„Der hätte sogar die Titanic gerettet“ – Kann Funkel das auch?

Fanclubtreffen im Klömpchensklub - 11.07.2011Diesen oder einen ähnlichen Satz würden die Fans und Anhänger der Alemannia sehr gerne am 34. Spieltag aus dem Munde von einem Alemannia-Spieler über Friedhelm Funkel hören. Aber bis dahin ist noch ein sehr weiter Weg. Vielleicht ein zu weiter Weg …

Ursprünglich stammt dieser berühmt gewordene Satz von Jan-Age Fjörtoft aus der Saison 98/99 und war seinem damaligen Trainer Jörg Berger gewidmet, der den fast unmöglichen Klassenerhalt mit der Eintracht aus Frankfurt am letzten Spieltag noch geschafft hatte. Jenem Jörg Berger, mit dem wir in Aachen von 2001 bis 2004 insgesamt eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit verlebt haben, u.a. standen wir 2004 im Pokalfinale gegen Werder Bremen. Wer erinnert sich nicht gerne an diese schönen Momente zurück?!

Aber genug in schönen Erinnerungen geschwelgt und zurück in die, zumindest aus Aachener Sicht, sehr bittere Realität: 4 Punkte aus 10 Spielen und dabei nur ganze zwei Tore geschossen. Das ist momentan leider die harte Realität.

Das war auch der Grund, warum zumindest drei Sportfreunde den „Messias“ Funkel am Tivoli begrüßen und seine Aussagen begutachten wollten. Friedhelm Funkel stand gestern Abend ab 19 Uhr nach einer einführenden Gesprächsrunde mit Moderatoren den Anwesenden Rede und Antwort im Klömpchensklub am Tivoli. Jeder Fan, Freund und Anhänger der Alemannia war dazu herzlich willkommen.

Zunächst einmal wurden einige Zahlen, Daten und Fakten zum neuen Trainer präsentiert. Hier nur die wichtigsten: Friedhelm Funkel ist 57 Jahre alt. Seine durchschnittliche  Amtszeit als Trainer bei einem Verein beträgt 2,19 Jahre und mit insgesamt mehr als 1.100 Spielen als Spieler und Trainer gibt es wohl kaum einen erfahreneren Trainer in Deutschland.

Der neue Coach begrüßte nun die Anwesenden mit einigen warmen Worten und dann mit einem „Prost“ und erhob sein Pils-Glas. Die Gesprächsrunde begann daraufhin mit einer sehr direkten Frage: „Herr Funkel, es sind noch 24 Spiele und wir brauchen 36 Punkte. Ist dies überhaupt möglich?“. Wie jeder Trainer der Welt bejahte er natürlich diese Frage, sonst hätte er wohl auch seinen Beruf verfehlt. Aus seiner Sicht hat die Mannschaft genug Potential, die Liga zu halten. Aber auch schon beim Potential der Mannschaft gingen die Ansichten sehr weit auseinander. Viele der Anwesenden, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zum Tivoli pilgern, meinten, dass die Mannschaft gerade einmal Regionalliga-Niveau habe. Friedhelm Funkel sieht dies anders, auch wenn er sich sehr wohl bewusst ist, dass einige Leistungsträger der letzten Saison, wie zum Beispiel Stieber, Höger und Arslan, mittlerweile bei anderen Vereinen ihr Können unter Beweis stellen.

Er brachte unmissverständlich zu verstehen, dass „die Alemannia nicht auf Rosen gebettet ist“ und dass sich „die finanziellen Möglichkeiten in Grenzen halten“. Nichtsdestotrotz konnte der Beobachter und Zuhörer zwischen den Zeilen lesen, dass er zur Winterpause doch noch sehr gerne die eine oder andere Verpflichtung tätigen würde.

Der neue Trainer stellte einige Aspekte der Alemannia sehr positiv heraus. So ist er der Ansicht, dass er eine solche Sorge und einen solchen Zusammenhalt der Anhänger in Bezug auf die Alemannia noch nie bei einem anderen Verein erlebt habe. Des Weiteren merkte er auch sehr positiv an, dass gegen den FSV Frankfurt, als Tabellenletzter, 15.000 Zuschauer im Stadion waren. Er stellte den Vergleich mit dem VFL Bochum an, seiner letzten Trainerstation: „Dort wären in der gleichen Situation maximal 5.000 Zuschauer gekommen“. Die Fans der Alemannia wissen dies, trotzdem war es sehr schön, dies aus seinem Munde zu hören.

