ *patsch*

    Platz 10 ist nun da und mit einem Dreier in Patte könnte… ja, MEINE Alemannia wird das schon vergeigen – leider.

  • Wieso so pessimistisch lieber Frank ?! Samstag gewinnen wir in Patterborn und klettern auf Platz 9 😀

  • Sisi

    Also:

    Gut spielen und trotzdem immer diese Drecksunentschieden und wirklich maximal lalala spielen (man darfes auch als schlecht behaupten) und gewinnen? Bitte beides zusammenbringen Alemannia…

  • @Sisi: Aber wenn die Jungs alles zusammenbringen, dann geht´s ja um den Aufstieg 😎
    Das kann doch niemand wollen bzw….. die dürfen doch gar nicht!