Er gab aber auch unmissverständlich zu verstehen, dass spätestens jetzt jeder Spieler mitziehen muss. „Und wer dies nicht tut, ist bei der Alemannia einfach fehl am Platze.“ Mit anderen Worten: Wer sich jetzt nicht den A…. für den Verein aufreißt, kann den Verein verlassen. An dieser Stelle muss die Frage von den Sportfreunden an die Spieler erlaubt sein: Glaubt ihr wirklich, ihr findet einen anderen Verein, der euch nimmt, wenn ihr zur Winterpause bei der Alemannia ausgemustert werdet? Wer möchte wohl einen ausgemusterten Spieler vom Tabellenletzten der 2. Liga? Denkt einfach mal darüber nach … Funkel meinte weiterhin: „Hier geht es schon lange nicht mehr um den einzelnen Spieler, hier geht es um den ganzen Verein!“, Applaus der Anwesenden brandete daraufhin auf.

Also Jungens: Auf geht´s Aachen, kämpfen und siegen!!!

Ein weiterer wahrer Satz vom neuen Trainer, der auch sehr gut zur momentanen Situation passt, war: „Fehler passieren, sowohl privat als auch auf dem Platz, aber man muss sie wieder gut machen!“

Die Sportfreunde und alle anderen Anhänger der Alemannia haben diese Saison schon genug Fehler gesehen, es ist an der Zeit, sie wieder gut zu machen!

Friedhelm Funkel äußerte auf Nachfrage eines Fans, dass auch der zuletzt aussortierte Aimen Demai wieder mit der Mannschaft trainiere. Sollte sich dieser durch gute Trainingsleistungen aufdrängen, würde er auch wieder spielen. Was in der Vergangenheit passiert ist, interessiere ihn nicht. Es ginge ihm, wie er des Öfteren betonte, lediglich um die Alemannia und den Klassenerhalt. Und wenn er der Meinung sei, dass Demai dabei helfen könne, würde er ihn auch wieder spielen lassen.

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Ein älterer Herr, wir würden ihn vielleicht auf Mitte 60 schätzen, stand auf und bot Herrn Funkel eine Wette an: Er bot an, dass er ihm 10€ von seiner sehr kleinen Rente gäbe, mehr sei leider nicht möglich, wenn die Alemannia aus Dresden 3 Punkte mit nach Hause an den heimischen Tivoli bringe. Als Gegenleistung bot der neue Trainer ein Essen an, falls man in Dresden verliere. Aber auch diese Randnotiz zeigt, dass viele Bewohner der Stadt Aachen bereit sind, für die Alemannia „das letzte Hemd zu geben“. Und wenn es sein muss, dann sogar noch mehr …

Friedhelm Funkel beendete nach einer Stunde und 15 Minuten die Gesprächsrunde mit dem Versprechen, bis zum Ende der Saison 2011/2012 alles dafür zu tun, die 2. Liga mit der Alemannia zu halten. Und dieses Versprechen haben wir ihm zumindest voll und ganz abgekauft. Des Weiteren verließ Herr Funkel auch nicht direkt nach der Talkrunde den Klömpchensklub, sondern stand noch 30 Minuten für weitere Fragen und Fotos zur Verfügung. Viele seiner Vorgänger wären, und sind auch zum Teil, nach solchen Veranstaltungen geradezu fluchtartig gegangen.

Insgesamt machte Trainer Funkel einen sehr sympathischen und ehrlichen Eindruck auf uns und wenn überhaupt jemand diese sehr angeschlagene Alemannia-Titanic retten kann, dann doch bitte Friedhelm Funkel.

In diesem Sinne wünschen die gesamten Sportfreunde dem neuen Trainer eine erfolgreiche Arbeit am Tivoli!

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  • Steffen

    Guter Bericht! Wäre echt cool, wenn wir es nächste Woche wieder zu den Ladies in Black schaffen! 😉
    Übrigens auch sehr nett, dass ein gewisser Herr Heinrichs direkt neben uns gesessen und über alles Mögliche diskutiert hat! 🙂

    • Steffen

      Au Backe … jetzt kommentiere ich schon falsch … 😀